Interview mit Bäder-Chefin

Westbad soll Ende 2024 fertig sein

Wann ist das neue Westbad fertig? Diese Frage beschäftigt seit Längerem Bremer Schwimmbad-Besucher. Martina Baden, Chefin der Bremer Bäder GmbH, hat die Antwort: Ende 2024 soll der Neubau stehen.
30.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Westbad soll Ende 2024 fertig sein
Von Anne Gerling
Westbad soll Ende 2024 fertig sein

Noch versprüht das Gebäude den Charme der 1970er-Jahre: So kennen viele Menschen das Westbad, das abgerissen und neu gebaut werden soll.

Roland Scheitz

Anfang November wurde bekannt, dass die ursprünglich für das kommende Jahr angepeilte Fertigstellung des Westbad-Neubaus sich auf Ende 2024 verschieben wird. Im Haushalts- und Finanzausschuss der Bürgerschaft war dann Mitte November von Sozialstaatsrat Jan Fries zu hören, dass der Neubau sogar erst Mitte 2025 fertig werde. Was hat es mit dieser Verzögerung um weitere sechs Monate auf sich?

Martina Baden: Da war leider eine Information durchgerutscht: Der Termin 2025 bezieht sich auf den Mittelabfluss-Plan, also auf den Zeitpunkt, zu dem die Finanzierung abgeschlossen ist. Dies dauert naturgemäß länger als die Baumaßnahme und wird sich deshalb tatsächlich bis ins Jahr 2025 ziehen. Wir haben aber eigentlich die Hoffnung, dass wir Ende 2024 mit dem Westbad-Neubau fertig sein werden.

Weshalb eigentlich?

Es gibt mehrere Unwägbarkeiten, die zu Verzögerungen führen könnten. Zum Beispiel der Bauantrag, für dessen Erteilung wir drei Monate veranschlagt haben oder auch die Gremienbefassung zum zweiten Kursbecken.

Ist eine so kurze Spanne denn überhaupt realistisch?

Ja. Denn in der Genehmigungsphase ist einiges ja bereits vorab behandelt worden, sodass wir dann schon ein langes behördliches Verfahren hinter uns haben. Drei Monate sind supersportlich, ohne Zweifel. Dieser Zeitplan basiert auf heutigen Erkenntnissen, die im Laufe des Verfahrens angereichert werden. Es ist daher möglich, dass wir – wie schon beim Horner Bad – noch mal eine Ehrenrunde durch die Gremien drehen müssen.

Gibt es denn Signale aus dem Bauressort, dass das Baugenehmigungsverfahren dort besonders schnell bearbeitet werden könnte?

Wir werden im Moment kräftig unterstützt und haben auch einige Puffer im Zeitplan drin. Manche Dinge gehen auch schneller, als man denkt. Aber: Bei einem Vorhaben wie dem Westbad-Neubau müssen die Mittel vorab bereitgestellt werden. Das ist auch ein Grund dafür, dass die Stadt sich rückversichert und dass verschiedene Gremien befasst werden müssen. Eine Baukosten-Steigerung ist mit jeder Ehrenrunde gewissermaßen vorprogrammiert.

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Wann soll der aktualisierten Planung zufolge das alte Westbad abgerissen werden?

Wir möchten im Sommer den Bauantrag stellen. Also muss die Frage, ob ein zusätzliches Kursbecken kommt, vor der Sommerpause entschieden werden. Bei einer Zeitspanne von drei bis vier Monaten bis zur Baugenehmigung könnten wir die Genehmigung Ende 2021 haben. Bevor man abreißen kann, müssen wiederum 60 Prozent der Aufträge für den Neubau vergeben sein. Da ich noch nicht sagen kann, wann dies der Fall sein wird, würden wir erst sehr spät abreißen. Hinter den Kulissen wird also schon sehr viel passieren, wovon man aber vor Ort noch nichts sehen wird.

Was bedeutet das konkret? Bis wann könnte das alte Bad voraussichtlich noch genutzt werden?

