Corona-Pandemie Neues Bremer Impfzentrum in Messehallen 4 und 5 öffnet

Am Sonnabend eröffnet das neue Impfzentrum. Bei voller Auslastung können dort bis zu 15.000 Menschen am Tag ein Vakzin gegen das Coronavirus erhalten. Dafür fehlen bisher aber noch die entsprechenden Impfdosen.
20.03.2021, 05:00
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Neues Bremer Impfzentrum in Messehallen 4 und 5 öffnet
Von Lisa Urlbauer

„Die Corona-Ambulanz ist seit dem 1. März geschlossen“, steht an den Türen zur Halle 4 des Messezentrums. Bremerinnen und Bremer können sich immer noch auf der Bürgerweide auf das Virus testen lassen - nun aber in der Messehalle 3. Denn: In den Hallen 4 und 5 eröffnet an diesem Sonnabend das neue Impfzentrum seine Türen und erweitert damit das Angebot von Halle 7.

Das Einzige, was derzeit auf der Bürgerweide stattfindet, ist die Bekämpfung der Corona-Pandemie. Dafür mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. „Wir hatten etwa 14 Tage Vorlaufzeit“, sagt Jörn Rolfs. Er ist Einsatzleiter beim Bremer Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der das Zentrum in Kooperation mit der Bremischen Schwesternschaft betreibt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Zeugträger leitet er die kommenden Monate die Impfaktion in den Messehallen. „Wir haben auch schon bei Hochwasser geholfen, aber das hier ist ein Kraftakt“, sagt Rolfs. „Es ist der größte DRK-Einsatz der vergangenen Jahrzehnte“, ergänzt der Sprecher der Organisation, Lübbo Roewer.

An diesem Sonnabend um 8 Uhr soll es losgehen. Am Freitagnachmittag herrschte noch reges Treiben, um die letzten Vorkehrungen für den Start zu treffen. Während Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Führung durch ihre neue Arbeitsstätte bekamen, statteten Handwerker die Impfkabinen mit LED-Lichtern aus. Die sollen den jeweiligen Status anzeigen: Bei Grün ist die Kabine frei, bei Rot besetzt, erklärt Rolfs. Blau zeigt an, dass neuer Impfstoff benötigt wird. Boten bringen dann Nachschub auf einer Nierenschale, auch in der Farbe Blau. Zunächst werde nur das Vakzin von Biontech verimpft, erklärt Rolfs. Weitere Impfstoffe erhielten eine andere farbliche Zuordnung, zum Beispiel das Produkt von Johnson und Johnson. „Dadurch wollen wir sicherstellen, dass der richtige Impfstoff bei der richtigen Person landet.“

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Prognosen zur Versorgung mit Vakzinen lassen sich laut Lukas Fuhrmann kaum machen. „Wir haben Zusagen für Impfdosen bis Anfang April“, sagt der Sprecher der Gesundheitsbehörde. Darüber hinaus gebe es lediglich grobe Quartalszahlen, die auch nur für ganz Deutschland. Bis zu 10.000 Impfungen am Tag können laut den Organisatoren im neuen Impfzentrum vorgenommen werden. An sieben Tagen in der Woche, jeweils von 8 bis 18 Uhr, soll das Zentrum geöffnet sein. Dafür stehen 52 Impfkabinen zur Verfügung. Am Tag der Eröffnung sind laut DRK-Sprecher Roewer 600 Termine geplant. Bei einer Ausweitung der Öffnungszeiten könnten bis zu 15.000 Dosen täglich verabreicht werden. Dafür reicht die Menge an Impfstoff derzeit aber nicht aus. Bis mindestens Anfang April werde Bremen nicht mehr als etwa 2000 Dosen pro Tag verimpfen können, sagt Fuhrmann.

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Sechs Stationen müssen die Besucherinnen und Besucher des neuen Impfzentrums durchlaufen. Der Check-in liegt hinter dem Eingang der Halle 4. Nach einer Fieberkontrolle geht es in den Wartebereich - und von dort aus zum Aufklärungsgespräch. Das dauert in der Regel zwischen drei und 20 Minuten, sagt Fuhrmann. In Halle 5 werden schließlich die Impfungen verabreicht. Wer möchte, könne die Spritze auch im Liegen bekommen, betont Roewer. Die Organisatoren des neuen Impfzentrums haben von den Erfahrungen ihrer Kolleginnen und Kollegen aus Halle 7 profitiert, wie sie betonen. So gebe es im Wartebereich neben Stühlen auch vier Ruhe- sowie zwei Notfallkabinen. Am Check-out erhalten die Geimpften ihre Bescheinigung. Einmal links abbiegen, dann stehen sie wieder auf der Bürgerweide - bis sich das Prozedere für die Zweitimpfung wiederholt. Länger als eine Dreiviertelstunde sollte der Besuch im Impfzentrum in der Regel nicht dauern, sagt Fuhrmann.

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Ab Sonnabend wird laut dem Behördensprecher in Halle 7 auch wieder der Impfstoff von Astra-Zeneca genutzt. In Niedersachsen wurden die Impfungen mit dem Vakzin nach bereits am Freitag wieder aufgenommen. Die Impfungen mit Astra-Zeneca waren am Montag bundesweit ausgesetzt worden, auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur erfolgte am Donnerstag die erneute Freigabe. Das Einladungsschreiben sowie die Informationsbögen in den Impfzentren seien um die möglichen Nebenwirkungen ergänzt worden. Zu Terminausfällen sei es in den vergangenen Tagen nicht gekommen, sagt Fuhrmann. „In der Stadt Bremen wurden alle Impftermine für Astra-Zeneca durch Biontech ersetzt.“

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Wie es um das Image des britisch-schwedischen Vakzins steht, kann Fuhrmann zu diesem Zeitpunkt nicht einschätzen. Das werde sich ab Sonnabend zeigen. Bernd Wagener ist DRK-Landesarzt und seit Dezember mit mobilen Impfteams unterwegs. Über die Verwendung von Astra-Zeneca habe er einige Male diskutieren müssen. Folgendes Argument habe allerdings immer funktioniert, sagt der Arzt: „Für die schweren und tödlichen Verläufe hilft der Impfstoff.“ Maren Timptner hat ihren Impftermin an diesem Freitagnachmittag in der Halle 7. „Ich würde auch Astra-Zeneca nehmen“, sagt die Grundschullehrerin. „Aber ich fühle mich schon besser, dass es der Impfstoff von Biontech wird.“

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