Vonovia

SPD knöpft sich Wohnungskonzern Vonovia vor

Die Bremer SPD fordert den Senat auf, das Wohnungsunternehmen Vonovia zum Schutz der Mieter stärker in die Pflicht zu nehmen. Dafür soll es ein Bündel an Maßnahmen geben.
25.09.2018, 20:49
Lesedauer: 3 Min
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SPD knöpft sich Wohnungskonzern Vonovia vor
Von Jürgen Hinrichs
SPD knöpft sich Wohnungskonzern Vonovia vor

Das Wohnungsunternehmen Vonovia hatte zuletzt in der Lüssumer Heide in Bremen-Nord für Schlagzeilen gesorgt.

Christian Kosak

Die SPD geht massiv gegen das Wohnungsunternehmen Vonovia vor und fordert vom Senat ein Bündel von Maßnahmen, um die Mieter besser zu schützen. Ziel müsse sein, dass Wohnungen saniert werden, ohne dass die Mieten danach in unvertretbare Höhen getrieben würden. In vielen Fällen könne die Stadt Einfluss nehmen, weil sie bei Hartz-IV-Empfängern die Miet- und Heizkosten übernimmt.

Solche Garantien dürften nur dann gegeben werden, wenn die Wohnungen in einem ordnungsgemäßen Zustand sind und dies konkret kontrolliert wurde. Ein Auge müsse die Stadt auch darauf haben, ob die Wohnkosten angemessen sind und die Nebenkosten korrekt und transparent abgerechnet wurden.

„Wir beobachten die Geschäftspolitik der Vonovia mit Sorge und Ärger“, heißt es in einem Beschluss des SPD-Landesvorstands, der dem WESER-KURIER vorliegt. Der Konzern mit seinen rund 12 000 Wohnungen in Bremen richte sich allein an den Rendite-Interessen seiner Aktionäre aus. Das sei schon deshalb bitter, weil ein großer Teil dieser Wohnungen in Stadtteilen mit schwieriger sozialer Situation liege.

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Die Mieter stünden oft vor dem Problem, ihre „extrem erklärungsbedürftigen“ Heizkostenabrechnungen nicht zu verstehen und mit hohen Nachzahlungen konfrontiert zu werden. Es sei auch im Sinne der Steuerzahler, mehr Kontrolle auszuüben und die Mieter zu unterstützen. Zuletzt hatte Vonovia in der Lüssumer Heide in Bremen-Nord für Schlagzeilen gesorgt. Dort unterhält das Unternehmen mehr als 200 Wohnungen, in denen hauptsächlich Empfänger öffentlicher Leistungen und Menschen mit Migrationshintergrund leben.

Nach Berichten dieser Zeitung von Anfang des Jahres über horrend hohe Heizkosten, die Jobcenter und Sozialamt in der Regel einfach durchgewinkt hatten, reagierte Vonovia und kündigte eine Überprüfung der Heizkostenabrechnungen an, außerdem sollte es Reparaturen in den teilweise maroden Wohnungen geben. In einem Fall hatte sich das Jobcenter doch geweigert, die Rechnung zu zahlen, als eine Mieterin für den Heizungsverbrauch plötzlich das Doppelte zahlen sollte. Vonovia überprüfte die Rechnung und korrigierte sie.

Mieten sollen nach Modernisierungen ansteigen

Seine Behörde sei in engem Kontakt mit dem Wohnungskonzern, hatte Bausenator Joachim Lohse (Grüne) vor drei Wochen im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt. Es gebe mehrmals im Jahr einen Jour fixe, bei dem über mögliche Missstände gesprochen werde. „Es ist anzuerkennen, dass die Vonovia viele Bestände in sehr schlechtem Zustand übernommen und seitdem schon einiges investiert hat“, erklärte Lohse.

In Lüssum bestehe allerdings eindeutig noch Handlungsbedarf. „Wir haben bemängelt, dass sich die Vonovia vor Ort immer mehr zurückgezogen hat und es schwieriger für Bewohner geworden ist, einen Ansprechpartner zu finden.“ Mit Recht stelle sich außerdem die Frage, ob die Mieten nach einer Sanierung in dem Umfang erhöht werden müssten, wie der Konzern dies praktiziere.

Nach Angaben von Vonovia hat das Unternehmen im vergangenen Jahr in Bremen 45 Millionen Euro investiert, im laufenden Jahr sollen es demnach fast 50 Millionen Euro werden. „Die Mehrzahl unserer Mieter sind zufrieden mit uns, davon hört und liest man aber selten etwas“, hatte Vonovia-Vorstand Klaus Freiberg Ende August in einem Interview mit dem WESER-KURIER gesagt.

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Nach Modernisierungen würden die Mieten im Schnitt um 1,70 Euro pro Quadratmeter steigen. „Wir wollen aber kein Rentnerpaaar und keine Witwe durch zu hohe Mieten aus ihren Wohnungen vertreiben“, versicherte Freiberg. Mit allen Mietern, die sich als Härtefall bei der Vonovia melden, werde versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Die Bremer SPD wirft der Vonovia vor, Wohnungsmodernisierung als Geschäftsmodell zu betreiben, um den Gewinn zu steigern. Der Senat müsse dafür sorgen, dass sich das Unternehmen verantwortungsvoller verhält. Ein gutes Beispiel, wie das gelingen könne, seien die Wohnungen der Unternehmensgruppe Grand City Property. „Die Eigentümerin der Grohner Düne hat mit der Stadt eine Vereinbarung abgeschlossen und sich zu einer Reihe von Maßnahmen im Interesse ihrer Mieter verpflichtet“, heben die Sozialdemokraten in ihrem Beschluss hervor.

Schon heute Unterstützungsangebote

Das Sozialressort betonte am Dienstag auf Anfrage, dass es sich um vertragliche Beziehungen zwischen Vermieter und Mieter handele, auf welche die Behörde unmittelbar keinen Zugriff habe. „Wir sehen aber den Schutzbedarf des Einzelnen gegenüber einem großen Konzern. Wir wollen die Mieter, die Transferleistungen beziehen, damit nicht alleine lassen“, sagte Ressortsprecher Bernd Schneider. Es gebe daher schon heute Unterstützungsangebote.

Wenn Nebenkostenabrechnungen zu hoch erscheinen sollten, könnten Mieter sich an die Verbraucherzentrale oder die Mietervereine wenden. Transferleistungsempfänger würden auf dieses Angebot hingewiesen, die Kosten würden übernommen. Was die Nebenkostenabrechnungen angeht, die vor allem in Lüssum immer wieder ein Problem seien, gebe es Überlegungen, das Beratungsangebot zu verstärken. Die genaueren Modalitäten seien aber noch offen.

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