223 Wohnungen in Lüssum

Gewoba verhandelt mit Vonovia

Vonovia beabsichtigt, seine Wohnungen an der Lüssumer Heide zu verkaufen. Der Bausenator hat dem Immobilienunternehmen mitgeteilt, dass ein Ankauf geprüft wird. Die Gewoba führt die Verhandlungen.
18.03.2019, 16:56
Lesedauer: 3 Min
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Gewoba verhandelt mit Vonovia
Von Julia Ladebeck
Gewoba verhandelt mit Vonovia

Das Immobilienunternehmen Vonovia hat sich gegen eine Sanierung und für den Verkauf seiner Wohnungen an der Lüssumer Heide entschieden.

Christian Kosak

Der Immobilienkonzern Vonovia verkauft seine 223 Wohnungen an der Lüssumer Heide. Darüber hat das Unternehmen den Senator für Umwelt, Bau und Verkehr in einem Schreiben vom 8. Februar dieses Jahres informiert. Das Bauressort prüft nun, ob ein Ankauf infrage kommt. Die Verhandlungen führt das stadteigene Wohnungsunternehmen Gewoba. Das geht aus einer Vorlage für die Senatssitzung an diesem Dienstag hervor, in der eine Anfrage der Bürgerschaftsfraktion der Linken beantwortet wird.

Das Bochumer Unternehmen Vonovia bestätigte die Gespräche auf Nachfrage unserer Redaktion. Wie weit diese bereits gediehen sind, wollte Pressesprecherin Bettina Benner allerdings nicht sagen. „Wir befinden uns in ergebnisoffenen Gesprächen. Mehr kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.“

Eine Einzelfallentscheidung

Bereits im Dezember hatte ein Vonovia-Vertreter in der Sitzung des Beirats Blumenthal bekannt gegeben, dass ein Verkauf in Erwägung gezogen wird. Davor sollte den Worten des Konzernsprechers nach aber die Prüfung einer energetischen Sanierung der Objekte stehen. Demnach wollte Vonovia ab 2020 klären, ob es sich rechnet, Geld in das Brennpunktviertel zu investieren. „Wir behalten uns vor: Wenn es sich wirtschaftlich nicht rechnet, werden wir gegebenenfalls die Lüssumer Heide verkaufen", sagte Bereichsleiter Thorsten Prietz in der Sitzung vor wenigen Monaten. Offenbar ist die Entscheidung nun doch schneller gefallen. Die Verkaufspläne sind konkret.

„Wir haben auf der Beiratssitzung angekündigt, die Sanierung für 2020 ins Auge zu fassen, die Planungen hierzu erfolgten bereits. Wir haben die Modernisierung intensiv geprüft und uns hierfür ausreichend Zeit genommen. Das Ergebnis dieser Prüfung sieht den Verkauf vor“, erläuterte Bettina Benner. Der Verkauf der Wohnungen an der Lüssumer Heide sei eine Einzelfallentscheidung. „Es gibt keine Pläne zu weiteren großvolumigen Portfolioverkäufen in Bremen-Nord.“

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Immer wieder waren in den vergangenen Monaten der schlechte Zustand der Vonovia-Wohnungen in Lüssum und nicht nachvollziehbare Nebenkostenabrechnungen kritisiert worden. Insgesamt bewirtschaftet Vonovia in Lüssum circa 440 Wohnungen an der Lüssumer Heide und am Hegeweg. In der Antwort auf die Anfrage der Linken, die nach einer Bewertung der aktuellen Situation der Mieterinnen und Mieter von Vonovia-Wohnungen in Lüssum durch den Senat gefragt hatten, heißt es: „Der Senat hält es für dringend erforderlich, dass an den Wohnungsbeständen in Lüssum Instandhaltungs- und Sanierungsarbeiten erfolgen.“ Darauf habe der Senat Vonovia mehrfach hingewiesen. Die Sozialsenatorin habe außerdem, so heißt es weiter, an der Lüssumer Heide ein Beratungsangebot der Verbraucherzentrale initiiert, um die Mieter beim Umgang mit strittigen Nebenkostenabrechnungen zu unterstützen.

Gewoba besitzt bereits Wohnungen in der Nachbarschaft

Während Vonovia sich im Falle Lüssumer Heide gegen eine Sanierung und für den Verkauf seiner Objekte entschieden hat, investiert der Immobilienkonzern an anderen Stellen in Bremen-Nord in seinen Bestand. „Wir führen aktuell bereits Sanierungen in Objekten unter anderem an der Lesumer Heerstraße, der Seefahrtstraße, Vor den Kampen und Hünertshagen durch“, so Bettina Benner.

Die mit den Verhandlungen über einen Ankauf beauftragte Gewoba besitzt in der Nachbarschaft zu den Vonovia-Objekten bereits fast 600 Wohnungen. Der Nordbremer Ortsverband der Linken hatte schon im Dezember einen Ankauf durch die Gewoba gefordert. „Denn wenn eines in Lüssum offensichtlich wird, dann dass diese deutlich seriöser und besser im Sinne der Mieterinnen und Mieter vorgeht", betonte in diesem Zusammenhang Maja Tegeler, stellvertretende Sprecherin des Linken-Ortsverbands.

Senator Joachim Lohse (Grüne) hatte im Herbst vergangenen Jahres in einem Interview mit der NORDDEUTSCHEN geäußert, dass ein Erwerb für die Gewoba in unmittelbarer Nachbarschaft „ihrer eigenen, gut gepflegten Bestände“ in Lüssum interessant sein könnte. Er betonte aber auch: „Aber man wird nicht jeden spekulativ überhöhten Preis bezahlen.“

In einem Bieterverfahren um die Grohner Düne war die Gewoba im Jahr 2013 bekanntlich nicht zum Zuge gekommen. Die Gewoba hatte mehr als 20 Millionen Euro geboten und das Gebot auf Nachfrage noch einmal erhöht. Trotzdem waren 422 Wohnungen in dem Grohner Hochhausblock von der Deutsche Wohnen AG an Grand City Property verkauft worden. Senat und Gewoba waren danach für den geplatzten Kauf von der Opposition massiv kritisiert worden.

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