Nach Gewinn des Lotto-Pokals

Kritische Beurteilung von FCO-Trainer Arambasic

Der Regionalligist FC Oberneuland hat am vergangenen Samstag den Bremer Lotto-Pokal gewonnen. Trainer Arambasic bewertet die Leistung seiner Mannschaft jedoch kritisch.
24.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye

Gänzlich unerwartet kam dieser Spielverlauf nicht. „Mir war schon klar, dass es nicht einfach wird“, meinte Günter Hermann am Tag nach dem Pokalsieg. Mit 5:4 (2:2) nach Elfmeterschießen hatte sein FC Oberneuland den Blumenthaler SV besiegt. Die erfolgreiche Titelverteidigung wurde begleitet durch den Einzug in den DFB-Pokal, wo die Bremer am Wochenende des 12./13. September auf den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach treffen.

Ein nahezu perfektes Los, das bereits vor dem Duell um den Lotto-Pokal festgestanden hatte. Beim FCO haben sie also allen Grund zur Freude, und das ist auch für den Sportlichen Leiter Anlass genug, den letztlich verdienten aber eben auch glücklichen Sieg einzuordnen. „In den anderen Pokalendspielen hatten viele Favoriten ihre Probleme“, sagt Günter Hermann.

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Auf die kritische Begleitung seiner Mannschaft mochte er deshalb allerdings nicht verzichten. Zwar räumte Hermann ein, dass der heftige Gewitterregen vorm Anpfiff „dem Blumenthaler SV in die Karten gespielt“ hatte. Angesichts des nun deutlich tieferen Bodens habe der um Aktivität bemühte FCO gewisse Probleme mit der „Stand- und Passgenauigkeit“ gehabt. Aber der spätere Titelgewinner war in den 90 Minuten der regulären Spielzeit eben auch unter seinen Möglichkeiten geblieben. „Außer Jonas Horsch und Tom Trebin ist niemand in Normalform angetreten“, so Günter Hermann. Eine Ursache für die mäßige Leistung lieferte der Sportliche Leiter gleich mit: „Das war auch Überheblichkeit. Nach dem 7:0 im Halbfinale gegen Borgfeld haben wir gedacht, das wird schon laufen.“

Es lief aber nicht, zumindest nicht wie gewünscht. Insofern war das Pokalfinale denn auch nicht geeignet, für Optimismus zu sorgen. „Das reicht definitiv nicht für die Regionalliga“, bekannte FCO-Coach Kristian Arambasic. Allerdings habe man ja auch noch „zwei Wochen Zeit“, ehe die vierte Liga in die Saison startet. Wird man sie nutzen, um noch den einen oder anderen Spieler zu holen? „Wir suchen sowieso noch zwei Spieler“, sagt Günter Hermann.

Es gibt eine Wunschliste

Ein Mittelstürmer und ein Sechser stehen auf der Wunschliste, bereits seit einigen Wochen. Nun spült der Pokalsieg ein TV-Geld von rund 160.000 Euro in die Kasse – allerdings in brutto. Von dieser Summe abzuziehen sind mehrere zehntausend Euro. Sie gehen gestaffelt an die unterlegenen Pokalteilnehmer. Aber es dürfte etwas übrig bleiben. „Wenn wir einen Top-Stürmer finden, der uns weiterhilft, würden wir uns Gedanken machen“, sagt Hermann. Er gibt auf der anderen Seite aber zu bedenken, dass der Grundsatz, nachdem kein Spieler mehr als 250 Euro erhalten soll, eigentlich auch für einen Neuzugang gelten muss.

Zudem sind die Mehreinnahmen bereits verplant. Aber nicht im laufenden Budget. Es war bereits vor Wochen auf 175.000 beziffert worden und soll sich nun nicht ändern. „Wir haben einen Pokalsieg nicht in den Etat eingerechnet“, betont Günter Hermann. Die Summe – am Ende könnten 100.000 Euro übrig bleiben – soll in die Infrastruktur des FCO fließen. So wird dringend ein zweiter Rasenplatz neben dem Grün im Stadion benötigt.

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Er würde dafür sorgen, dass die 1. Herren und die nun ebenfalls in die Regionalliga Nord aufgestiegene U 19 auf natürlichem Untergrund trainieren können und nicht auf den Kunstrasen ausweichen müssen. Daneben plant der Verein, das Flutlicht in der Arena mit modernen LED-Lichtern auszustatten – auch das ist ein kostspieliges Vorhaben. „Die Jungs bekommen ihre Prämie, und den Rest stecken wir in den Verein“, sagt Günter Hermann.

Tausch des Heimrechts

Dabei haben die Oberneulander eine Idee, wie sie das zu erwartende TV-Geld maximieren können. Derzeit bemühen sich einige Amateurklubs – etwa Eintracht Norderstedt, das auf Bayer Leverkusen trifft – darum, ihr Heimrecht im DFB-Pokal zu tauschen. Im Falle des FCO hieße das: Gegen Mönchengladbach würde in der großen Borussia-Arena gespielt. „Das wäre in unserem Sinne, und deshalb wird es Gespräche geben“, sagt der Sportliche Leiter. Im DFB-Pokal würden „im Moment Geisterspiele“ ausgetragen.

Insofern würde Oberneuland nicht einmal die Zuschauereinnahmen der Corona bedingten Kapazität generieren. Dagegen müsste der Verein aber einigen Aufwand betrieben, sein Stadion einmal mehr fernsehtauglich zu machen, und auch die geltenden Hygiene-Vorschriften würden eine Menge Kosten verursachen. „Das wäre im Gladbacher Stadion alles viel einfacher“, so Hermann. Er vermutet, dass bereits in der kommenden Woche eine Entscheidung fällt.

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Fest steht aber, dass der FC Oberneuland gegen den Champions-League-Teilnehmer antreten wird – und nicht der Blumenthaler SV. Dabei hatte der unterlegene Finalist noch so gejubelt, als er den Favoriten mit dem 2:2 nach regulärer Spielzeit ins Elfmeterschießen gezwungen hatte. Der psychologische Vorteil lag damit eigentlich aufseiten der Blumenthaler. Dann waren diese in Person von Jan-Luca Warm und Malte Tietze angetreten und gleich an FCO-Keeper Jonas Horsch gescheitert. Später vergab noch Dominik Willkomm, und so war die Niederlage perfekt. „Das ist einfach ärgerlich“, fasste BSV-Trainer Steffen Dieckermann die Entscheidung zusammen. Ärgerlich und bitter. Nur einige kleine Gesten der Blumenthaler verrieten, dass sie bereits kurz nach dem Spiel auch ziemlich stolz auf ihre Leistung waren.

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Zur Sache

Vermutlich keine Knieverletzung

Die ersten Szenen ließen Schlimmes erwarten: Erst schrie Onur Uzun, dann lag er lange auf dem Rasen, und schließlich humpelte der Mittelfeldspieler zum Sieges-Jubel mit den Kollegen. Kurz vor Schluss der Partie gegen den Blumenthaler SV hatte sich Uzun verletzt; betroffen war das Knie, das ihn einst zu einer langen Pause gezwungen hatte. „Das sieht gar nicht gut aus bei Onur“, wurde bereits getuschelt.

Am Tag nach dem Finale erfolgte aber die vorläufige Entwarnung. „Das Knie ist es wohl nicht“, meinte FCO-Trainer Kristian Arambasic. Dem Offensivspieler zwickte später nur noch die Wade, und so geht man in Oberneuland davon aus, dass die Pause nur von kurzer Dauer sein wird. Für Sicherheit wird allerdings erst eine Untersuchung an diesem Montag sorgen.

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