Station Achterstraße Ärger über geschlossenen Recyclinghof in Horn

Die Recycling-Station Achterstraße ist als einzige in Bremen weiter geschlossen. Der Beirat Horn-Lehe fordert die Öffnung.
20.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Maren Brandstätter

Im Ortsamt Horn-Lehe gehen zurzeit täglich Beschwerden ein. Das liegt vor allem an der Recycling-Station Achterstraße, die als einzige in Bremen nach wie vor geschlossen ist. Und das soll sich nach Auskunft der Bremer Stadtreinigung auch vorerst nicht ändern. Die Recycling-Station bleibe aufgrund „der schwierigen Verkehrssituation in der Achterstraße“ weiterhin geschlossen, heißt es auf Nachfrage. Durch die geltenden Abstandsregeln sei nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern auf dem Gelände erlaubt, erklärt ein Sprecher. Aufgrund der notwendigen Einlasskontrolle sei zudem mit hohen Verkehrsproblemen zu rechnen, weshalb eine Wiedereröffnung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zugelassen werden könne.

„Zumal sich in Findorff gezeigt hat, dass die Mehrheit weiterhin mit dem Auto vor Ort ist und die Verkehrssituation somit beeinträchtigt wird“, erklärt der Sprecher weiter. „Wir haben in Bremen, im Vergleich zu anderen Großstädten, sehr viele Möglichkeiten der Entsorgung.“ Daher müsse die Bremer Stadtreinigung die Bürger auf die übrigen 14 geöffneten Stationen verweisen. „Die Recycling-Station Oberneuland beispielsweise ist nur sieben Kilometer entfernt“, so der Sprecher. Gegenüber dem Ortsamt habe die Bremer Stadtreinigung außerdem mitgeteilt, dass neben der Einlasskontrolle auch die schmale Zufahrt zum Gelände wegen des Distanzgebotes als problematisch erachtet werde, berichtet Ortsamtsleiterin Inga Köstner. Außerdem habe die Stadtreinigung ihr berichtet, dass es bislang noch keine Beschwerden aus dem Stadtteil über die anhaltende Schließung gegeben habe.

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Auch im Beirat Horn-Lehe wächst der Ärger über die geschlossene Recycling-Station. „Die Möglichkeiten einer Wiedereröffnung müssen deutlich ernsthafter abgewogen werden“, fordert beispielsweise CDU-Fraktionssprecher Claus Gülke. Auch aus Sicht der Grünen sind die genannten Schließungsgründe nicht nachvollziehbar. „Rückstaus bis zum Bahnübergang sind nicht zu erwarten, und die notwendigen Abstandsgebote können auf dem großflächigen Gelände sehr wohl eingehalten werden“, kommentiert Fraktionssprecherin Gudrun Stuck. Der Recycling-Hof biete mehr als genug Platz, sowohl für den Auto- als auch den Fahrradverkehr.

„Nicht wenige Menschen bringen ihre Abfälle mit dem Fahrrad zum Recyclinghof Achterstraße – entweder weil sie kein Auto besitzen, oder weil sie bewusst auf ihr Auto verzichten.“ Ein sehr starker Besucherandrang – der in den vergangenen Jahren allerdings auch punktuell nicht zu beobachten gewesen sei – lasse sich ihrer Ansicht nach durch richtungsweisende Markierungen regeln. Hinzu komme, dass durch die Öffnung des Horner Recyclinghofs die benachbarten Stationen in Borgfeld und Oberneuland entlastet werden würden.

Gelände ist groß genug, um Abstand zu halten

Die SPD-Fraktion fordert ebenfalls eine sofortige Öffnung des Recyclinghofes an der Achterstraße. „Es kam auch bei uns mehrfach zu Beschwerden durch die Anwohner“, berichtet Sprecherin Birgit Bäuerlein. Gerade für umweltbewusste Bürger, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kämen, müsse es möglich sein, die Abfälle in der Nähe zu entsorgen, sagt sie. „Das Argument eines Rückstaus auf der Achterstraße ließe sich zum Beispiel durch direkte telefonische Terminvergabe entkräften“, regt Bäuerlein an. Außerdem habe es in der Vergangenheit insbesondere samstags häufig sehr starken Andrang gegeben, ohne dass deshalb ein Rückstau bis auf die Bahnschienen entstanden sei. „Das Gelände selbst ist auch groß genug, um Abstand zu halten“, sagt die Sprecherin. „Unsere große Angst ist, dass es auf diesem Wege zur klammheimlichen Schließung unseres Recyclinghofes kommen soll – dies muss auf jeden Fall verhindert werden.“

Auch die Fraktion der Linken spricht sich deutlich für eine sofortige Wiedereröffnung der Recyclingstation aus. Er halte die Begründung für die Schließung insgesamt für vorgeschoben und könne die genannten Argumente nur bedingt nachvollziehen, teilt Sprecher Manfred Steglich mit. Wenn denn tatsächlich die Gefahr eines Autorückstaus mit entsprechenden verkehrlichen Behinderungen in der Achterstraße bestünde, was er bezweifele, ließe sich die Station zumindest zeitlich eingeschränkt wieder für Radfahrer und Fußgänger öffnen. „Das scheint allerdings politisch nicht gewollt“, sagt er. Deshalb befürchte die Linke vielmehr, „dass die Verzögerungen bei der Wiedereröffnung der Recycling-Station Horn im unmittelbaren Zusammenhang mit dem sogenannten Zukunftskonzept für die Recycling-Stationen und den damit verbundenen logistischen und personellen Umstrukturierungsmaßnahmen der Bremer Stadtreinigung stehen könnten“.

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Bei der FDP stört man sich vor allem an dem Hinweis der Stadtreinigung, dass wegen des schmalen Zugangs der Station über die Kleine-Wümme-Brücke das Distanzgebot nicht eingehalten werden könne. „Diese Begründung ist absurd, da die Brücke mindesten drei Meter breit ist und fast der gesamte Verkehr durch geschlossene Autos erfolgt“, kommentiert Fraktionssprecher Hermann Pribbernow. „Meine gesamte Nachbarschaft und mein Freundeskreis im Stadtteil schütteln nur den Kopf über diese Begründung“, sagt er. Die FDP wünsche sich ebenfalls, dass die Recycling-Station sofort wieder geöffnet werde.

Antrag zur sofortigen Wiedereröffnung

Angesichts des Sommerferienbeginns wird der Beirat in den kommenden Tagen per Umlaufverfahren über einen Antrag der Grünen-Fraktion zur sofortigen Wiedereröffnung der Recycling-Station an der Achterstraße befinden. Sollte der Standort dennoch weiterhin geschlossen bleiben, erwarte der Beirat zeitnah Auskunft darüber, zu wann die Öffnung geplant sei und ob die Station im Rahmen der Neuordnung zur Disposition stehe, heißt es in dem Antrag.

Letzteren Punkt hat die Bremer Stadtreinigung in einem Antwortschreiben an den Stadtteil-Kurier wie folgt kommentiert: „Die fortgeführte Schließung steht in keinerlei Zusammenhang mit einer geplanten Aufgabe des Standortes.“ Es handele sich hierbei ausschließlich um eine Maßnahme zum Schutz der Mitarbeiter sowie der Bürger, die dort als Verkehrsteilnehmer unterwegs seien.

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