Recyclingstation Horn-Lehe

Beirat will Grünstation in Horn verhindern

Die Bremer Stadtreinigung will ihre Recyclingstationen neu aufstellen und dafür unter anderem den Standort in Horn-Lehe zu einer Grünstation zurückbauen. Der Beirat sieht Nachteile und ist dagegen.
22.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Maren Brandstätter

Die Bremer Stadtreinigung (DBS) will den Recyclinghof Horn Ende des Jahres in eine sogenannte Grünstation umwandeln. Der Beirat Horn-Lehe will das verhindern und hat deshalb auf seiner jüngsten Sitzung einen entsprechenden Beschluss gefasst. Der sieht vor, dass der Recyclinghof als Vollsortimenter für alle Abfallarten erhalten und perspektivisch zu einer „modernen Recyclingstation“ weiterentwickelt wird. Außerdem fordert der Beirat eine Ausweitung der Wertstoffannahme. Vor allem Kunststoffteile, die nicht über den Gelben Sack entsorgt werden können, sollen künftig an der Achterstraße abgegeben werden können.

Der Entwicklungsplan 2024 von DBS sieht vor, die Bremer Recyclingstationen künftig in drei Kategorien einzuteilen: zwei „top-moderne“ Recycling-Center, sieben „moderne“ Recycling-Stationen und sieben „Grünstationen“. Wie der Name es erahnen lässt, soll der Schwerpunkt von Grünstationen in der Annahme von Pflanzenabfällen liegen.

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Ergänzt werden die Stationen durch einen Containerstandplatz, an dem Glas, Textilien und Elektrokleingeräte entsorgt werden können. Die Umwandlung zur Grünstation hätte allerdings auch Einschränkungen für die Öffnungszeiten zur Folge. Die würden nicht länger täglich, sondern nur noch dreimal pro Woche – inklusive Sonnabend – gelten. Einer der Öffnungstage soll aus Rücksicht auf den berufstätigen Teil
der Bevölkerung auf 19 Uhr, der Sonnabend auf 14 Uhr ausgeweitet werden, berichtete Christian Vater von DBS dem Horn-Leher Beirat. Von Anfang Dezember bis Ende Februar sollen die Grünstationen wegen der
geringen Nachfrage komplett geschlossen bleiben.

Angst vor „Abfalltourismus“

Manfred Steglich (Linke) erklärte die Pläne der Stadtreinigung für den Standort Horn zur „faktischen Teilschließung“. Es sei nicht nachvollziehbar, was gegen eine Aufwertung des Recyclinghofs spreche. Durch die eingeschränkten Öffnungszeiten sei ein „Abfalltourismus“ an privilegierteren Standorten vorprogrammiert. Harald Graaf (CDU) prognostizierte ein „Sterben auf Raten“ der Horner Station und zudem eine zunehmende Vermüllung des Stadtteils.

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Vater begründete die Entscheidung für die Umwandlung zur Grünstation mit den vergleichsweise geringen Abfallmengen, die in Horn entsorgt würden. Zudem sei die Station relativ marode, mit 1450 Quadratmetern verhältnismäßig klein und verfüge nicht über eine separate Ein- und Ausfahrt. Außerdem sei die Zufahrt so schmal, dass es schnell zu Rückstaus auf der Achterstraße kommen könne. Die befürchtete Vermüllung und Abwanderung zu größeren Stationen hielt Vater für unwahrscheinlich, da sich diesbezüglich während der mehrmonatigen coronabedingten Schließung keine nennenswerten Tendenzen abgezeichnet hätten.

„Wer ein paarmal vor verschlossener Tür gestanden hat oder etwas anderes als Grünschnitt entsorgen will, fährt woanders hin – die Konsequenz ist ein Sterben auf Raten“, beharrte Michael Koppel (Grüne). Hermann Pribbernow (FDP) erklärte eine schnellstmögliche Sanierung der „verrotteten Anlage“ zur vordringlichen Aufgabe von DBS. Birgit Bäuerlein (SPD) stellte dazu die Frage in den Raum, weshalb die Anlage nicht besser instandgehalten worden sei. Das sei der wechselvollen Nutzungsgeschichte des Areals geschuldet, erklärte Vater. Als Recyclinghof seien Teile der Anlage lange nicht mehr genutzt worden und jetzt in entsprechend schlechtem Zustand.

Günstige Lage

Den Beirat überzeugten die Argumente für die Umwandlung in eine Grünstation nicht. Die Schließung über Monate sei nicht hinnehmbar, hieß es im einstimmig verabschiedeten Antrag von CDU, SPD und Linken. Die täglichen Öffnungszeiten sollen künftig mindestens beibehalten werden und insbesondere der Sonnabend müsse „bürgerfreundlicher und lebensnah“ gestaltet werden. Daher sei eine Öffnung bis 20 Uhr eine sinnvolle Ergänzung.

Ziel müsse es laut des Beschlusses sein, ein flächendeckendes Angebot für Bremen zu schaffen, welches eine wohnortnahe Entsorgung und eine Ausgewogenheit zwischen den Stationen gewährleiste. Hochmoderne Anlagen dürften nicht zulasten von Anlagen mit einem kleineren Angebot geplant werden. Deshalb müssten auch kleinere Stationen die Entsorgungsbedarfe im Stadtteil abdecken. In jedem Fall müsse zudem der Entwicklungsplan von DBS durch ein ausgereiftes Verkehrskonzept flankiert werden, um Verkehrsüberlastungen zu verhindern. Aktuell bestehe allerdings die berechtigte Sorge, dass sich bei dem derzeit vorgesehenen Konzept die Verkehrssituation im Umkreis der großen Stationen „weiter zuspitze“.

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Die Recyclingstation Horn sei nicht nur für Anwohner aus Horn-Lehe, sondern auch für Bewohner aus Schwachhausen eine günstig gelegene Station, hieß es in der Beschlussbegründung. Sollten die Pläne der Umweltbehörde und der Bremer Stadtreinigung umgesetzt werden, müssten die Bürger perspektivisch längere Wege in Kauf nehmen, um ihre Abfälle in den sieben verbliebenen Recyclingstationen anderer Stadtteile zu entsorgen, die für diese Aufgaben modernisiert werden.

Info

Zur Sache

Abfallmengen am Standort Horn

Der Statistik der Bremer Stadtreinigung zufolge sind Grünabfälle das Kerngeschäft des Recyclinghofs Horn. Pro Jahr werden rund 1180 Tonnen an der Achterstraße entsorgt. Damit liegt der Recyclinghof bremenweit im Mittelfeld. Einzig die Station im Blockland sticht in dieser Kategorie mit etwa 5300 Tonnen deutlich hervor. Auch bei der Papierentsorgung liegt Horn mit 214 Tonnen jährlich im Mittelfeld. Mit 32 Tonnen Altmetall pro Jahr rangiert der Recyclinghof im Vergleich mit anderen Stadtteilen eher im unteren Drittel.

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