Ein Viertel der Stellen fällt weg

Bremer Flughafen baut 100 Jobs ab

Die Luftfahrtkrise fordert am Bremer Airport ihren Tribut. Bis 2025 sollen dort rund 100 Stellen abgebaut werden, damit der wirtschaftlich unter Druck stehende Flughafen wieder wettbewerbsfähig wird.
08.09.2020, 19:54
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Flughafen baut 100 Jobs ab
Von Jürgen Theiner
Bremer Flughafen baut 100 Jobs ab

Verladung von Fluggepäck am Bremer Airport. Angesichts deutlich rückläufiger Fluggastzahlen will der Flughafen Personal abbauen.

Philipp Hannappel

Der Bremer Airport wird bis 2025 rund ein Viertel seiner Arbeitsplätze abbauen. Das hat der Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens entschieden. Es geht um ein Volumen von rund 100 Vollzeitstellen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden, kündigte Häfen-Staatsrat Tim Cordßen, der dem Aufsichtsrat vorsteht, im Gespräch mit dem WESER-KURIER an.

Die Flughafen GmbH steht schon länger unter wirtschaftlichem Druck – wie übrigens viele deutsche Regionalflughäfen, die eine branchenintern als wirtschaftlich geltende Schwelle von rund fünf Millionen Fluggästen pro Jahr deutlich unterschreiten. 2019 flogen 2,3 Millionen Menschen in Bremen ab oder kamen dort an.

Im März hatte der Aufsichtsrat ein Sa­nierungskonzept beschlossen, das noch auf einer Zielzahl von 2,7 Millionen Passagieren fußte. Dann kam Corona und mit der Seuche der weltweite Niedergang der Luftver­kehrswirtschaft. Zwei Monate lang hoben am Neuenlander Feld kaum Maschinen ab, und auch die Aussichten für eine durchgreifende wirtschaftliche Erholung nach dem Abklingen der Pandemie sind derzeit nicht allzu ­rosig.

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Für das laufende Jahr wird noch mit einem Passagieraufkommen von höchstens 800.000 gerechnet. Im Aufsichtsrat wäre man vor diesem Hintergrund froh, wenn sich die Passagierzahlen bis 2025 wieder bei zwei Millionen Reisenden einpendeln. Das heißt aber auch: Mit der gegenwärtigen Belegschaftsgröße ist der Airport nicht wirtschaftlich zu betreiben. Deshalb der geplante Abbau von Stellen.

Er soll nicht nur die einfachen Tätigkeiten im Abfertigungsbereich erfassen, sondern alle Hierarchieebenen. „Wir streben an, die Stellenverringerung sozialverträglich zu gestalten“, sagt Tim Cordßen. „Zum einen durch Vorruhestand, zum anderen durch Angebote für einen Wechsel in unterschiedlichste Bereiche des öffentlichen Dienstes.“

Die Stadt als Alleingesellschafterin will ihrerseits durch Investitionszuschüsse dafür sorgen, dass der Flughafen wieder wettbewerbsfähiger wird. Voraussichtlich in der kommenden Woche wird sich der Senat mit einer Förderrichtlinie beschäftigen, die solche städtischen Hilfen für die Modernisierung des Airports ermöglichen soll, und zwar unter Beachtung des EU-Subventionsrechts.

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Gedacht ist unter anderem an Zuschüsse zur Instandsetzung von Zufahrtswegen zur Start- und Landebahn und zur Verbesserung der Befeuerung auf dem Flugfeld. Auch die geplante Erneuerung der Brandmeldeanlagen am Terminal 1 könnte durch solche finanzielle Hilfen beschleunigt werden. „Zuschussfähig wäre nach der Förderrichtlinie grundsätzlich alles, was die Betriebsfähigkeit des Flughafens sicherstellt“, sagt Tim Cordßen.

Diese Linie fährt der rot-grün-rote Senat im Grunde bereits seit seinem Amtsantritt im Sommer vergangenen Jahres. Damals begann sich die Liquiditätslage der Flughafen GmbH bereits zuzuspitzen. Die Landesregierung reagierte, indem sie die Kosten für die Airport-Feuerwehr von rund 4,2 Millionen Euro jährlich übernahm und gleich für drei Jahre vorschoss. Schon damals war allerdings klar, dass dies nur ein Anfang sein konnte.

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Der Flughafen leidet unter einem Investitionsstau, der sich auf rund 70 Millionen Euro beläuft. Auch die Personalkosten von jährlich rund 20 Millionen Euro gelten im Vergleich zu ähnlichen Standorten als überdurchschnittlich. Deshalb wird dort nun angesetzt. Cordßen wies darauf hin, dass die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat die Beschlüsse zum Personalabbau mitgetragen habe.

Im Gespräch mit dem WESER-KURIER bestätigte Betriebsratsvorsitzender Andree Hoberg diese Aussage im Grundsatz. „Wir sprechen da mit einer Stimme“, so Hoberg. Zen­tral sei aus Sicht der Arbeitnehmervertretung die Zusage der Eigentümerseite, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Ein Teil des geplanten Einsparvolumens sei durch den Verzicht auf Wiederbesetzung vakanter Stellen bereits erreicht.

Aufsichtsratschef Cordßen hofft, dass mit dem Sanierungsprogramm die Weichen für weitere, dringend benötigte Investitionen in die Zukunft des Flughafens gestellt sind. „Dazu zählt auch die Klimaneutralität beim Betrieb des Airports“, so Cordßen. „Die wollen wir noch in der laufenden Legislaturperiode erreichen.“ Gemeint sind die Abläufe am Boden, nicht der Flugverkehr als solcher, obwohl auch er umweltverträglicher werden soll. Erreichen will man dies durch eine Gebührenstaffelung, die den Treibhausgasausstoß der Flugzeuge berücksichtigt und die Airlines dazu bringen soll, moderne Maschinen einzusetzen.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 19:50 Uhr +++

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