SPD muss Job neu vergeben - mit Umfrage

Andreas Bovenschulte gilt als Favorit für die Sieling-Nachfolge

Der Rückzug von Bürgermeister Carsten Sieling bringt in der SPD das Personalkarussell in Gang. Der neue Fraktionschef Andreas Bovenschulte könnte ins Rathaus weiterziehen. Doch das würde neue Löcher reißen.
01.07.2019, 20:00
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Andreas Bovenschulte gilt als Favorit für die Sieling-Nachfolge
Von Jürgen Theiner

Gut möglich, dass dieser Mann innerhalb von drei Monaten drei verschiedene Jobs hat: Bis zum 21. Juni war Andreas Bovenschulte Bürgermeister in Weyhe, seit dem 24. Juni ist er Vorsitzender der neu gewählten SPD-Bürgerschaftsfraktion – und ab 15. August könnte er Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen sein. Dieser Karriere-Dreisprung ist mit dem Rücktritt von Carsten Sieling sehr wahrscheinlich geworden. Denn wen man in der Landes-SPD auch um einen Tipp für die Sieling-Nachfolge bittet: Der Begriff „Bovi“ – so das parteiinterne Kürzel für den früheren Landesvorsitzenden – fällt eigentlich immer. Gerade so, als hätte Bovenschulte immer schon als Führungsreserve bereitgestanden.

Der 53-Jährige gebürtige Hildesheimer kam 1987 als Jura-Student nach Bremen. Nach dem zweiten Staatsexamen im Jahr 1999 folgten Promotion und erste berufliche Tätigkeiten im öffentlichen Dienst. In der niedersächsischen Nachbargemeinde Weyhe wurde Bovenschulte 2007 Nummer zwei im Rathaus, 2014 stieg er zum Bürgermeister auf. Die Jahre in der Kommunalverwaltung, so sagen es Leute, die ihn dort aus der Nähe betrachten konnten, haben den in der Wolle gefärbten Parteilinken pragmatischer werden lassen. Was nicht bedeutet, dass Bovenschulte keinen klaren Kompass mehr hätte. In seinen Jahren als Landesvorsitzender der Bremer SPD zwischen 2010 und 2013 trieb Bovenschulte die programmatische Arbeit voran. Dabei machte er sich unter anderem für die Rekommunalisierung privatisierter öffentlicher Dienstleistungen stark.

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Gibt es ernsthafte personelle Alternativen zu Bovenschulte? Als grundsätzlich geeignet gilt manchen Genossen auch die derzeitige Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer. Die 52-jährige Juristin wird ihren gegenwärtigen Job schon an diesem Mittwoch wieder los sein, denn bei der konstituierenden Sitzung der neuen Bürgerschaft hat die CDU als stärkste Fraktion das Vorschlagsrecht für das protokollarisch höchste Amt im Bundesland. Grotheer hatte vor diesem Hintergrund bereits erklärt, für die SPD Vizepräsidentin der Bürgerschaft werden zu wollen. Doch das war vor den aktuellen Ereignissen. In der neu gewählten SPD-Fraktion gibt es nicht viele von ihrem Format und intellektuellen Kaliber, und so kommt Grotheers Name fast automatisch ins Spiel, wenn Personal für Führungsaufgaben gesucht wird. Das könnte für das Bürgermeisteramt gelten, aber auch für die Besetzung der Fraktionsspitze, falls Andreas Bovenschulte ins Rathaus weiterzieht. Auf Anfrage des WESER-KURIER hielt sich Antje Grotheer am Montag bedeckt. Zu Personalspekulationen wolle sie sich nicht äußern. „Ich habe aber großes Vertrauen in die Fähigkeit meiner Partei, den richtigen Kandidaten oder die richtige Kandidatin zu finden“, sagte Grotheer. Bürgermeisterformat besäße sicher auch Innensenator Ulrich Mäurer. Doch der hätte als Law-and-Order-Aushängeschild der Sozialdemokraten vielleicht ein Mann für die Spitze einer Großen Koalition sein können. In einem rot-grün-roten Bündnis, das auch innenpolitisch Linksdrall erkennen lässt, würde er an der Spitze allerdings deplatziert wirken.

Am frühen Montagabend hat der Landesvorstand der SPD über die Lage beraten, die durch den Rücktritt des Bürgermeisters entstanden ist. Allzu viel Zeit, einen Personalvorschlag für die Nachfolge zu machen, hat die Parteispitze nicht, denn bereits am kommenden Sonnabend soll ein Landesparteitag in Vegesack die Bewerber für die sozialdemokratischen Senatsressorts bestimmen. Gegenüber dem WESER-KURIER kündigte Landesvorsitzende Sascha Aulepp an, bis Donnerstag Klarheit schaffen zu wollen.

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