Neues Bauprojekt am Bremer Hohentorsplatz

Grünes Haus mit grünem Konzept

Über 40 Wohnungen für Menschen, die nicht viel Geld für die Miete ausgeben können, sollen am Hohentorsplatz in der Bremer Neustadt entstehen. Anwohner kritisieren nun fehlende Parkplätze.
09.09.2018, 06:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel

Acht Stockwerke, sechs Ecken und eine grüne Fassade sollen es sein, für den geplanten Neubau der Gewoba am Hohentorsplatz. Was dem ungewöhnlichen Bauprojekt fehlt, sind allerdings Parkplätze. Einige Anwohner kritisierten nun kürzlich während einer öffentlichen Präsentation des Vorhabens, dass die künftigen Bewohner des Hauses den Parkdruck im Quartier weiter steigern könnten. Dabei hat die teilstädtische Wohnungsbaugesellschaft zu dem grünen Haus auch ein grünes Konzept entwickelt, das für Mieter ein eigenes Auto quasi überflüssig machen soll. Und der zuständige Architekt argumentiert: Viel wichtiger sei doch, dass an dieser zentralen Stelle reichlich kleine Wohnungen für Menschen geschaffen werden, die nicht viel Geld für die Miete ausgeben können.

Denn diese werden wie berichtet laut einer aktuellen Studie in Bremen dringend benötigt. Experten sprechen mittlerweile offen von Wohnungsnot, wenn es in der Hansestadt um kleinere, bezahlbare Wohnungen geht. Vor allem Einpersonenhaushalte mit geringerem Einkommen finden zur Zeit nur schwer eine Bleibe. Größere Wohnungen sind lukrativer für Investoren. Besonders angesichts dieser Entwicklung habe die Gewoba Verantwortung übernommen und den Anteil an geförderten Wohnungen nochmals auf nun 86 Prozent erhöht, teilte der zuständige Architekt Johann Plagemann kürzlich während der Anwohnerversammlung zu dem Bauvorhaben am Hohentorsplatz mit.

Ungewohnt grün

Konkret sind in dem Neubau auf dem heutigen Parkplatz neben der Feuerwehr 52 Ein- bis Dreizimmerwohnungen vorgesehen. Der Bau wird sechseckig emporragen und mit seinen 26 Metern Höhe sogar den Feuerwehrturm noch überragen. Das renommierte Büro „Hild und K Architekten“ aus München setzt mit seinem siegreichen Wettbewerbsbeitrag insbesondere mit der Fassade einen ungewöhnlichen Akzent: Grüne Kacheln, die im Verlauf hin zum Flachdach immer heller werden. Außerdem spielt der ökologische Aspekt eine große Rolle: Das Haus bekommt ein Gründach sowie ein Blockheizkraftwerk in Kombination mit Solarzellen auf dem Dach. Im Erdgeschoss soll Gastronomie einziehen, die auch die kleine Außenfläche mitnutzen kann.

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Das Gewoba-Projekt ist eingebettet in die Städtebauförderung im Sanierungsgebiet Hohentor sowie in das „Sofortprogramm Wohnungsbau“ des Senats. Als Zielgruppen der verhältnismäßig kleinen Wohnungen gelten daher insbesondere Studierende, Alleinerziehende, Alleinstehende sowie ältere und beeinträchtigte Menschen. 45 Wohnungen werden demnach gefördert und so erschwinglich für Menschen, die Grundsicherung beziehen.

Mehr Parkraum notwendig?

Die künftigen Nachbarn des geplanten grünen Hinguckers beschäftigt indes fast ausschließlich die Frage, ob durch das neue Gebäude die von ihnen beschriebenen Parkprobleme weiter zunehmen könnten. So gab es offenbar seitens der Kirchengemeinde Hohentor Bedenken, Gottesdienstbesucher könnten an Sonntagen keinen Stellplatz mehr finden. Auch die Betreiber der benachbarten Jugendherberge machten deutlich, dass ein Teil ihrer Gäste auch weiterhin ihr Fahrzeug in der Nachbarschaft parken müsste. „Das ist nachvollziehbar, aber ich bin überzeugt davon, dass wir bei der Entwicklung einer zukunftsfähigen Großstadt unser Mobilitätsverhalten überdenken müssen“, erklärte Plagemann nach der Versammlung.

Die Gewoba habe bereits beispielsweise am „Bremer Punkt“ in der Neustadt unter Beweis gestellt, dass auch Wohnkonzepte funktionieren, die auf nachhaltige Mobilität anstatt Privatautos setzen. Im grünen Haus werde den Mietern daher anstatt von Parkplätzen kostenlose Zeittickets für Bus und Straßenbahn oder die Übernahme von Mitgliedsbeiträgen für Car-Sharing-Anbieter angeboten. „Der Hohentorsplatz liegt so zentral an Bus und Bahn, dass man gar kein Auto benötigt“, zeigt sich der Architekt überzeugt.

Eine Tiefgarage sei aufgrund unzähliger Leitungen im Boden sowie der geringen Grundfläche nicht zu machen – zumal der Tiefbau die Mieten in die Höhe treiben würde. „Positiv waren aber die Anregungen zur Parkraumbewirtschaftung, die das Pendler-Parken reduzieren könnte“, lobte Plagemann konstruktive Ideen der Versammlungsteilnehmer. Ebenso auch die Forderung, die Stadt solle sich unter der benachbarten Hochstraße ein Konzept im Sinne eines „Quartiersparkplatzes“ überlegen.

Die Planer wollen nun bald den Bauantrag einreichen und möglichst im Sommer 2019 mit den Bauarbeiten beginnen. Die Bauzeit ist auf zwei Jahre angelegt.

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