Anja Stahmann über Sport in der Corona-Krise

„Ich wünsche mir nichts sehnlicher als offene Freibäder“

Sportsenatorin Anja Stahmann äußert sich im Interview zu Lockerungen im Bremer Sport während der Corona-Krise und wann wieder mit einem echten Wettkampfbetrieb gerechnet werden kann.
22.04.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Ich wünsche mir nichts sehnlicher als offene Freibäder“
Von Mathias Sonnenberg
Frau Stahmann, wie viele Vereine haben sich bei Ihnen gemeldet und gesagt: Bitte sorgen Sie für Lockerungen im Sport!

Anja Stahmann: Die Vereine sind sehr ­verständnisvoll, und Funktionäre wie auch Mitglieder gehen ausgesprochen verant­wortungsvoll mit der Situation um. Aber wenn sie sehen, dass im Bürgerpark gejoggt werden darf, dass auf den Wiesen am Osterdeich der Ball rollt, dann fragen sie sich natürlich, ­warum das auf den Sportanlagen nicht ­möglich sein soll. Und das vollkommen
zu Recht. Über Lockerungen sprechen ei­gentlich alle – teils direkt mit uns, teils über den LSB.

Sie haben schon in der vergangenen Woche auf Lockerungen im Bremer Sport gefordert. Was sprach gegen eine Bremer Insel-Lösung?

Ich finde es richtig, dass die Länder sich auf dem Stand der Forschung, auf Grundlage von Expertenrat eine Meinung bilden und versuchen, möglichst gemeinsame Schlussfolgerungen zu ziehen. Das hat auch etwas mit der Akzeptanz politischer Entscheidungen zu tun. Dabei darf man aber nicht erwarten, dass jedes Land exakt eins zu eins dieselben Schlüsse zieht.

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Wofür plädieren Sie?

Ich bin für ein abgestimmtes Vorgehen, das aber den einzelnen Regionen Raum für Abweichungen lässt. Ich finde zum Beispiel, man muss in einer Großstadt mit großen Wohnanlagen andere Regelungen treffen als im ländlichen Raum, wo die Menschen viel Grün um sich haben und eigene Gärten. Also: Abgestimmt, aber nicht zwingend im Gleichschritt.

Wann rechnen Sie wieder mit einem echten Wettkampfbetrieb?

Alle Debatten über eine Exit-Strategie müssen den Wirklichkeitstest bestehen. Es hilft nichts, jetzt Zeitpläne für die Schritte drei, vier und fünf zu erstellen, wenn wir am Ende feststellen müssen, dass uns schon die Umsetzung von Schritt eins und zwei vor Probleme stellt. Schrittweise vorgehen bedeutet für mich: Einen Schritt nach vorn, die Ergebnisse abwarten, und dann den nächsten Schritt. Wir müssen es zulassen, dass wir in dieser unübersichtlichen Situation Erfahrungen sammeln, und dann nach und nach unsere Handlungskonzepte weiterentwickeln.

Gibt es auch Hoffnung, dass Sport wieder in Hallen stattfinden kann? Wird es auch dort einen Zeitplan geben?

Ja, die Hoffnung gibt es, sogar die feste Erwartung. Aber Sie wissen, was ich in der derzeitigen Situation von Zeitplänen halte.

Wie realistisch ist es, dass Schwimmbäder in den kommenden Wochen eröffnet werden?

Als Sportsenatorin stehe ich ja auch in der Verantwortung für die Bremer Bäder. Sie können mir glauben, dass ich mir nichts sehnlicher wünsche als offene Frei- und Hallenbäder. Die Öffnungsstrategie für den Sport schließt mit ein, dass wir die Umkleiden und die Duschen vorerst nicht wieder öffnen. Dann muss man eben verschwitzt nach Hause fahren und dort duschen. Schön ist das sicher nicht, aber in dieser Zeit zumutbar.

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Wie wäre das in Schwimmbädern?

In Schwimmbädern ist das nicht umzusetzen. Sie sind Sportstätten, in denen die Hygiene- und Abstands-Vorgaben am schwierigsten einzuhalten sind. Ich glaube, es wird noch eingehender Debatten bedürfen, bis wir eine Vorstellung haben, wann und wie wir die Bäder wieder öffnen können.

Haben Sie Sorge, dass Menschen durch die Lockerungen das Virus weniger ernst nehmen, Abstände nicht eingehalten werden?

Ja, die Sorge habe ich. Und ich appelliere an jede und jeden Einzelnen, sich seiner Verantwortung bewusst zu sein. Ich möchte nicht, dass wir nach den Lockerungen wieder über strengere Reglementierung sprechen müssen.

Das Gespräch führte Mathias Sonnenberg.

Info

Zur Person

Anja Stahmann (52) ist seit 2011 Bremer ­Senatorin für Soziales, ­Jugend, Integration und Sport. Die Grünen-Politikerin aus Bremerhaven studierte in Göttingen, ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt in Bremen-Walle.

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