Zugausfälle und Verspätungen Der Ärger der Nordwestbahn-Pendler

Zugausfälle häufen sich, Verspätungen sind an der Tagesordnung. DIE NORDDEUTSCHE hat Fahrgäste der Nordwestbahn in Bremen-Mitte und Bremen-Vegesack befragt, wie sie mit der Situation umgehen.
04.06.2019, 16:59
Lesedauer: 4 Min
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Von Albrecht-Joachim Bahr

Ausfälle bei der Nordwestbahn: Sie sind lästig, zeitraubend und bestimmt keine Gute-Laune-Macher. Und Besserung ist kurz- bis mittelfristig nicht in Sicht. Falls die Züge zwischen Bremen-Mitte und Bremen-Nord dann doch nicht ausfallen und pünktlich fahren, sind sie in Stoßzeiten gut gefüllt bis proppenvoll.

DIE NORDDEUTSCHE hat sich am Hauptbahnhof und am Bahnhof Vegesack unter Fahrgästen der Regio-S-Bahn RS1 umgehört und gefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

Christian Ganske pendelt seit Januar drei- bis viermal zwischen Innenstadt und Nord. Er ist Quartiersmanager in Grohn. „Mal eine halbe Stunde später ist dann auch kein Problem“, sagt er. Die Zeit hänge er bei der Arbeit hinten dran. Aber in der Regel habe er bislang tatsächlich Glück gehabt. „Ich schaue aber auch auf meine Pendler-App.“ Und wenn es dann doch mal eng werde, dann nehme er den Zug nach Bremerhaven bis Burg und von dort dann den Bus.

Ludmilla Wiesner wohnt in Farge und hat zweimal pro Woche einen festen Arzttermin in der Stadt. „Wenn ein Zug ausfällt, dann rufe ich dort an. Da gibt es keine Probleme. Und wenn es dann doch mal nicht passt, dann wird im Ernstfall der Termin auf den nächsten Tag verlegt.“ Überhaupt sei ihr das schon lange nicht passiert. „Heute allerdings, da hatte der Zug aus Blumenthal, also der mir entgegenkommende, Verspätung.“ Und, wie eine schlechte Pointe, hat der Zug, auf den sie jetzt gerade wartet, ebenfalls fünf Minuten Verspätung. Ludmilla Wisner lebt seit drei Jahren in Deutschland, sie stammt aus Kasachstan. Gefragt, wie sie mit Zugausfällen und -verspätungen umgeht, lächelt sie nur, als wollte sie sagen, dass sie von früher ganz anderes gewohnt ist.

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Sieben Jahre ist sie täglich zwischen Blumenthal und Oslebshausen gependelt, erzählt Jolanta Nowakowski. Und, ja, natürlich habe sie Verspätungen und Ausfälle mitbekommen. Dabei habe sie feste Arbeitszeiten gehabt. Ihr Kommentar: „Einfach lästig.“ In der Regel seien es die „Zwischenzüge“ gewesen, die ausgefallen sind. Deshalb habe sie immer einen Zug früher genommen. Erst am Freitag seien die Züge eine ganze Stunde nicht gefahren. Als Alternative könne man zwar auch mit dem Bus fahren, „aber das ist dann schon eine richtige Reise“. Sie hat eine dringende Empfehlung: Vorher auf jeden Fall auf die App schauen.

Vom „Ketten“-Ausfall am Freitag betroffen war auch Josef Arnold. „Dann rufe ich an und meine Kollegen wissen immerhin Bescheid.“ Arnold ist Jobcoach und pendelt täglich zwischen Bremen-Hauptbahnhof und Vegesack. „Ich hab in Nord feste Termine und wenn ich da nicht ankomme, dann ist das schlecht.“ Als Alternative käme zum Beispiel der Zug nach Bremerhaven bis Burg infrage und von dort dann weiter mit dem Bus. „Aber das ist natürlich zeitaufwendiger.“ Einen Pkw hat er nicht mehr, den habe er abgeschafft, als er vor drei Jahren vom Land in die Stadt gezogen ist. Er habe es sich inzwischen angewöhnt, so zu fahren, dass er manchmal schon eine Stunde früher an seiner Arbeitsstelle ist. „Dann bereite ich mich in Ruhe und gemütlich bei einer Tasse Kaffee auf mein Seminar vor“, versucht er, diesen Umständen noch etwas Gutes abzugewinnen. Dass der Nordwestbahn die Lokführer abgeworben werden, das, meint er, sei ihm als Kunde irgendwie egal. Er kann der Bahngesellschaft nur einen Tipp geben: Für eine rechtzeitige Ausbildung von mehr Lokführern zu sorgen.

