Acht neue Standorte benötigt

Wie Bremen den Schulausbau stemmen will

Die Bildungssenatorin will Schulen für die Migrationsgesellschaft bauen und sichert zu, die Qualitätsstandards an Schulen zu halten. Die Opposition fordert einen Plan für benötigtes Personal und Finanzierung.
23.10.2018, 20:08
Lesedauer: 3 Min
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Wie Bremen den Schulausbau stemmen will
Von Sara Sundermann
Wie Bremen den Schulausbau stemmen will

Senatorin Claudia Bogedan plant bis 2025 mit acht neuen Schulen in Bremen.

Kuhaupt

Acht komplett neue Schulen bauen, zusätzlich elf neue Gebäude für bestehende Schulen: Das will Bremen bis zum Jahr 2025 stemmen, wie der Senat am Dienstag beschlossen hat. Der Schulausbau wird eine Dimension von weit mehr als einer halben Milliarde Euro haben, wie die Behörde bestätigt.

Wie soll die Reihe von Großbaustellen umgesetzt werden? „Der Schulausbau ist ein Megaprojekt, wir haben einen riesigen Anstieg der Kinderzahlen an den Grundschulen und später auch an den Oberschulen zu erwarten“, sagt Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), die mit ihrem Ressort die Schulstandortplanung vorgelegt hat.

Grund für den Schüleranstieg seien zum einen erhöhte Geburtenzahlen, die die Senatorin auch auf eine veränderte Familienpolitik zurückführt, und zum anderen die Zuwanderung. „Wir gehen mit unserer Schulplanung davon aus, dass es auch in den kommenden Jahren ähnlich viel Zuwanderung gibt wie derzeit – wir bauen für die Migrationsgesellschaft“, betont Bogedan. Die nun beschlossene Schulstandortplanung solle jährlich überprüft und an aktuelle Bevölkerungsprognosen angepasst werden.

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Bremer Eltern bräuchten sich keine Sorgen machen, dass angesichts steigender Kinderzahlen die Klassen in Zukunft voller werden, so die Senatorin – die Klassenstärken sollten erhalten bleiben: "Die Bildungsbehörde weiß, was auf sie zukommt und ist vorbereitet", sichert die Senatorin zu. "Wir wollen die Schulen ausbauen, damit es eben keine 40 Kinder pro Klasse gibt.

Bei den qualitativen Standards soll es keine Abstriche geben." Die Mobilbauten, auf die viele Schulen zunächst angewiesen sein werden, bis die festen Gebäude fertig sind, könnten heute mit festen Bauten mithalten oder seien teils sogar besser als mancher Altbau.

Klar ist aber, dass der Schulausbau mit dem bestehenden Personal in der Bildungsbehörde und bei Immobilien Bremen nicht zu stemmen ist, sagt auch Bogedan. Derzeit sind bei der Bildungsbehörde fünf Mitarbeiter für den Bereich Schulplanung zuständig.

Neue Grundschule schon 2019 benötigt

Wann also kommen die neuen Schulen? Eine der neuen Grundschulen werde wahrscheinlich schon 2019 gebraucht, sagt Bogedan. Absehbar sei zudem, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit nach 2025 zusätzlich in Hemelingen eine neue Oberschule gebraucht werde, sagt Bogedan.

Für den Großteil der acht neuen Schulen ist laut Behörde geklärt, auf welchen Grundstücken sie entstehen. Bei drei bis vier neuen Schulen ist der genaue Standort noch nicht geklärt, so Bogedan, dort verhandele die Stadt derzeit noch mit privaten Grundstückeigentümern.

Das gilt zum Beispiel für die neue Grundschule Sodenmatt in Huchting, sagt Udo Stoessel, Leiter des Referats Liegenschaften bei der Bildungsbehörde und zuständig für die Schulplanung. „Die neue Grundschule dort ist ein wichtiger Standort, der massiv Schüler anzieht“, sagt Stoessel.

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„Grundstücke vor Ort wurden von der Behörde ins Auge gefasst, konnten aber bislang noch nicht erworben werden.“ Einfacher gestalte sich dagegen die Planung einer neuen Grundschule in der Überseestadt: Dort solle auf dem Kellogg-Gelände gebaut werden, und die Stadt habe Zugriff auf das anvisierte Grundstück.

Stoessel benennt auch das Offenkundige, nämlich dass der Schulausbau mit den bisherigen Methoden nicht zu schaffen sein wird: „Gebraucht werden kürzere Bauverfahren.“ Zudem wollen Senatorin und Schulplaner künftig verstärkt mit Generalunternehmern zusammenarbeiten.

Zwar will die Behörde den Bau von Schulen weiterhin ausschreiben, aber nicht jeden Einzelauftrag individuell vergeben: „Die bautechnische Verantwortung kann an einen Generalunternehmer gehen“, so Stoessel. Dies sei zuletzt schon bei der Oberschule Rockwinkel und bei der Berufsschule für Großhandel, Außenhand und Verkehr in Walle so gehandhabt worden.

„Ein gigantisches Projekt“

Die Opposition meldet sich kritisch zu Wort: Die Planung, die bedauerlicherweise erst jetzt vorgelegt werde, werfe viele Fragen auf, sagt CDU-Bildungspolitiker Thomas vom Bruch. „Es ist ein gigantisches Projekt, wenn 96 von 125 allgemeinbildenden Schulen baulich verändert werden müssen – und wir kennen den Flaschenhals Immobilien Bremen.“

Es sei schleierhaft, wie der städtische Eigenbetrieb, der zudem für neue Kitas, Polizeireviere und Feuerwachen zuständig ist, den Schulausbau stemmen solle. „Schon jetzt ist klar, dass es zu dramatischen Verspätungen kommen kann.“ Zudem fehle eine Planung für Berufsschulen, ebenso wie für neue Sporthallen, Mensa-Gebäude und für das Schulpersonal.

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Es sei gut, dass der Senat jetzt mit zweijähriger Verspätung eine ambitionierte Schulplanung vorlege, sagt Kristina Vogt von der Linksfraktion. Sie kritisiert aber, dass der Senat bislang jede Auskunft verweigere, wie dieses „bislang einmalige Vorhaben öffentlichen Bauens“ mit mehr als hundert Bauprojekten finanziert werden soll.

Zudem werde der Bedarf an Oberschulen zu gering eingestuft: Es brauche noch mehr Ausbau im Norden und Links der Weser als geplant. Während die CDU Schulen in öffentlich-privater Partnerschaft errichten will, lehnt die Linke das ab und will eine Schulbaugesellschaft gründen.

++ Ursprünglich hieß es im ersten Absatz, dass der Schulausbau eine halbe Million Euro kosten wird. Das ist falsch. Wir haben den Fehler korrigiert. ++

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