Zeitung in der Schule Schüler werden Zeitungsprofis

Achtklässler aus Lüssum feiern Auftakt der aktuellen Zisch-Projektrunde
18.01.2019, 17:33
Lesedauer: 3 Min
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Schüler werden Zeitungsprofis
Von Catrin Frerichs

Mit einem strahlenden Lächeln begrüßen Schülerinnen der Oberschule In den Sandwehen die Gäste schon am Eingang zur Aula. Schöner kann ein Tag eigentlich nicht beginnen. Die folgenden zwei Schulstunden zeigen: Es geht noch viel besser. Am Freitag feiert der achte Jahrgang der Lüssumer Oberschule mit vielen Gästen den Auftakt der diesjährigen Zisch-Runde. Dabei wird klar: Die Jugendlichen auf der Bühne agieren wie echte Profis – allen voran Ayham Alshalabi aus der 7d und Shedrak Emokhai (10f), die jeder für sich einen souveränen Soloauftritt am Klavier hinlegen.

„Das Tolle an der Tageszeitung ist, dass man nicht weiß, was einen erwartet“, sagt Dieter Kretschmann zu Beginn der etwa eineinhalbstündigen sehr kurzweiligen Feier. Mit der Zeitung können Leser etwas erfahren, was sie noch nicht gewusst haben, sagt der Lehrer, der die Veranstaltung moderiert. „Es ist ein Erfolgserlebnis, mitreden zu können.“ Wer Zeitung liest, schult die Allgemeinbildung, das belegen auch Studien. Diese Erfahrung werden in den kommenden drei Monaten die fünf achten Klassen In den Sandwehen sowie knapp 115 weitere Zischklassen machen, die im Unterricht mit der Tageszeitung arbeiten. In dieser Zeit lernen mehr als 2700 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Bremen und umzu das selektive Lesen und die verschiedenen Stilformen kennen. Sie setzen sich mit dem Wahrheitsgehalt von Nachrichten und ihrer Bedeutung auseinander.

Zudem werden sie selbst zu Reportern. Jede Klasse recherchiert zu einem selbst gewählten Thema. Die Ergebnisse erscheinen nach den Osterferien in Zisch-Journalen, die dem WESER-KURIER und den regionalen Ausgaben beiliegen. Zum zweiten Mal unterstützt die AOK Bremen/Bremerhaven das Projekt zur Förderung der Lese- und Medienkompetenz. Jörn Hons, heute Pressesprecher der Gesundheitskasse, hat zuvor selbst in einer Zeitungsredaktion gearbeitet. „Als Journalist muss man immer neugierig sein auf die vielen verschiedenen Themen, die die Welt bietet.“ Auch in dieser Projektrunde arbeiten einige Schulklassen mit der AOK zusammen und recherchieren etwa zu Themen wie Organspenden, Depression und Hochleistungssport am Beispiel von Basketball-Profis der Eisbären Bremerhaven.

Hat die gedruckte Zeitung eine Zukunft? Dieser Frage widmen sich vier Schülerinnen aus der 8d in einer Podiumsdiskussion. „Die Welt wird immer digitaler, die Papierzeitung muss sich anpassen“, meint Leonie Jünemann. Dem stellt Mitschülerin Feline Roth die Nutzungsgewohnheiten der Leser gegenüber. Marua Acar, die in der Runde die Wissenschaftlerin mimt, bestätigt: „89 Prozent der Printleser würden ihre gedruckte Zeitung vermissen.“ Fazit von Denise Stawowy: Junge Menschen informieren sich zwar lieber digital, die Zeitung ist aber angenehmer für die Augen, lässt sich immer und überall ohne Technik nutzen und wird auch 2029 noch relevant sein.

Dass sich die Zeitung für viele andere Dinge eignet, erläutert Stefan Dammann, Leiter der Redaktion Sonderthemen beim WESER-KURIER. Man könne aus ihr Papierhüte basteln, sie in nasse Schuhe stopfen und Fisch darin einwickeln. „Versuchen sie das mal mit einem Tablet“, gibt er zu bedenken.

Seit 2003 richten der WESER-KURIER und das Aachener Izop-Instiut das Zisch-Projekt aus – die Oberschule In den Sandwehen ist von Anfang an dabei. Zisch ist einer von vielen Bausteinen zur Förderung der Schreib-, Lese- und Medienkompetenz. Die Oberschule verfügt über einen Lesegarten und eine Bibliothek, richtet Lesewochen und Vorlesewettbewerbe aus. Eine neunte Klasse bringt das Schuljahrbuch „Sandjournal“ heraus; Achtklässler schreiben mit einem Autor aus der Region den „Schulhausroman“. Wie bereichernd das ist, wissen die jetzigen Neuntklässler Zana Birm, Samson Avdo, Mariella Köbernick und Anna-Lena Meyer, die auf der Zisch-Feier Auszüge aus dem aktuellen Werk vorlesen. Das Buch „Das große Abenteuer mit Bob und seinen Freunden“ handelt von einem Hamster, der plötzlich sprechen kann.

Zisch hat einen großen Stellenwert in Lüssum. „Die Schüler erleben Journalismus hautnah. Sie sind stolz, eigene Beiträge zu schreiben, die dann von vielen Menschen gelesen werden“, betont die stellvertretende Schulleiterin Andrea Merrath. Es geht zudem um Teilhabe: „Ein Schüler, der die Zeitung aktiv mitgestaltet, setzt sich mit der Umwelt und dem Leben auseinander, gestaltet die Gesellschaft in seiner Umgebung mit und übernimmt eine wichtige Verantwortung“, sagt sie.

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