Etwa 200 Einsätze über Ostern

Bremer Polizei ging verstärkt auf Streife

Zu etwa 200 Einsätzen musste die Polizei am verlängerten Osterwochenende ausrücken. Doch die meisten Menschen in Bremen hielten sich an die Vorgaben der Corona-Vorschriften.
14.04.2020, 06:10
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Polizei ging verstärkt auf Streife
Von Frank Hethey
Bremer Polizei ging verstärkt auf Streife

Am Osterwochenende sehr präsent: Die Polizei achtete – hier an der Tiefer – auf die Einhaltung der Corona-Vorgaben.

Frank Thomas Koch

Normalerweise passt kein Blatt zwischen Karin Leopold und Erika Reimers-Sprung. Doch am Ostermontag sitzen die beiden Freundinnen weit voneinander entfernt auf einer Bank beim Tiergehege im Bürgerpark. Mehr Distanz geht nicht – eine Vorsichtsmaßnahme in Corona-Zeiten. „Es herrscht eine angespannte Atmosphäre“, sagt Karin Leopold. Die habe sie sogar beim Osterfrühstück mit Tochter und Enkelkind wahrgenommen. Nicht anders sei es beim Anstehen vor dem Bäcker gewesen. Und das habe nicht nur an den größeren Abständen gelegen. „Sonst wird in der Schlange immer munter geschnackt, diesmal nicht.“

Osterbilanz der Polizei und Ordungsdienste - zum Thema Corona, Kontaktsperre und öffentlichen Leben -

Sonnenbad mit Abstand: Ostersonntag an der Schlachte.

Foto: Frank Thomas Koch

Das schöne Frühlingswetter hat am verlängerten Osterwochenende zahlreiche Menschen nach draußen gelockt. An den klassischen Ausflugszielen im Bürgerpark, am Osterdeich und an der Schlachte war erhöhter Publikumsverkehr zu beobachten. Vor allem am Freitag, Sonnabend und Sonntag, als die Temperaturen besonders milde waren. Grund genug für die Polizei, im Stadtgebiet verstärkt auf Streife zu gehen, um auf die Einhaltung der Corona-Vorschriften zu achten. Die Mehrheit der Menschen hat sich laut Polizei an die Regeln gehalten und Verständnis gezeigt. Aber eben nicht alle: Zu etwa 200 Einsätzen mussten die Ordnungshüter bis Sonntag ausrücken, dabei wurden knapp 60 Ordnungswidrigkeiten geahndet. Am Ostermontag waren nach Polizeiangaben keine besonderen Vorfälle zu verzeichnen.

Party in Schwachhauser Wohnung

Vielfach wurden die vorgeschriebenen Mindestabstände nicht eingehalten. Auch private Feiern in Wohnungen und Gartenpartys riefen die Polizei auf den Plan. So in der Nacht zu Ostersonntag, als eine lautstarke Feier in einer Schwachhauser Wohnung für Verdruss sorgte. Im Hausflur stieß die Polizei auf mehrere Personen, die dort nicht wohnten und offenbar an der Party teilgenommen hatten. Sonderlich viel Entgegenkommen zeigte die Gruppe nicht, der Polizei zufolge war sie „nicht kooperativ“. Die Folge: Feststellung der Personalien und acht Anzeigen wegen Begehung einer Ordnungswidrigkeit.

Beachtliche 37 Personen trafen sich am Ostersonntag zu einer Familienfeier auf einer Kleingartenparzelle in Gröpelingen. Auch in diesem Fall zeigten sich die Feiernden der Polizei zufolge „zunächst uneinsichtig“. Es sei gelacht und die Absicht bekundet worden, weiter zu grillen. Mit Platzverweisen und Anzeigen setzte die Polizei die Corona-Vorschriften durch.

Osterbilanz der Polizei und Ordungsdienste - zum Thema Corona, Kontaktsperre und öffentlichen Leben -

Schlemmen auf Distanz: Überschaubar war das Besucheraufkommen über Ostern auf dem Grillplatz Achterdieksee.

Foto: Frank Thomas Koch

Gleich zweimal mussten die Einsatzkräfte an derselben Adresse in Walle vorstellig werden. Vor einem Mehrfamilienhaus war am Sonntagabend eine Sitzgruppe mit sechs Stühlen aufgebaut, die den Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht gewährleistete. Bei Ankunft der alarmierten Streife liefen drei Menschen ins Haus, die verbliebenen drei beschimpften die Beamten. Um drei Uhr morgens stand die Polizei erneut auf der Matte, diesmal weil ein 22-Jähriger verprügelt worden war. Der 34-jährige Angreifer beschuldigte ihn, die Polizei verständigt und damit das abendliche Treffen sabotiert zu haben. „Diese Selbstjustiz ist auch in Zeiten der Corona-Krise zu unterlassen“, heißt es dazu vonseiten der Polizei.

Trotz dieser Vorfälle beurteilt die Polizei das Verhalten gegenüber den Beamten „grundsätzlich als positiv“. Die Mehrheit sei „verständnisvoll und empathisch“ gewesen und habe sich bei angesprochenem Fehlverhalten einsichtig gezeigt. Unverändert appelliert die Polizei an die Bevölkerung, sich an die Vorgaben der Rechtsverordnung zu halten. Nicht zuletzt, um Einsatzkräfte nicht unnötig zu binden. Die eindringliche Bitte: „Wenn Sie zu Hause bleiben können, dann tun Sie das auch. Es kommt auf jeden Einzelnen an.“

Polizei setzt auf Hinweise aus der Bevölkerung

Zur Durchsetzung der Corona-Vorschriften setzt die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung. Denn: „Es gilt, die Menschen zu schützen.“ Auch Erika Reimers-Sprung hat gegen die Vorgaben der Behörden nichts einzuwenden. Aus dem Stuhrer Ortsteil Moordeich ist die pensionierte Lehrerin nach Bremen gekommen, um ihrer Freundin einen österlichen Besuch abzustatten. Nach ihrer Beobachtung verhalten sich die meisten Menschen vernünftig, die härtere Gangart in Bayern hält sie für unangebracht. „In den nördlichen Bundesländern wird der Umgang mit Corona ausgewogener gehandhabt, das passt.“

Das Lachen ist den beiden Freundinnen noch nicht abhanden gekommen. Auch wenn die in Findorff lebende Karin Leopold ihre Arbeit vermisst. An einer Schule kümmert sie sich als Eingliederungskraft um Inklusionskinder – eigentlich. Doch seit Wochen ist sie zum Nichtstun verurteilt.

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Nicht viel anders als Guido Selge, der in normalen Zeiten als Künstler sein Geld verdient. Und das aufgrund der Corona-Krise schon lange nicht mehr kann, von einem Tag auf den anderen sind seine Einkünfte weggebrochen. Vor acht Jahren hat sich der 43-Jährige selbstständig gemacht, man kann ihn als Jongleur, Stelzenläufer oder Feuerkünstler engagieren. Am Ostermontag schlendert er mit einem Eis durch den Bürgerpark. Um nicht einzurosten, jongliert er ein bisschen. Noch habe er finanzielle Reserven, sagt er, aber die gingen zur Neige. Seinen Gleichmut hat sich Selge dennoch bewahrt, „auch wenn die Corona-Krise für mich zur Existenzkrise werden kann“.

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Nur nicht zu nahe kommen: Ob zu Fuß oder auf dem Fahrrad, etliche Menschen zog es am Ostersonntag an den Osterdeich.

Foto: Frank Thomas Koch
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