Restaurantbesprechung

Das Taj Mahal überzeugt mit leckeren Soßen

Das Taj Mahal überzeugt vor allem durch seine Hauptgerichte, die vorzügliche Soßen bieten, von denen der Gast nicht genug bekommen kann. Enttäuschend sind die Nachspeisen.
11.04.2019, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Das Taj Mahal überzeugt mit leckeren Soßen
Von Marcel Auermann
Das Taj Mahal überzeugt mit leckeren Soßen

Mitarbeiterin ­Sebnem Ekiz serviert Fleisch auf heißem Stein. Vor allem durch die Hauptgerichte tut sich das
Taj Mahal hervor.

Klama

Plüschig geht es zu im Taj Mahal. An den Wänden hängen dicke Stofftapeten, von der Decke herab eher Funzeln in Messingoptik. Die Stühle sind nicht einfach Stühle. Wer Platz nimmt, wähnt sich in einem Thron mit hoher Rückenlehne. Die Verzierungen an den Rändern und viel Goldfarbe unterstützen die ohnehin vorhandene Opulenz. Schwere Gardinen mit Kordeln und Bommeln hängen links und rechts der Fenster. Überhaupt die Farben.

Es sind satte, kräftige: Rot, Gelb, Gold. Ein bisschen fühlt sich der Gast wie in einem Palast, was ja dann wiederum zum Namen des Restaurants passt und stringent ist. Aber das Chichi muss man eben mögen – wobei es ja auch etwas Gemütliches haben kann. Und Gäste sollten sich bei einem Restaurantbesuch unbedingt mit den Speisen auf Reisen geben. Also ab nach Indien!

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Das Angebot auf der Karte ist immens: Huhn, Lamm, Rind in allen Variationen, Reisgerichte, Spezialitäten aus dem Lehmofen (Tandoor), Fisch, Vegetarisches. Doch, das ist schon alles beeindruckend. Auch die Präsentation in Kupferpfännchen oder auf dem heißen Stein macht einiges her.

Meine Begleitung startete mit Auberginen in Kichererbsenmehlteig gewendet und ausgebacken (4,50 Euro). Als grandios empfanden wir, dass die Taler nicht wie ein Schwamm mit Öl vollgesaugt, sondern schön kross paniert waren und eine angenehme Würze besaßen. Grundsätzlich hätte sich mein Gegenüber aber über einen Dip zur Vorspeise gefreut.

Vom Appetitanreger (indisches Brot) standen allerdings noch drei kleine Schälchen mit einem Früchtepüree, einem erfrischenden Kräuterjoghurt und einer scharfen Soße auf dem Tisch, die meine Begleitung zu den Auberginen leerte. Ich war mit meiner fein pürierten Linsensuppe zufrieden, die eine ordentliche Note Kurkuma im Abgang entfaltete. Ich mochte das. Manch anderem Gast könnte das vielleicht eine Spur zu viel sein.

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Als Hauptspeise bestellten wir zwei Gerichte, die wir in die Mitte stellten und uns beide davon bedienten. Weil wir zwei Kupferpfännchen geliefert bekamen, ließ sich das sehr gut umsetzen.

Wir hatten uns für Rindfleisch in einer scharfen Currysoße aus Chili und Kokosnusscreme (15,50 Euro) und marinierte Lammfleischstücke im Tandoor gegrillt und in Tikkasoße verfeinert (16,50 Euro) entschieden.

Das Rindfleisch wünschten wir uns bedeutend zarter. Da kauten wir auf dem ein oder anderen Stückchen zu lange herum. Die Soße war allerdings ein Gedicht. Sie besaß eine gewisse Schärfe, die aber nicht alles überdeckte, weil die Kokosnusscreme Zartheit ins Spiel brachte.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Lamm. Das hätte weicher sein dürfen, wenn man weiß, wie butterzart man dieses Fleisch hinbekommen kann. Die Soße aus Tomaten, Ingwer, Knoblauch und verschiedenen Gewürzen war jedoch exzellent. Zu loben ist, dass es sich nicht nur um wenige Tropfen handelte, sondern das Rind und Lamm in diesen kostbaren Flüssigkeiten fast badeten. Wir konnten kaum genug davon bekommen.

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Ruckzuck war der Reis dazu aufgegessen. Glücklicherweise liefert der Koch im Taj Mahal zu den Hauptgerichten immer noch ein Naan (Fladenbrot) mit, das wir natürlich auch noch in die Soßen tunkten, bis unsere Töpfchen wie geleckt wirkten.

Zu diesen herzhaften Hauptspeisen probierten wir einen indischen Rotwein (0,2 Liter für 5,90 Euro), der eher leicht, nicht herb, sondern mit einer Restsüße daherkam. Auch das ist einmal eine Erfahrung für all diejenigen wert, die sich sonst nur Franzosen, Kalifornier oder Australier im Glas wünschen.

Die Nachtischkarte gab im Taj Mahal allerdings so gut wie nichts her: Vanilleeis mit Mango und Sahne (5,50) – langweilig, Joghurt-Mangocreme (5,90 Euro) – nichts Besonderes, Mangosorbet (5,90 Euro) – na ja.

Das Ausgefallenste bei dieser Auswahl erschienen uns die frittierten Teigbällchen in Rosenwassersirup (5,90 Euro) zu sein. Die fünf Teigbatzen kamen traurig in einem Pokal an den Tisch und waren sehr, sehr, sehr, sehr süß. Da ziepte es in manchem Zahn. Autsch!

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Fazit: Das Taj Mahal überzeugt vor allem durch seine Hauptgerichte, die vorzügliche Soßen bieten, von denen der Gast nicht genug bekommen kann. Enttäuschend sind die Nachspeisen. Der Servicegedanke bei den Kellnerinnen ist um einiges ausbaubar, auch wenn sie freundlich agieren. Nichtsdestotrotz stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis und man sollte dieses Stück Indien in Bremen einmal erlebt haben.

Taj Mahal, Osterholzer Heerstraße 36, 28327 Bremen, Telefon: 04 21 / 45 18 35, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 12 bis 15 Uhr und 18 bis 23 Uhr, Sonnabendvormittag geschlossen, teilweise barrierefrei, Internet: www.tajmahal-bremen.com.

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