Chirurgie soll verlegt werden Bremer Geno will Klinikum Ost umkrempeln

Der krisengeplagte Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord will durch eine Neuordnung des medizinischen Behandlungsangebots wirtschaftlicher werden. Größere Veränderungen sind insbesondere am Klinikum Ost geplant.
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Bremer Geno will Klinikum Ost umkrempeln
Von Jürgen Theiner

Der städtische Klinikverbund Gesundheit (Geno) steht offenbar vor einer weitreichenden Neuausrichtung. Betroffen sind insbesondere die Krankenhäuser an den Standorten Ost und Mitte. Ein noch streng vertrauliches Strategiepapier, in dem die Grundzüge der Neuausrichtung beschrieben sind, soll dem Geno-Aufsichtsrat am Freitag vorgestellt werden.

Im Kern ist nach Informationen des WESER-KURIER geplant, größere Teile der Akutmedizin aus dem Klinikum Ost abzuziehen, wie es ein Geno-Insider ausdrückt. Das betrifft unter anderem die Allgemeinchirurgie, die Brustkorb-Chirurgie und wesentliche Teile der Lungenheilkunde (Pneumologie). Diese medizinischen Bereiche würden demnach ebenso ans Klinikum Bremen-Mitte (KBM) umgesiedelt wie Teile der Anästhesie und sonstigen Intensivmedizin. Während das Klinikum Ost (KBO) also größere Einbußen im klassischen therapeutischen Spektrum zu verzeichnen hätte, würden dort andere Bereiche auf- oder ausgebaut. Genannt wird unter anderem eine Station für Patienten, die nach schweren Eingriffen noch eine Zeit lang künstlich beatmet werden müssen, bei denen dies aber nicht mehr unbedingt auf einer Intensivstation geschehen muss. Außerdem soll vom KBM eine Station für Schlaganfallpatienten nach Ost transferiert werden.

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Am KBO verbleiben soll der dort schon vorhandene altersmedizinische Schwerpunkt, also die Geriatrie, ferner die Frührehabilitation, die Psychiatrie ohnehin. In dem Strategiepapier ist außerdem von einem Ausbau vor- und nachstationärer Leistungen die Rede. Dass die Geno auf diesem Gebiet Nachholbedarf hat, ist seit Längerem unstrittig. Dem Klinikverbund fehlen beispielsweise Kurzzeitpflege- und andere Versorgungsangebote für Entlasspatienten. Auf der organisatorischen Ebene wird offenbar eine enge Verklammerung von KBM und KBO angestrebt, und zwar durch Zusammenlegung der ärztlichen, pflegerischen und kaufmännischen Leitung. Faktisch wäre dies nahe an einer Fusion der beiden Häuser mit ihren zusammen rund 1500 Betten. „Wer sich die Leitung eines solchen Komplexes zutraut, der ist mutig“, sagte ein mit den Planungen vertrauter Geno-Kenner im Gespräch dem WESER-KURIER.

Einige wichtige Fragen bleiben in dem Strategiepapier noch offen. So müsste ein so gravierender Eingriff in die bestehenden Versorgungsstrukturen, wie er jetzt geplant ist, wohl zunächst Gegenstand einer Fortschreibung des Landeskrankenhausplanes werden. Wie schnell eine entsprechende Überarbeitung möglich wäre, steht dahin. In welchem Umfang das Klinikum Mitte auf seinem deutlich verkleinerten Grundstück an der Bismarckstraße / St.-Jürgen-Straße zur Aufnahme von Kapazitäten aus dem KBO in der Lage wäre, ist ebenfalls eine unbeantwortete Frage. Doch die grobe Richtung ist klar: Es geht um die Konzentration von teuren, insbesondere intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten am Klinikum Mitte. Hiervon erhofft man sich mehr Wirtschaftlichkeit, was angesichts der dramatischen finanziellen Schieflage des Klinikverbundes nachvollziehbar ist.

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) hatte auf Anfrage am Dienstag erklärt, sich erst nach der Aufsichtsratssitzung zum Strategiepapier äußern zu wollen. Es seien auch keine kurzfristigen Entscheidungen geplant, sondern eine Kenntnisnahme des geplanten Maßnahmenbündels durch das Gremium. Bernhard will insbesondere die Arbeitnehmervertretungen intensiv an den bevorstehenden Veränderungen beteiligen. Dass allerdings bei der Gesundheit Nord nicht alles beim Alten bleiben könne, hat sie seit ihrem Amtsantritt im August schon bei diversen Gelegenheiten wiederholt.

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Unterdessen geht die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für die im November von ihren Aufgaben entbundene Geno-Chefin Jutta Dernedde weiter. Wie zu erfahren war, wird der Senat wohl in Kürze beschließen, dass eine einschlägig profilierte Beratungsfirma das Kandidatenfeld sichten und Empfehlungen aussprechen soll. Inoffizielle Sondierungen mit möglichen Bewerbungen haben dem Vernehmen nach bereits stattgefunden. Klar ist bereits, dass die neue Person in der Führung des kommunalen Klinikkonzerns nicht mehr nur gleichberechtigter Sprecher der vierköpfigen Geschäftsführung, sondern mit gewissen Kompetenzen für die Gesamtleitung ausgestattet sein soll.

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