Drei Züge im vergangenen Monat ausgefallen, Verspätungen noch öfter: So ist es Erik Mayer ergangen. Er ist Berufsschüler und in Ausbildung, deshalb fährt er täglich von Farge nach Blumenthal, beziehungsweise zum Hauptbahnhof. „Allerdings“, schränkt er seinen Ärger über die Bahn etwas ein, „ich bin da auch nicht immer auf die Bahn-App gegangen“. Überhaupt meint er, dass man da eigentlich auch nicht viel gegen tun könne. Er zuckt mit den Schultern. „Wenn es nicht anders geht, dann fahre ich eben mit Bus und Straßenbahn.“

Regelmäßiger Pendler ist auch Thomas Pörschke. Der Vegesacker Grünen-Politiker ist Mitarbeiter der Sozialbehörde und arbeitet „im Bereich Stresemannstraße“. Er pendelt täglich und hat zu Bahn und Bus keine Alternative. Gegen Zugausfall und -verspätung hat er ein probates Mittel: „Ich plane meine Fahrten mit der VBN-App.“ Der Haken dabei sei allerdings, dass die Vorschau in der App nicht immer mit den realen Fahrzeiten übereinstimme. Da sei eine verlässliche Zeitplanung natürlich nicht möglich.

„Während die Züge nach der App noch fahren, zeigt die Anzeigetafel am Bahnsteig 'Ausfall' oder 'Verspätung'. Andersherum geht das manchmal auch so.“ Wenn der Personalmangel Ursache für die Situation und nicht von heute auf morgen abzustellen sei, dann, bitte schön, sollte man zumindest die Daten abgleichen, findet Pörschke. „Das ganze Unternehmen Nordwestbahn ist auf Kante genäht“, vermutet der Vegesacker, „und das würgt letztendlich jede Flexibilität ab. Da muss vorgesorgt werden, sonst kann man das irgendwann nicht mehr aufholen.“

Ähnlicher Ansicht ist auch Peter Rosenthal aus Rönnebeck. Er sagt: „Ein Unternehmen, das eben erst den Verkehrsvertrag mit Bremen und Niedersachsen abgeschlossen und nicht genug Lokführer hat – das wirft kein gutes Licht auf die Bahn.“ Dabei seien er oder seine Frau von den Zugausfällen nicht besonders betroffen. Allerdings, wenn seine Frau mal in die Stadt fährt und es beim Heimweg zu einem Zugausfall komme, „dann kann das gut und gerne eineinhalb Stunden Verzögerung geben“. Und wenn seine Frau bei einem Zugausfall keine Lust auf eine verlängerte Heimfahrt hat, dann hole er sie mit dem Auto aus der Innenstadt ab. Sein Fazit lautet: „Die Strecke zwischen Bremen-Nord und Stadt scheint nicht ganz einfach zu sein.“

Für Gesa Löschen sind Zugausfälle oder -verspätungen „nicht dramatisch“. Sie schränkt aber auch ein, dass sie privat in Bremen-Nord sei, zu Besuch bei ihren Eltern, eigentlich in Hamburg wohne und überhaupt die vergangenen gut zweieinhalb Jahre im Ausland, zumeist in Südostasien, verbracht habe. Die Erfahrungen, die sie dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht hat, haben sie gelehrt, Geduld zu üben. Trotzdem ist sie der Meinung: „Für die Menschen, die beruflich unterwegs sind, für die ist das natürlich schwierig.“ Sie selbst sei wie gesagt nur privat unterwegs. Und auf den vier oder fünf Fahrten zwischen Bremen und Bremen-Nord habe sie einmal einen Zug später nehmen müssen, als den, den sie für ihre Fahrt eingeplant hat. „Das war – für mich jedenfalls – keine große Tragödie.“

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