Pandemie-Einheit in Planung

Bremer Lager für Schutzausrüstung ist voll

Künftig wird die zentrale Beschaffungsstelle für Schutzausrüstung von Immobilien Bremen betrieben. Das Gesundheitsressort plant zudem eine Pandemie-Einheit zur langfristigen Prävention.
18.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Lager für Schutzausrüstung ist voll
Von Sabine Doll
Bremer Lager für Schutzausrüstung ist voll

Reihenweise stapeln sich die Kartons im Lager der zentralen Beschaffungsstelle für Schutzausrüstung. Hier lagern Masken, Overalls, Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel.

Frank Thomas Koch

Mehrere Millionen Stück chirurgischer Mund-Nasen-Schutz, etwa drei Millionen FFP2-Masken, 100.000 FFP3-Masken, einige Hunderttausend Schutzoveralls, mehrere Millionen Einweghandschuhe und etwa 200.000 Liter Desinfektionsmittel. Die Bestandsliste der zentralen Beschaffungsstelle für Schutzausrüstung des Landes Bremen ist lang, in dem Lager an einem geheimen Ort irgendwo im Stadtgebiet stapeln sich reihenweise die Kartons. Quasi aus dem Stand sind das Lager und die Beschaffungszentrale im Frühjahr eingerichtet worden, als die Corona-Pandemie Deutschland und auch Bremen erreichte.

In Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, bei ambulanten Pflegediensten, Feuerwehr und Polizei gingen die Vorräte zur Neige, sie benötigten dringend Nachschub. Das große Problem: Der weltweite Markt für Schutzausrüstung war regelrecht leer gefegt. Ein Grund dafür: Der Großteil der Hersteller für Masken und andere Schutzgüter befindet sich unter anderem in China, wo die Corona-Pandemie ihren Ursprung nahm und als Folge die Produktion wegbrach.

Beschaffungsstelle für Schutzausrüstung installiert

„Die Situation damals war mehr als schwierig“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Die Lage spitzte sich zu, als auch Lieferungen des Bundes an die Länder nicht in dem Umfang kamen, wie bestellt und erwartet. Bremen hat damals die Bestellung von Schutzausrüstung selbst in die Hand genommen und die zentrale Beschaffungsstelle mit Mitarbeitern aus dem Gesundheitsressort, anderen Behörden sowie der Feuerwehr aus dem Boden gestampft. Keine leichte Aufgabe, denn der Mangel trieb die Preise in die Höhe.

„Stand jetzt hat Bremen seitdem für etwa 30 Millionen Euro Schutzausrüstung in aller Welt eingekauft“, sagt Fuhrmann. „In den ersten Wochen der Pandemie ging im Grunde so viel rein wie raus. Inzwischen haben sich der Markt und damit auch die Preise wieder etwas entspannt. Die Beschaffungszentrale verzeichnet kaum noch Warenausgang. Mit dem aktuellen Bestand wären wir in der Lage, eine Mangelsituation wie im Frühjahr zu beherrschen und Arztpraxen, Kliniken oder Pflegeheime aus dem Stand zu versorgen.“

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Die Zeichen stünden jetzt auf Pandemie-Prävention, betont der Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). „Es geht ums Lagern und darum, eine Struktur für eine Bevorratung mit Schutzausrüstung zu schaffen – und zwar unabhängig von den Plänen, die es auf Bundesebene gibt. Bremen wird ein eigenes Lager haben.“ Ziel sei es, nicht wieder in eine Notsituation wie im Frühjahr zu geraten und dafür eine Grundlage zu schaffen.

Nicht nur das Lager, sondern auch die Beschaffungszentrale bleibt demnach erhalten, allerdings wechselt sie organisatorisch ab dem 1. September vom Gesundheitsressort zum zentralen Dienstleister Immobilien Bremen (IB). Lagerung, Verwaltung und Warenausgabe werden künftig von dort gesteuert, IB stellt dafür auch das Personal. IB wird damit den Job übernehmen, den Bestand im Blick zu haben, Waren bei Bedarf abzugeben, die Posten in Rechnung zu stellen und je nach Lage oder Ablaufdatum aufzustocken.

Pandemieeinheit erfordert personellen Aufbau

Pandemie-Prävention soll laut Fuhrmann aber auch an anderer Stelle betrieben werden, im Gesundheitsressort selbst: „Es gibt Pläne, eine Pandemieeinheit aufzubauen.“ Diese solle möglichst an das für „Ärztliche Fragen im Gesundheitswesen, Infektionsschutz, öffentlicher Gesundheitsdienst“ zuständige Referat 43 im Ressort angedockt sein. Um solche Strukturen im Bereich Infektionsschutz zu schaffen, wäre auch ein personeller Aufbau erforderlich. „Es geht darum, über die aktuelle Pandemie hinaus langfristig handlungsfähig zu sein“, betont der Behördensprecher.

Der Co-Leiter des Corona-Krisenstabs des Landes Bremen und frühere Gesundheitssenator, Hermann Schulte-Sasse, hatte im Juli im WESER-KURIER eine solche Erweiterung angeregt: „Ich würde mir eine eigene Arbeitsgruppe wünschen, angesiedelt im Gesundheitsressort, bei der unter anderem eine regelmäßige Aktualisierung des Pandemieplans erfolgt. Und zwar auslöserbezogen auf unterschiedliche Viren und die organisatorischen Abläufe.“

Lutz Müller, Polizeipräsident und Leiter des Krisenstabs, brachte regelmäßige Übungen ins Spiel, bei denen getestet werden müsste, „wie gut der jeweilige Plan funktioniert“.

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Zur Sache

Exorbitante Preissteigerungen

Als Reaktion auf den akuten Mangel an Schutzausrüstung in Arztpraxen, Kliniken, Pflegeheimen und anderen medizinischen Einrichtungen wurde die zentrale Beschaffungsstelle per Senatsbeschluss vom 14. April eingerichtet. Wegen der weltweiten Nachfrage gab es laut einem Senatspapier teilweise exorbitante Preissteigerungen um mehr als 3000 Prozent. „Wie auf einem Marktbasar“, sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) in einer Deputationssitzung Ende April. Das Land ist mit der Anschaffung in Vorleistung gegangen – und hat sie den Abnehmern im Nachgang in Rechnung gestellt. „Die Preisschwankungen wurden nicht eins zu eins weitergeben, sondern ein Mittelwert erstellt“, sagt Behördensprecher Lukas Fuhrmann. Eine eigene Abrechnungsstelle für Schutzausrüstung wurde eingerichtet.

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