Bremer Bildungssenatorin im Interview

Claudia Bogedan: „Schule lebt von der Schulpflicht“

Schule lebt davon, dass alle Kinder am selben Ort lernen. Das sagt Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) im Interview mit dem WESER-KURIER. Sie spricht über die Öffnung von Bremens Schulen und Kitas im März.
16.02.2021, 20:59
Lesedauer: 3 Min
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Claudia Bogedan: „Schule lebt von der Schulpflicht“
Von Sara Sundermann
Claudia Bogedan: „Schule lebt von der Schulpflicht“

In den Grundschulen der Stadt Bremen soll ab 1. März wieder in kompletten Klassen unterrichtet werden.

Sebastian Gollnow /dpa

Frau Bogedan, die Schulen und Kitas sollen im März wieder mehr öffnen. Was sind die größten Änderungen für Familien?

Claudia Bogedan: Das Wichtigste ist: Die Präsenzpflicht wird ab 1. März im Land Bremen wieder eingesetzt. Das heißt, alle Kinder müssen wieder zur Schule gehen. Davon ausgenommen sind Kinder, die selbst, oder deren Familienangehörige, einer Risikogruppe angehören. In Bremen wird an Grundschulen ab 1. März wieder in vollen Klassen unterrichtet. In Bremerhaven geht es an Grundschulen bis zu den Osterferien in Halbgruppen weiter.

Schule wird also wieder verpflichtend – weshalb ist das aus Ihrer Sicht der richtige Weg?

Die Präsenzpflicht wurde zuletzt von allen Akteuren im Bildungswesen gefordert, von Gewerkschaften, Elternverbänden und Schulleitungen. Wir merken alle, dass wir eine ganze Reihe von Kindern sehr lange Zeit nicht in den Einrichtungen gesehen haben. Wir wollen ihnen ein Angebot vor Ort machen und ihnen die Möglichkeit geben, mit anderen Kindern zusammen zu sein. Schule lebt von der Schulpflicht, davon, dass alle Kinder denselben Lernort haben.

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Ist Bremen mit Blick auf das Infektionsgeschehen schon in der richtigen Lage, um diese Öffnung zu versuchen? Am 1. März ist der Lockdown ja noch nicht beendet.

Wir haben in Bremen eine sehr gute Entwicklung hinter uns, mit deutlich sinkenden Inzidenzen. Im Herbst war eine Inzidenz von 50 die magische Grenze, die man anvisiert hat. Zuletzt hat sich die Stadt Bremen in der Nähe dieses Wertes bewegt. Angesichts dessen ist es wichtig, dass wir für die Schülerinnen und Schüler die Folgen der Pandemie-Bekämpfung jetzt deutlich verringern.

Zuletzt gab es immer wieder Änderungen für die Schulen und Kitas. Wird es mit dem neuen Modus mehr Konstanz geben?

Alle neuen Regelungen gelten bis zu den Osterferien. Das dient dem Ziel, Eltern, Kitas und Schulen Planungssicherheit zu geben für die nächsten vier Wochen. Klar ist auch: Sollte es gravierende Änderungen beim Infektionsgeschehen geben, muss alles wieder auf den Prüfstand. Aber wir hoffen alle darauf, dass rund um Ostern in der Gesellschaft wieder mehr Normalität einkehrt, wenn wir mit dem Impfen gut vorwärtskommen.

Unter welchen Bedingungen können Eltern ihre Kinder im März weiter zu Hause lassen?

Das wird so laufen wie schon seit Beginn dieses Schuljahres. Wir haben es Kindern, die selbst, oder deren Verwandte zu einer Risikogruppe gehören, immer ermöglicht, ein Angebot zum Distanzlernen zu bekommen. Dafür kann es auch andere schwerwiegende Gründe geben. Dazu können Eltern einen formlosen Antrag an die Schulleitung stellen. Die Schulen kennen ihre Familien meistens gut, sodass Eltern für einen Antrag nicht alles im Detail offenlegen müssen.

Derzeit gibt es in Bremen jede Woche einen Schnelltest für Kita-Beschäftigte. Nun kommen Schnelltests zum Selbermachen. Wie wird künftig in Kitas und Schulen getestet?

Wir sind dabei, Schnelltests zu besorgen, damit alle Beschäftigten in Kitas und Schule mindestens einmal pro Woche einen Selbst-Schnelltest machen können. Wer ein positives Ergebnis erhält, kann sofort einen PCR-Test machen. Zudem setzen wir unsere Radartestungen fort und testen weiter jede Woche etwa zwei Schulen und zwei Kitas. Dabei werden auch die Kinder getestet.

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Gewerkschaften hätten sich an Grundschulen weiter Halbgruppen gewünscht. Was sagen Sie Beschäftigten, die sich sorgen, dass wir mit vollen Grundschulklassen bald wieder steigende Zahlen haben?

Wir haben uns für unsere Beschlüsse eng an der S3-Leitlinie orientiert. Die Leitlinie wurde von medizinischen Fachverbänden mit Eltern und Pädagogen und dem Robert-Koch-Institut entwickelt. Darin wird ausdrücklich empfohlen, bei gemäßigtem bis geringem Infektionsgeschehen an Schulen nach dem Alter der Kinder zu unterscheiden. Wir ordnen Bremens Lage als gemäßigtes bis geringes Geschehen ein. Deshalb ist es absolut gerechtfertigt, jüngeren Schülern wieder Präsenz zu ermöglichen. Jetzt ist es wichtig, dass wir nicht wieder rasch in vielen anderen Bereichen lockern, denn wir machen den Lockdown ja auch, um Kitas und Schulen möglichst offen halten zu können.

Das Gespräch führte Sara Sundermann.

Info

Zur Person

Claudia Bogedan (SPD) ist seit Juli 2015 Bildungssenatorin in Bremen. Zuvor war die promovierte Sozialwissenschaftlerin unter anderem Referatsleiterin bei der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf.

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