Verlängerte Öffnung, mehr Kabinen

Stresstest für das Bremer Impfzentrum

Mit verlängerten Öffnungszeiten und mehr Beratungskabinen will die Behörde erneute Warteschlangen am Impfzentrum verhindern. Und: Die erste Lieferung von Johnson & Johnson kommt - 4800 Dosen.
13.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Stresstest für das Bremer Impfzentrum
Von Sabine Doll
Stresstest für das Bremer Impfzentrum

Blick in das Bremer Impfzentrum auf der Bürgerweide.

Hauke-Christian Dittrich/dpa

Mehr Impfkabinen, verlängerte Öffnungszeiten und ein Appell an die zur Impfung eingeladenen Bremerinnen und Bremer, nicht zu früh zum Termin zu erscheinen: Mit diesen Maßnahmen hat die Gesundheitsbehörde auf die langen Warteschlangen am Donnerstag und Freitag vor dem Impfzentrum auf der Bürgerweide reagiert. „Eine solche Situation hatten wir bislang noch nie, deshalb ist jetzt einiges an der Organisation geändert worden“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde.

An den beiden Tagen hatten sich vor der Messehalle 7 lange Schlangen gebildet, die Wartezeit lag teilweise bei mehr als einer Stunde. Von Halle 7 aus gesehen reichte die Menschenkette bis zu den Hallen 5 und 4. Als Spontanreaktion ließ Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke), die am Freitag wegen eines anderen Termins vor Ort war, in Kooperation mit der Initiative „Bremen impft“ Wasserflaschen und Regenschirme verteilen. Wartende mit Geh-Einschränkungen wurden laut dem Behördensprecher vorgezogen.

„Ab diesem Montag gelten nun erweiterte Öffnungszeiten für die Messehalle 7: Statt wie bisher von 8 bis 18 Uhr, wird bis 19.30 Uhr geimpft. Das bedeutet nicht, dass mehr Impftermine vergeben werden, die Ausweitung soll die Situation vor Ort entzerren.“ Die Situation, dies es zu entzerren gilt, ist laut dem Behördensprecher der erhöhte Beratungsbedarf zur Impfung mit Astra-Zeneca. Dieser habe zu den Warteschlangen am Donnerstag und Freitag geführt. „Die immer wieder veränderte Lage in den vergangenen Wochen, was den Impfstoff betrifft, hat offenbar viele Menschen verunsichert, die jetzt eine Impfeinladung für Astra-Zeneca bekommen haben.“ Die Warteschlangen hätten sich vor der Messehalle 7 gebildet, weil dort ausschließlich Astra-Zeneca verimpft wird. Halle 4 und 5 sind für Impfungen mit Biontech vorbehalten – dort gab es laut dem Sprecher an den beiden Tagen weder Stau noch erhöhten Beratungsbedarf.

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Bundesweit werden derzeit in der Regel nur noch ab 60-Jährige mit dem Astra-Zeneca geimpft – die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte diese Altersbeschränkung aufgrund neuer Fälle von Hirnvenenthrombosen empfohlen. Zuvor war die Impfung mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers in Deutschland für einige Tage komplett ausgesetzt worden – nachdem sie direkt nach der Zulassung ausschließlich für unter 65-Jährige empfohlen worden war.

„Normalerweise haben die Beratungsgespräche vor der Impfung, bei denen Vorerkrankungen und Medikamente mit Ärztinnen und Ärzten besprochen werden, im Schnitt jeweils um die fünf Minuten gedauert, inzwischen sind es etwa 15 Minuten. Viele wollen wissen, was es mit möglichen Nebenwirkungen bei Astra-Zeneca auf sich hat, ob sie zu einer Risikogruppe gehören, wie verträglich der Impfstoff ist“, so Fuhrmann. Neben erweiterten Öffnungszeiten wurden bereits am Sonnabend die räumlichen Kapazitäten in Halle 7 aufgestockt: Statt 14 gibt es nun 18 Beratungskabinen, dies soll laut Fuhrmann bis auf Weiteres beibehalten werden.

Der Stresstest, was die Impfungen betrifft, macht sich auch an anderer Stelle bemerkbar: Nicht nur am Donnerstag und Freitag, sondern bereits in den Tagen zuvor sei es immer häufiger vorgekommen, dass Beschäftigte in den Impfzentren beleidigt und beschimpft worden seien. „Das kann ich nicht nachvollziehen. Die Kolleginnen und Kollegen leisten seit vielen Wochen eine unglaubliche Arbeit“, betonte Gesundheitssenatorin Bernhard und appellierte in einer Mitteilung: „Bitte haben Sie auch Respekt vor allen, die dort arbeiten, um allen möglichst schnell eine Impfung zu ermöglichen.“

Stau und Warteschlangen vor der Astra-Zeneca-Halle 7 könnten demnächst womöglich auch aus anderen Gründen der Vergangenheit angehören: Ab der kommenden Woche wird es keine Erstimpfungen mehr mit dem Vakzin in den Impfzentren geben, und zwar bundesweit, wie Behördensprecher Fuhrmann betont. „Die finden dann bei niedergelassenen Ärzten statt, das ist eine Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums. Nur noch Zweitimpfungen mit Astra-Zeneca finden dann im Impfzentrum statt.“

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Damit verlagert sich das Impfgeschehen weiter in den niedergelassenen Bereich zu Haus- und Fachärzten. Was dies für die künftige Auslastung des Bremer Mega-Impfzentrums bedeutet – auch wenn weitere Impfstoffe zugelassen sind –, konnte der Sprecher nicht sagen. „Das hängt davon ab, was wir an Impfdosen bekommen und wo sie verimpft werden sollen“, so Fuhrmann. Theoretisch könne es demnach auch sein, dass es früher als geplant zu einem eingeschränkten Betrieb in den Impfzentren kommen könnte als ursprünglich geplant.

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Zur Sache

Johnson & Johnson

In den nächsten Tagen erwartet Bremen die erste Lieferung des Impfstoffs von Johnson & Johnson. Laut der Gesundheitsbehörde sind 4800 Impfdosen angekündigt, sie gehen an Obdachlosen- und Asylunterkünfte. "Wann die nächsten Lieferungen kommen, wissen wir nicht", sagt Behördensprecher Lukas Fuhrmann. Niedersachsen erhält laut der Lieferliste des Bundesgesundheitsministeriums in dieser Woche 21.600 Impfdosen von Johnson & Johnson. Das Besondere an dem Vakzin: Es muss nur einmal geimpft werden, bei den anderen drei Mitteln sind zwei Impfungen erforderlich. Deutschland soll bis zum Sommer zehn Millionen Dosen erhalten. In den USA wird das Vakzin schon länger eingesetzt.

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