Hochwasserschutz

Bremen erhöht Ufermauern

In drei bis fünf Jahren soll es losgehen - dann macht Bremen ernst mit der Erhöhung der Ufermauern. An der Schlachte gibt es einiges zu tun. Der Deichverband rechts der Weser rechnet mit zwei Jahren Bauzeit.
04.04.2019, 04:26
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
Bremen erhöht Ufermauern

Zu Jahresbeginn stand die Schlachte zuletzt unter Wasser.

Frank Thomas Koch

Bremen wappnet sich gegen die Folgen des Klimawandels: Während auf der linken Seite der Weser erbittert um jede Platane gerungen wird, sind auch rechts der Weser die Planungen zum Hochwasserschutz bereits weit fortgeschritten. Das haben Vertreter des Bremischen Deichverbandes am rechten Weserufer und Georg Heinemann vom Planungsbüro „Kreikenbaum und Heinemann“ dem Beirat Mitte auf dessen Sitzung in den Räumlichkeiten des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes erläutert.

Baumliebhabern sei vorweg gesagt: Ein einziger Baum wird im Zuge der geplanten Erhöhung der Spundwand an der Schlachte zwischen Kühne & Nagel und der Straße Vor Stephanitor weichen müssen – eine Platane.

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„Das Projekt läuft unter dem ,Generalplan Küstenschutz´“, sagt Georg Heinemann, „und für die Schlachte wurde festgestellt, dass die Höhe der Ufermauer nicht ausreicht.“ Zudem seien auch statische Untersuchungen durchgeführt worden. Etwa 2,5 Kilometer lang ist die untersuchte Strecke, sie reicht von den Wallanlagen weseraufwärts bis zum Focke-Garten. Konkret heißt das, dass die Mauern auf eine sogenannte „Bestickhöhe“ von 7,70 Meter gebracht werden. Vorsorglich wird das Mauerwerk dergestalt verstärkt, dass vorausschauend auf 8,50 Meter erhöht werden könnte.

Bäume dürfen mit einer Ausnahme bleiben

Zu Anfang habe es die Befürchtung gegeben, dass bei einer Erhöhung die Gastronomen vor einer Mauer sitzen würden. Doch Gregor Heinemann kann beruhigen: „Man muss an der historischen Mauer an der Schlachte nichts machen, es muss nicht eingegriffen werden.“ Und auch die bereits angesprochene Vegetation könne bleiben. „Wir haben einen üppigen und schönen Baumbestand, der innerhalb des Deichschutzbereiches steht. Doch die Bäume dürfen mit einer Ausnahme bleiben.“

Eingeteilt in mehrere Abschnitte, erläutert Heinemann die anstehenden Maßnahmen. „Im Bereich Tiefer muss nichts getan werden und im Bereich ,Kühne und Nagel´ ist bereits etwas gemacht worden.“ Anders bei der am Martini-Anleger vorhandenen Wohnbebauung. Die dortige Wand ist die Außenwand einer Tiefgarage, die im Falle eines Hochwassers nicht standfest genug wäre. „Außerdem soll der Privatraum vom Hochwasserschutz getrennt werden.“ Die Lösung soll eine Betonwinkelstütze bringen, die vor die Kellermauer gesetzt wird. Mit einem Abstand von der Tiefgaragenmauer soll die Belüftung weiterhin gewährleistet werden. 60 Zentimeter Promenadenfläche werden dabei verloren gehen. Die angrenzende Unterführung zur Böttcherstraße wird so bleiben, wie sie derzeit ist. „Man braucht kein Stautor, die Unterführung läuft im Hochwasserfall voll. Das geht und ist berechnet“, sagt Georg Heinemann.

