Lange Wunschliste statt Schokolade

Ideen zur Nutzung des Hachez-Geländes

Neustädter Beiratsmitglieder und Bürger machen sich Gedanken zur Zukunft des Hachez-Geländes, auch wenn noch gar nicht klar ist, ob und an wen der Schokoladenhersteller sein Areal überhaupt verkaufen möchte.
01.03.2020, 18:37
Lesedauer: 3 Min
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Ideen zur Nutzung des Hachez-Geländes
Von Timo Thalmann
Ideen zur Nutzung des Hachez-Geländes

Voraussichtlich im Dezember 2020 stellt der Schokoladenhersteller Hachez seine Bremer Produktion ein.

Christina Kuhaupt

Ein Stadtteilzentrum mit offenen Werkstätten und Veranstaltungsräumen, Kreativwirtschaft, neuer Einzelhandel, Fahrradgaragen, Wohnraum für Ältere und überhaupt dauerhaft bezahlbarer Wohnraum: Ein bisschen war es schon „Wünsch Dir was“, was auf der jüngsten Sitzung des Fachausschusses Sozialökologische Stadtentwicklung gespielt wurde. Es geht um das Gelände des Schokoladenherstellers Hachez und was daraus wird, wenn das 2012 vom dänischen Wettbewerber Toms übernommene Unternehmen seine Produktion nach jetzigem Planungsstand Ende dieses Jahres nach Polen verlagert hat.

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Dieses Vorhaben hat der damalige Hachez-Geschäftsführer Christian Strasoldo Anfang 2018 verkündet. Im September 2019 haben sich Geschäftsleitung und Betriebsrat auf einen Sozialplan für die rund 130 betroffenen Mitarbeiter geeinigt. Wann die letzte Praline das Bremer Werk verlassen wird, ist aber noch nicht öffentlich bekannt. Die Verlagerung der Produktion erfolgt nach Hachez-Angaben schrittweise und ist davon abhängig, wie schnell die Produktion im polnischen Nowa Sól anlaufen kann.

70 Mitarbeiter könnten in Bremen bleiben

Etwa 70 Mitarbeiter aus Vertrieb und Marketing könnten in Bremen bleiben, um von hier aus Hachez, Feodora und die dänische Marke Anthon Berg für den deutschen Handel zu bespielen. Ob dies am jetzigen Standort oder an anderer Stelle geschieht, ist indes noch offen. Die öffentlichen Planspiele rund um das Gelände verfolgt manch einer im Wirtschaftsressort darum auch mit einer gewissen Skepsis. Es besteht die Sorge, dass die dänischen Hachez-Eigentümer die Begehrlichkeiten rund um ihr Firmengelände als Aufforderung zum kompletten Wegzug interpretieren. Laut Hachez-Geschäftsführung ist noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob oder gar an wen das etwa ein Hektar große Areal verkauft werden soll.

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Darauf hat zum Auftakt der Sitzung des Fachausschusses auch noch einmal Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon hingewiesen. „Das Gelände gehört Stand heute immer noch Hachez, insofern können wir hier auch keine verbindlichen Planungen vorstellen, sondern es geht um eine Ideensammlung.“ Ausschusssprecher Jens Oppermann (SPD) sieht darin allerdings auch eine Chance. Gewöhnlich laufe der Beirat den Planungen Dritter hinterher und könne immer nur Stellungnahmen zu bereits vorliegenden Entwürfen abgeben. Das gelte auch bei der sogenannten frühzeitigen Bürgerbeteiligung. „Jetzt wollen wir mal einen ersten eigenen Aufschlag versuchen, bevor ein Investor da ist.“

Der Ausschuss hatte eigens dafür das Sitzungsprozedere umgeworfen und zu einer Art Workshop eingeladen, an dem die Beiratsmitglieder ebenso teilnehmen konnten, wie jeder Besucher und Zuhörer. Auf vier Pinnwänden wurden dazu sogenannte Themeninseln aufgemacht. Es ging zum ersten um mögliche öffentlich Räume für soziale und kulturelle Aktivitäten, zum zweiten um den Themenkomplex Wohnraum, zum dritten um die Wünsche an das Verfahren und die Formen der Bürgerbeteiligung und zum vierten auf Anregung von Eva Kirschenmann, die als sachkundige Bürgerin von den Linken in den Ausschuss entsandt wurde, um ökologische Aspekte.

Referent: Vorkaufsrecht kein Allheilmittel

Auf gelben Zetteln konnte jeder seine Ideen und Anregungen zu diesen Themen zu Papier bringen und anpinnen. Auch für neue Themengebiete zeigte sich der Ausschuss offen. Die ploppten am Ende zum Stichwort „Finanzierung“ auf. So wurde etwa die Idee geäußert, dass die Neustädter selbst beispielsweise über ein Genossenschaftsmodell oder eine Stiftung das Areal erwerben, anstatt auf einen Investor von außen zu setzen.

Zuvor hatte Tom Lecke-Lopatta, Referent für Flächennutzungsplanung und gesamtstädtische Standortplanung bei der Bausenatorin, in einem Impulsvortrag schon darauf hingewiesen, dass in Sachen Hachez die „üblichen Verdächtigen“ der Bremer Immobilienentwickler bereits mit den Hufen scharren. Die Stadt selbst hat sich durch ein Ortsgesetz deswegen bereits ein Vorkaufsrecht gesichert. Das ist Lecke-Lopatta zufolge allerdings kein Allheilmittel. Nur unter sehr klaren Bedingungen könne die Stadt dieses Recht überhaupt ausüben. „Es braucht einen gemeinnützigen Zweck, und zusätzlich muss ein möglicher Investor die vorgegebenen Planungsziele verfehlen.“ Er zeigte sich aber optimistisch, dass auch mit privaten Partnern sehr viel möglich ist. „Wir entwickeln auf der Überseeinsel, im Tabakquartier und auch auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Brinkmann an der Kornstraße derzeit Konzepte, die noch vor wenigen Jahren kein Investor mitgemacht hätte.“

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Als echte Klippe bewertet Lecke-Lopatta allerdings die Finanzierung von öffentlichen Flächen. Das funktioniere nur über eine Quersubventionierung durch gewerbliche Nutzung und Wohnraum. „Und dafür muss auf dem Areal vermutlich sehr verdichtet und vergleichsweise hoch gebaut werden.“

++ Mit dem ehemaligen Brinkmann-Gelände an der Kornstraße ist das Gelände des ehemaligen gleichnamigen Autohauses gemeint. Wir haben das im Text präzisiert. ++

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