Restaurantbesprechung

Ratskeller: rustikale Küche in historischem Gemäuer

Der Ratskeller bietet bodenständige, herzhafte Küche in einer einzigartigen Umgebung, in die sich mancher Bremer ab und an bewusst setzen sollte.
16.08.2018, 05:34
Lesedauer: 3 Min
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Ratskeller: rustikale Küche in historischem Gemäuer
Von Marcel Auermann

Sicher doch, hier tummeln sich viele Touristen. Auch am Abend, als wir uns in das Gewölbe begaben, hörten wir Italienisch, Griechisch, Spanisch und Englisch sprechende Menschen. Aber auch viele Dialekte aus dem deutschen Sprachraum mischten sich in die doch ordentliche Gesprächskulisse. Durch die Decken wurde der Schall mir nichts, dir nichts von einem Tisch zum anderen getragen, und die ein oder andere Nachfrage bei meiner Begleitung blieb nicht aus, weil ich manche Wortfetzen akustisch einfach nicht verstand.

Der Bremer Ratskeller ist also ein Magnet für Gäste der Stadt. Dennoch sollten sich auch Hiesige hinab trauen. Allein die überaus freundliche Begrüßung überraschte uns. Vom üblichen Touri-Nepp keine Spur. Die Dame am Empfang begleitete uns galant an die robusten, rustikalen Tische und Stühle, wo uns gleich der nächste charmante Kellner begrüßte, der uns auch durch den Abend begleitete und stets ein Auge auf unseren Tisch warf.

Er wusste immer, wann ein Glas leer war, wir einen Gang aufgegessen hatten und es Zeit für den Nachtisch war. Wir saßen schon in weitaus nobleren Restaurants, wo der Service um Längen schlechter war. Also: Respekt an die Crew, die ganz nebenbei noch einige Fremdsprachen beherrscht.

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Der Gast darf im Ratskeller keine gehobene Küche oder lukullische Offenbarungen erwarten. Aber was er bekommt, ist schmackhaft und gut. Meine Begleitung startete ganz langsam mit dem Bremer Keller-Snack (6,50 Euro). Es handelte sich um einen erfrischenden Quark mit Radieschen und Meerrettich, eine geschmeidige Bärlauch-Mayonnaise und einen fabelhaften Zitronen-Schmand.

Dazu reichte die Küche leider knautschiges Baguette. Für mich gab es eine ordentliche Portion frischen hausgebeizten Lachs (14,50 Euro) mit Salat von frischem Spinat, Parmesan und Croûtons in Joghurt-Senf-Dressing. Da gab es nichts zu meckern. Als Begleitung entschieden wir uns für einen Spätburgunder Rosé (0,2 Liter für 5,20 Euro) vom Weingut Albert Graffe aus Münster-Sarmsheim.

Er bestach durch ein fruchtiges Bouquet und eine Leichtigkeit, die dem sommerlichen Abend angemessen war. Eine geschmorte dicke Rippe (14,50 Euro) machte den Hauptgang für meine Begleitung aus. Das mächtige Stück Fleisch lag neben einer interessanten Kombination aus Birnen, Bohnen, Speck und Majoran-Senf-Soße. Ein kerniges Essen, keine Frage. Aber es mundete.

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Meine Lammkeule aus dem Rohr (14,90 Euro) geriet dem Koch butterweich. Der Thymianjus war herzhaft und lecker. Den Kartoffel-Kräuterstampf habe ich schon sanfter gehabt ‒ und butteriger im Geschmack. Die Tomaten und Bohnen lagen etwas uninspiriert am Rand des Tellers. Der Koch verlieh dem Gemüse aber eine gute Würze.

Etwas enttäuscht zeigten wir uns von den Nachspeisen, weil sie sich so normal, so wenig speziell präsentierten. Das lauwarme Blaubeer-Küchlein mit Eierlikörsoße (6,95 Euro) ging in Ordnung. Das dazu gereichte Vanilleeis hätte allerdings cremiger und sahniger sein dürfen. Die Bremer Kluten (7,50 Euro) bestanden aus wenig spektakulärem dunklem Schokoladen- und Minzmousse. Obwohl das Bremer Kaffeebrot nur die Beilage ausmachte, fand ich es mit seiner herrlichen Zucker-Zimt-Kruste um Längen besser, und es eignete sich, um es so nebenbei zu naschen.


Fazit: Der Ratskeller bietet bodenständige, herzhafte Küche in einer einzigartigen Umgebung, in die sich mancher Bremer ab und an bewusst setzen sollte. Wer es im großen Gewölbe zu anonym und hallenartig findet, muss sich eine der Priölken (plattdeutsch für „Laube oder „kleines Zimmer“) reservieren. In den Separees kann man lauschig zu zweit den Abend verbringen oder bei seinem auswärtigen Besuch punkten. Das ist die Schau.

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Bremer Ratskeller, Am Markt, 28195 Bremen, Telefon: 04 21 / 32 16 76, Öffnungszeiten: Täglich von 11 bis 0 Uhr, Küche von 12 bis 23 Uhr, behindertengerechter Zugang über Domseite, Internet: www.ratskeller-bremen.de

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