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In der Höhe ausreichend wird auch die Mauer an der Kirche St. Martini sein. „Die bauliche Ausführung hielte einem Hochwasserschutz jedoch nicht stand, sie wird deshalb ertüchtigt, restauriert und hochwasserfest gemacht. Zwar ist die Mauer im Prinzip standfest, die Außenwand ist jedoch bröckelig. Eventuell wird der obere Teil abgebaut und neu aufgebaut.“ Der Efeu müsse jedoch weg, bedauert er: „Er durchfeuchtet die Mauer und schädigt sie.“ Eine zweite mit Sandstein verblendete Hochwasserschutzwand soll vor das Küsterhaus gestellt werden, welches ebenfalls nicht den Anforderungen entspricht. Die anliegende Rampe wird zu einem Deichschart und soll mit einem Stemmtor ausgestattet werden.

Nicht standfest bis Teerhofbrücke

Untersuchungen haben ergeben, dass die Schlachtemauer bis zur Teerhofbrücke bei Hochwasser nicht ausreichend standfest wäre. „Sie erhält einen ,Fußgurt´. In regelmäßigen Abständen werden an diesem Betonsockel Bänke installiert“, erklärt Georg Heinemann. Zwischen Teerhofbrücke und Bürgermeister-Smidt-Brücke muss mit Ausnahme der Sitzstufenanlage nichts unternommen werden. Sie hält zwar dem Hochwasser stand, doch muss oben eine zusätzliche Stufenanlage aufgesetzt werden, um von 7,47 Meter auf 7,88 Meter zu kommen. Treppenübergänge werden eingebaut, um die Sitzstufenanlage erreichen zu können.

Die Fußgängeraufgänge sind im oberen Bereich mit Schlitzen im Gestein versehen, in denen im Hochwasserfall Dammbalken hineingeschoben werden können. Zur Sicherheit wird dort noch ein zweiter Schlitz gefertigt.

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Die Mauer im Bereich von Radio Bremen ist 20 bis 25 Zentimeter zu niedrig, die Standfestigkeit ist ebenfalls nicht ausreichend. Zur Erreichung der Standfestigkeit wird eine zehn Zentimeter dicke Schicht Spritzbeton aufgetragen. Die Mauerabdeckung aus Sandstein wird entfernt und nach einer Aufstockung wieder aufgesetzt.

Im Bereich des Stephaniquartiers wird es zur optisch größten Veränderung kommen. „Das ist dort tatsächlich noch die alte Stadtmauer, doch sie ist nicht hochwassersicher“, sagt Georg Heinemann. „Wir setzen eine neue Hochwassermauer aus Beton davor, die alte Mauer wird nicht angefasst.“ Dazwischen werde ein nichtöffentlicher Deichverteidigungsweg errichtet. Bis zu den Stephaniterrassen werde diese neue Mauer reichen, jedoch werde die Höhe dieser Mauer die Mauerhöhe der auf dem Gelände der ehemaligen Schule errichteten Gebäude Vor Stephanitor nicht erreichen.

Der Focke-Museumsgarten, der unter Denkmalschutz steht, wird im Falle eines Hochwassers volllaufen, die Hochwasserlinie wird dahinter geführt. Dort wird dann das Pflaster etwas höher gelegt.

„Wir rechnen mit zwei Jahren Bauzeit“, sagt Rolf Dülge, Technischer Leiter des Bremischen Deichverbandes am rechten Weserufer. „Wir können die meisten Arbeiten nur in den Sommermonaten angehen. Wir sind jetzt im Bauentwurf und die Behörde prüft gerade, anschließend geht es in das Planfeststellungsverfahren. Beiräte und Betroffene können dann Bedenken einbringen.“ Insgesamt werde es noch drei bis fünf Jahre bis zum Baubeginn dauern, schätzt er.

Anschließend äußert er sich noch zu den seit längerer Zeit gesperrten Arkaden im Bereich Tiefer: Dort könnten die Arbeiten frühestens im Herbst 2019 losgehen. Und da dort auch im Winter gebaut werden könne, sei es möglich, im Frühjahr 2020 fertig zu sein.

Beiratssprecher Michael Rüppel begrüßt abschließend die vorgestellten Maßnahmen und den Umstand, dass die Erhöhung ohne nennenswerte Eingriffe erfolgen soll. Sein Eindruck: „Insgesamt hört sich das alles sehr gut an.“

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