Lebensmittel

Warum es in Bremen-Nord nur noch wenige Bio-Läden gibt

Trotz des Bio-Trends gibt es in Bremen-Nord nur vereinzelt Biofachhändler - warum ist das so?
16.03.2021, 08:27
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Warum es in Bremen-Nord nur noch wenige Bio-Läden gibt
Von Patricia Friedek
Warum es in Bremen-Nord nur noch wenige Bio-Läden gibt

Babett Oetken ist mit ihrem "Bio-Eck" im Sommer von Schönebeck nach Vegesack gezogen.

Christian Kosak

Der Bio-Trend erlebt in den vergangenen Jahren einen immer stärker werdenden Aufwind. Laut dem aktuellsten Branchen-Report des BÖLW, dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, ist der Umsatz der deutschen Bio-Facheinzelhändler im Jahr 2020 von 3,76 im Vorjahr auf 4,37 Milliarden Euro gestiegen. Der BÖLW führt die Entwicklung darauf zurück, dass Menschen während der Pandemie mehr zu Hause kochten und der Wunsch nach gesunden und umweltfreundlichen Lebensmitteln gestiegen ist. Nichtsdestotrotz kommt der Trend in Bremen-Nord nur langsam an. Einzelhändler scheinen es schwer zu haben, ein Geschäft neu zu eröffnen oder es zu halten oder sehen schlicht keinen Grund, sich in der Umgebung anzusiedeln.

Es gibt einige Geschäfte mit Biokost, die den Standort Bremen-Nord in den vergangenen Jahren verlassen haben. Da wäre der Laden Lesmona in Burglesum, der 2020 seine Türen schloss, oder der Bioladen Lindenblüte an der Kirchheide in Vegesack. Was die Betreiberfamilie letztendlich dazu brachte, zu schließen, lässt sich vor allem mutmaßen – 2018 sagte Geschäftsführer Clemens Baier dem WESER-KURIER, dass die Konkurrenz durch Biolebensmittel in Discountern und Supermärkten kleinen Biofachhändlern wie ihm das Leben schwer mache. Nach Informationen dieser Zeitung spielten noch private Gründe in die Schließung ein. Fest steht jedenfalls, dass die Anzahl von Geschäften, die ausschließlich Biokost anbieten, in Bremen-Nord eher rar ist. Neben dem Angebot in Supermärkten wie Edeka gibt es das Reformhaus und das Bio-Eck in Vegesack und einen Aleco-Markt in Burglesum sowie die einzelnen Bio-Stände auf den Wochenmärkten.

Babett Oetken ist mit ihrem „Bio-Eck“ im Sommer von Schönebeck nach Vegesack gezogen und bemerkt dort eine erhöhte Nachfrage. Das begründet sie vor allem mit dem Standort: „Wir sind in Vegesack sehr viel präsenter, als wir es vorher waren. Der Bus fährt direkt vor dem Laden entlang und durch die individuelle Optik werden Kundinnen und Kunden auf uns aufmerksam.“ Das Geschäft ist täglich von Montag bis Samstag am Vormittag geöffnet, am Freitag hat es auch am Nachmittag offen. Im Durchschnitt empfängt der 100 Quadratmeter große Laden etwa 60 bis 80 Menschen am Tag. Zu ihrer Kundschaft sagt sie, es seien viele ehemalige Einkäuferinnen und Einkäufer des geschlossenen Bio-Ladens Lesmona zu ihr herübergeschwappt. Aber es gebe auch viele Studierende von der Jacobs-Uni, die bei ihr einkaufen. Es komme dabei nicht unbedingt darauf an, ob die Menschen besonders wohlhabend sind: „Zu mir kommen auch Menschen, die nicht viel Geld haben, aber das wenige für gute Lebensmittel ausgeben wollen.“

Lesen Sie auch

Für seine Filiale in Burglesum berichtet Aleco-Geschäftsführer Georg Appel ebenfalls von einem hohen Andrang. In den 500 Quadratmeter großen Laden kommen täglich zwischen 500 und 600 Kunden und Kundinnen, schätzt Appel. Bei der Wahl eines Standortes für einen Biomarkt kommt es auf mehrere Faktoren an, sagt er. Zum einen sei die Dichte der Bevölkerung ein Punkt, zum anderen auch die Affinität zu Bio-Produkten in einzelnen Stadtteilen. „Aus Erfahrung können wir sagen, dass die Bio-Affinität hoch ist, wo viele Studierende sind und dort, wo die Grünen bei Wahlen gut abschneiden. Auch an Orten mit alternativen Bildungseinrichtungen wie Waldorf-Kindergärten oder -Schulen haben die Menschen einen höheren Bezug zu Biokost.“ Auch die Biosupermarkt-Kette Alnatura orientiere sich gerne an studentischen Gegenden, wie zum Beispiel dem Viertel in Bremen, sagt eine Sprecherin des Unternehmens aus Darmstadt. Weder Aleco noch Alnatura planen kurzfristig, neue Filialen in Bremen-Nord zu eröffnen. Appel habe in den vergangenen Jahren keine interessanten Angebote für Ladenflächen in der Gegend bekommen, sieht jedoch in manchen Stadtteilen kein Potenzial für Nachfrage.

Lesen Sie auch

„Studien zeigen, dass unterschiedliche Ausprägungen von Umwelt- und Naturbewusstsein oft eine Frage der übergeordneten Grundhaltung sind, die Werte, Befindlichkeiten und lebensweltliche Grundorientierungen umfasst“, begründet die Behörde von Senatorin Maike Schaefer (Grüne) für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau die unterschiedlich hohe Nachfrage an Bio-Lebensmitteln. In den Stadtteilen Bremens zeigten sich diese individuellen Lebensumstände in vielfältiger Weise. Bioläden punkteten jedoch nicht nur bei Menschen, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen. Das besondere Ambiente und die hohe Servicequalität seien auch Aspekte für Menschen, in Bioläden einzukaufen. Dennoch reiche die Überzeugung allein nicht aus – Bio-Geschäfte müssten auch für jede und jeden erreichbar sein. „Auch in Bremen-Nord wünsche ich mir mehr Bio- und Unverpacktläden. Wichtig ist, dass diese auf kurzem Weg erreichbar sind, damit die Kundinnen und Kunden ihre Einkäufe mit den alltäglichen Herausforderungen vereinbaren können“, sagte Senatorin Schaefer. Das Projekt „BioStadt Bremen“ des Landes strebe an, Menschen zunehmend für ökologische Ernährung zu sensibilisieren.

Info

Zur Sache

Biostadt Bremen

Das Projekt Biostadt Bremen sieht vor, ökologische Verbände, Vereine und Projekte zu vernetzen, um die regionale Lebensmittelwirtschaft zu fördern und ein größeres Bewusstsein in der Bevölkerung für Biokost zu schaffen. Ein Aktionsplan für 2025, der 2018 vom Bremer Senat beschlossen wurde, soll die Verpflegung in Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Krankenhäusern oder Betrieben auf einen hohen Qualitätsstand bringen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+