Bis zum Sommer 2022 wohl schon.

Sie haben eben das Thema zusätzliches Kursbecken angesprochen. Nutzer und Ortspolitik haben sich im Zuge des Beteiligungsverfahrens für dieses Becken ausgesprochen – wie geht es damit weiter?

Bislang gab es dafür eine Optionsfläche, nun haben wir aber Planungsmittel und werden den Plan und die Kosten Mitte nächsten Jahres den Gremien vorstellen können. Seitens des Sportressorts und der Senatorin werden wir unterstützt, die Entscheidung liegt also nicht bei uns.

Grund für die Verzögerungen ist, dass die Bremer Bäder sich zum zweiten Mal von ihrem Planungsbüro getrennt hat. Können Sie etwas zu den Gründen sagen?

Wir sind gerade in Verhandlungen über die Trennung und haben dazu Stillschweigen vereinbart. Was man aber sagen kann: dass so etwas bei größeren Bauvorhaben durchaus öfter passiert. Wir sind in Leistungsphase drei und suchen jetzt ein neues Büro, das die Ausführung macht – das ist nicht so ungewöhnlich. Es gibt super Planer, die sich dann auch wieder freiwillig zurückziehen, weil sie die Ausführung gar nicht unbedingt machen wollen.

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Neben dem Zeitverlust steigen dadurch aber auch die Kosten.

Dass wir den Kostenrahmen nicht gehalten haben, darüber bin ich nicht glücklich. Allerdings liegt das nicht an der neuen Ausschreibung. Diese ist bereits auf dem Markt und verzögert es um vier bis sechs Monate. Die Kostensteigerung in der Leistungsphase zwei hat natürlich die Gremienbefassung erschwert. Umso dankbarer sind wir, dass wir nun wieder durchstarten dürfen. Weitere Verzögerungen müssen wir vermeiden. Und je mehr Zeit wir verlieren, umso teurer wird es. Wir wissen alle, dass Bauprojekte teurer werden, je länger sie dauern – alleine wegen der Baukostensteigerungen, die aktuell bei drei bis 4,5 Prozent liegen.

Parallel zum Neubau sollen für die Neugestaltung der Außenfassade auch Mittel über das Integrierte Entwicklungskonzept (IEK) Gröpelingen fließen. Hat die Verzögerung beim Neubau darauf Auswirkungen?

Nein. Es wird so sein, dass der Außenbereich vor dem Westbad ein tolles neues Gesicht bekommt und dass das Bad damit zu einer ersten Adresse wird. Das betrifft den Parkplatz, den Vorplatz und die Fassade der Eishalle. Da sind wir sehr dankbar, dass wir die Mittel bekommen haben. So ist es möglich, dass das Westbad und die Eislaufhalle als ein Gebäude wahrgenommen werden und dass hier eine schöne Sportstätte entsteht.

Vereine und Beirat gingen im Sommer davon aus, dass der Abriss im Januar beginnen soll. Sind Sie mit den Vereinen im Gespräch?

Der Präsident des Landesschwimmverbands, Stephan Oldag, ist in ständigem Austausch mit mir, und die Planung wird darüber auch an die Vereine kommuniziert. Per Videokonferenz haben wir auch die Beiratssprecher informiert. Im Frühjahr wird es vermutlich eine Beiratssitzung – wahrscheinlich mit einem neuen Generalplaner – geben, bei der wir dann die Öffentlichkeit informieren möchten. Neben den Vereinen gehört ja zum Beispiel auch die Rheuma-Liga zu unseren Nutzern. Demnächst werden auch die Angaben auf unserer Bau-Webseite www.bb-bauen.de aktualisiert.

Das Gespräch führte Anne Gerling.

Info

Zur Person

Martina Baden (52)

leitet seit 2012 die Bremer Bäder. Sie hat Betriebswirtschaftslehre an der Uni Lüneburg studiert. Die Diplomkauffrau war vor ihrem Wechsel in die Hansestadt sieben Jahre lang Kurdirektorin in Carolinensiel.

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