Zug-Halt auf der Strecke Bremen-Hamburg

Nächster Stopp Technologiepark

Bald soll eine Entscheidung fallen, wo Züge auf der Strecke nach Hamburg künftig am Technologiepark halten. Doch es gibt weiter offene Fragen für den Senat – und ganz konträre Sorgen bei Vereinen.
19.02.2020, 08:57
Lesedauer: 4 Min
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Von Lisa Boekhoff
Nächster Stopp Technologiepark

Der Technologiepark samt Campus ist bereits in Gänze verplant. Darum spricht sich die Interessenvertretung vor Ort für eine Weiterentwicklung aus, wenn der Halt an der Otto-Hahn-Allee kommt. Das fürchten allerdings die Kleingärtner in der Nähe, die Fläche hergeben müssten.

Christian Ring

Seit vielen Jahren ist er im Gespräch: Der Bahn-Halt am Technologiepark auf der Strecke Bremen-Hamburg. Weiter offen ist jedoch, welcher der beiden Standorte es sein soll: Otto-Hahn-Allee oder Achterstraße? Am Donnerstag steht der Halt in der Sitzung des Beirats Horn-Lehe auf der Tagesordnung. Maike Schaefer (Grüne), Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, wird dabei sein. Und einen Beschluss verkünden?

Im Moment ist das nicht absehbar. Am Dienstag kam zwar der Senat zusammen, doch dabei stand der Haushalt voll im Fokus. Höchstens am Rande hätte der Halt Gesprächsthema sein können. "Es gibt noch keine endgültige Entscheidung", sagt Ressortsprecher Jens Tittmannn. Der Sprecher der Wirtschaftssenatorin, Kai Stührenberg, bestätigt ebenfalls, es seien noch Sachfragen zu klären. Dazu zählten etwa Kostenbetrachtungen und genauere Berechnungen der Fahrgastpotenziale. "Uns ist an einer zügigen Beantwortung dieser Fragen gelegen, damit wir im Technologiepark in absehbarer Zeit einen neuen Bahnhaltepunkt realisieren können.“

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Der Geschäftsführer des Technologieparkvereins, Martin Heinlein, fürchtet derweil, dass aus seiner Sicht die falsche Wahl getroffen wird: die Achterstraße. Denn Entwicklungspotenzial biete allein die Otto-Hahn-Allee. Dort, in zentraler und freier Lage, gebe es Platz auch für die Anbindung an eine zukünftig verlängerte Straßenbahnlinie 8 aus Schwachhausen.

Mehr Raum für Gewerbe und Forschung

Und Heinlein hofft außerdem, dass überhaupt mehr Raum für Gewerbe und Forschung entsteht, weil der Technologiepark voll ist: „Langfristig hält der Standort die Möglichkeiten für die dringend benötigte räumliche Entwicklung des Technologieparks offen.“ Für den Standort gebe es Zuspruch auch unter Planern und seitens der Uni, sagt der Vertreter von mehr als 100 Mitgliedern im Technologieparkverein. Dessen Interesse sei, „eine möglichst zukunftsweisende und zugleich nachhaltige Entwicklung zu erreichen“.

Die Handelskammer hat sich ebenfalls mit der Frage beschäftigt, wo der Halt Sinn macht. „Dabei sind wir zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass die Otto-Hahn-Allee insbesondere aus der Stadtentwicklungsperspektive die deutlich vorteilhaftere Option darstellt“, äußert sich Olaf Orb, stellvertretender Leiter für Standortpolitik, Häfen und Verkehr. Durch eine Verknüpfung des Halts mit der Linie 8 könnten die übervollen Züge der Linie 6 zur Uni entlastet werden.

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Das Projekt Haltepunkt, sagt Orb, komme leider seit Jahren nicht recht voran. Dabei sei es ein Beitrag zur Mobilitätswende. Der Halt verbessere die Wege für Tausende Studenten und Beschäftigte vor Ort. Für Orb geht es darüber hinaus um die Außenwirkung: „Jede andere Stadt würde eine Visitenkarte für die Universität und den Technologiepark bauen.“

Kleingärtner besorgt

Allerdings gibt es beim Standort Otto-Hahn-Allee ein Problem: Der Kleingarten Kornblume ist auf der anderen Seite der Bahnstrecke angesiedelt. Auf der Homepage des Vereins findet sich seit Januar ein Aufruf des Vorstands unter der Überschrift „Rettet die Kleingärten!“. Dort heißt es, der Haltepunkt führe zu „massiven baulichen Veränderungen und dem Wegfall von Kleingärten und Erholungsfläche“. Der Vorstand bittet um Unterstützung, das zu verhindern, und darum, sich an die zuständigen Senatorinnen, Bürgerschaftsfraktionen und Beiräte in Schwachhausen und Horn zu wenden.

Der Landesverband der Gartenfreunde Bremen ist ebenfalls für die Variante Achterstraße, damit Kleingärten vom Halt nicht betroffen sind. Neben der Kornblume könnten die Pläne auch Folgen für den Verein „Gute Ernte“ haben, sagt die Geschäftsführerin des Landesverbands Katharina Rosenbaum. Dabei erfüllten die Kleingärten in Bremen gerade angesichts des Klimawandels eine wichtige Aufgabe. Es sei wichtig, für eine „grüne Stadt“ zu sorgen. Für den weiteren Verlauf wünscht sich die Geschäftsführerin, in die Diskussion einbezogen zu werden: „Wenn die Stadt klug ist, bindet sie alle mit ein. Reden hilft immer.“

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Der BUND Bremen hält vor allem die Entwicklung des Technologieparks in Richtung der Kleingärten für falsch. „Wir sind gegen eine Erweiterung in das Kleingartengebiet“, sagt Paul Stillger, beim BUND zuständig für Mobilität und Verkehr. Geht es um den Standort, spricht laut Stillger aber tatsächlich im Sinne einer besseren Mobilität mehr für die Otto-Hahn-Allee – auch wenn ein Teil des Parzellengebiets dem zum Opfer fällt. Die Achterstraße bringe zwar die bessere Anbindung an Horn-Lehe. Außerdem soll der Halt dort kostengünstiger sein und rascher umzusetzen. Der Standort biete aber recht wenig Platz, so Stillger, das sei für die Pläne problematisch. Außerdem gebe es keine Entlastung der Linie 6, die gerade zu Stoßzeiten voll sei.

Ob Achterstraße oder Otto-Hahn-Allee: Von einem betroffenen Unternehmen ist vor allem ein Wunsch zu hören: dass Tempo in das vor Jahren anvisierte Projekt kommt, dessen Umsetzung komplex ist und in jedem Fall erneut Jahre dauern wird. Eigentlich hatten SPD, Grüne und Linke ausgemacht, sich bis Ende 2019 auf eine Option zu verständigen.

Der Beirat Horn-Lehe will sich in der Sitzung nun alle Argumente anhören. Ein offizielles Meinungsbild gebe es noch nicht, sagt Ortsamtsleiterin Inga Köstner. Der Beirat wolle sich über den Stand der Pläne informieren: „Das ist ein Überraschungsei auch für uns.“ Das Interesse am Termin sei groß.

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