Hansalinie Gewerbegebiet soll wachsen

Das Gewerbegebiet Hansalinie soll wachsen. Bei einer Einwohnerversammlung in Mahndorf wurde allerdings Kritik an der Handhabung der Ausgleichsflächen laut.
22.09.2019, 14:35
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Gewerbegebiet soll wachsen
Von Christian Hasemann

Auf der Einwohnerversammlung im Bürgerhaus Mahndorf zum Ausbau der nächsten Ausbaustufe des Gewerbegebiets Hansalinie, in dem sich vor allem Zulieferbetriebe der Autoindustrie ansiedeln, südlich der A1 haben die Anwohner die Verantwortlichen mit vielen Fragen, Vorschlägen und Kritik konfrontiert.

Die Einwohnerversammlung ist eine frühe Form der Bürgerbeteiligung. Etwaige Kritik und Anregungen können im Anschluss in die weiteren Planungen einfließen. Grundsätzlich haben sich die Planungen zu den bisher bekannten Plänen im Detail geändert. Die Änderungen stellte Maja Collette vom Planungsbüro Hiller und Begemann Ingenieure vor.

Ausgleich hinterm Deich

„Statt eines dritten, vierten und fünften Bauabschnitts wird es nun nur noch einen dritten und vierten Abschnitt geben.“ Das bedeutet nun nicht, dass die Flächen kleiner werden. Vielmehr ändert sich der Zuschnitt. Besonders die Nachfrage nach größeren Grundstücken sei hoch. Konkret heißt das, dass der alte Baubschnitt drei und ein großer Teil des ursprünglichen vierten Bauabschnitts zusammengefasst werden. Übrig bleibt die letzte Ausbaustufe mit der Nummer vier östlich und westlich in der Verlängerung der Kluvenhagener Straße. Voll erschlossen soll das Gewerbegebiet nach Angaben der Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) mal 270 Hektar umfassen.

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Als Erschließungsstraße ist eine Verlängerung der Europaallee geplant. Vorgesehen ist außerdem eine neue Autobahnauffahrt im Bauabschnitt drei. „Die wird nach der Vergrößerung halbseitig nötig“, so Maja Collette. Lastwagen können also nur aus Richtung Osnabrück kommend in das Gewerbegebiet einfahren und nur Richtung Hamburg ausfahren.

Wie bisher sollen die gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsflächen im Marschgebiet entstehen. Stadtplaner Ronald Risch: „Die Flächen südlich des Deiches sollen aufgewertet werden.“ Ein Mann im Publikum wollte wissen, auf welchem Stand das Gesetz sei, das die notwendigen Ausgleichsflächen regelt. „Wenn das aus den 80er oder 90er-Jahren ist, dann ist das vielleicht nicht der Stand, den man heute erwartet“, gab er zu bedenken. Das Gesetz sei laufend novelliert worden, sodass man auf dem aktuellen Stand sei, versicherte Ronald Risch.

An den Ausgleichsregelungen gibt es allerdings bundesweit Kritik. Zum einen haben sie nicht den Flächenverbrauch stoppen können, derzeit etwa 60 Hektar am Tag in Deutschland, zum anderen gibt es Kritik daran, dass Bodenversiegelungen mit einfachen Aufwertungen von Weideland oder Obstwiesen ausgeglichen werden können.

Letzteren Umstand kritisierten mehrere Anwohner im Publikum. Der Bau des Gewerbegebiets werde mit Land kompensiert, das ohnehin schon grün sei, lautete die Kritik. Maja Collette antwortete mit einem Beispiel: „Wenn dort intensive Weidewirtschaft ist, schaut man, wie es zur einer extensiven Weide aufgewertet werden kann.“ Bei einer extensiven Weide könnte man schauen, ob zusätzliche Wasserflächen den ökologischen Wert erhöhen könnten. Ein Argument, das im Publikum nicht so recht verfangen wollte.

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In dem Zusammenhang stellte sich im Publikum außerdem die Frage, ob es zu einer Dachbegrünung der Hallen kommen wird. „Wir reden vom Klimawandel, die Städte werden wärmer. Hier werden Grünflächen versiegelt, werden dann auch die Dächer begrünt oder wie werden die Unternehmen beteiligt?“ Für diejenigen, die der Fantasie von grünen Hallendächern nachhingen, fiel die Antwort eher ernüchternd aus.

Hallenbegrünung fraglich

Hallendächer seien in der Neuregelung des Ortsgesetzes herausgenommen worden, sagte Ronald Risch. „Jetzt werden nur noch die Dächer von Bürogebäuden über 100 Quadratmeter begrünt werden müssen.“ Die SPD hatte auf der Ausnahme von Hallendächern bestanden. Sie fürchtete etwaige Kosten für Unternehmen. Es gebe aber die Möglichkeit, eine Begrünung im Bebauungsplan festzusetzen, so Ronald Risch weiter. „Aber das wird eine spannende Diskussion, da mag ich keine Prognose abgeben.“ Aus städteplanerischer Sicht wäre dies jedenfalls zu begrüßen. Dem stehen allerdings die Interessen der potenziellen Investoren gegenüber, die die höheren Kosten tragen müssten.

Dem Logistikstandort weichen wird voraussichtlich auch der Windpark Mahndorf. 2023 soll Schluss sein mit der regenerativen Energieerzeugung – die Standzeit von 20 Jahren ist erreicht, ein sogenanntes „Repowering“ – ein technisches Update – ist derzeit offenbar nicht geplant.

3600 Mitarbeiter von bisher 80 Unternehmen arbeiteten in der Hansalinie, heißt es auf der Internetseite der Wirtschaftsförderung. Eine Zahl, die auch diesem Abend wie eine Monstranz von den Vertretern der Wirtschaftsförderung vorangetragen wurde. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich neu entstanden sind und wie viele Arbeitsplätze Verlagerungen von Unternehmenssitzen geschuldet ist, konnten Jutta Zernikow und Silke Overmann auf Nachfrage eines Besuchers nicht im Detail beantworten.

Einer der größten Nutznießer des Gewerbegebiets ist das Mercedes-Werk Bremen. „Die Hansalinie hat eine Aufgabe als Standortentwicklung für Mercedes“, sagte dann auch Jutta Zernikow. Das Werk hätte sonst nicht seinen Stellenwert.

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