Schulschiff-Liegeplatz in Vegesack Ersatz gesucht

Ist das Schulschiff weg, soll der Anleger in der Lesummüdung anderweitig genutzt werden. So der Plan der Wirtschaftsförderung. Ob er aufgeht, ist allerdings noch unklar.
13.08.2021, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Ersatz gesucht
Von Christian Weth

Was wird eigentlich aus dem Schulschiff-Anleger, wenn das Schulschiff weg ist? Antworten suchen Entscheider der Wirtschaftsförderung schon länger. Auch darauf, wie sich das Gebäude des Vereins, der mit dem Großsegler nach Bremerhaven wechselt, anderweitig nutzen lässt. Die städtische Gesellschaft ist mit mehreren Stellen im Gespräch: mit dem Ortsamt und der Wirtschaftsbehörde ebenso wie mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt. Es genehmigt den Bau von Anlegern – und kann auch deren Abriss fordern, wenn es keinen Nutzer gibt.

Andrea Bischoff sagt, dass alles versucht wird, um den Liegeplatz an der Lesummündung zu erhalten und keinen Leerstand im Vereinshaus aufkommen zu lassen. Die Sprecherin der Wirtschaftsförderung berichtet von Verhandlungen, in denen mehrere Möglichkeiten ausgelotet werden. Welche das sind, lässt sie offen. Fest steht ihr zufolge nur, dass die städtische GmbH den Anleger nicht aufgeben will und es beim Vereinsgebäude vermutlich zu einer Ausschreibung kommen wird. Bischoff spricht von Gutachtern, die dabei sind, den Wert des Hauses zu ermitteln – und von 2,5 Millionen Mark, die der Bau vor mehr als 20 Jahren gekostet hat. Eine Summe zum Anleger kann sie ad hoc nicht nennen.

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Das kann auch Claus Jäger nicht. Der Chef des Schulschiff-Vereins weiß aber, dass der Liegeplatz des Großseglers für die Wirtschaftsförderung immer wieder mit Ausgaben verbunden war. Etwa alle zwei Jahre, sagt er, musste die Stahlwanne, die den Rumpf des Schiffes vor dem Versanden schützen sollte, mit spezieller Technik mal freigebaggert, mal freigesaugt werden. Eine Prozedur, die sechsstellige Beträge gekostet hat. Jäger geht davon aus, dass die Wanne aus Spundwänden nicht mehr gebraucht wird, weil es nicht viele Schiffe gibt, die wie das Schulschiff einen Tiefgang von 5,40 Meter haben und Gefahr laufen, wegen des angespülten Sandes irgendwann auf Grund zu laufen.

Ob die Wanne wegmuss oder bleiben kann, entscheidet nicht die Wirtschaftsförderung, sondern das Wasser- und Schifffahrtsamt. Was am Ende passieren wird, will es davon abhängig machen, wie und ob der Anleger weiter genutzt wird. Neben der städtischen Gesellschaft wollen auch andere verhindern, dass er nach dem Ablegen des Schulschiffs in rund anderthalb Wochen brach liegt und eventuell abgerissen werden muss. Vertreter einer maritimen Stiftung, die jetzt dabei ist, sich zu gründen, wollen den Seenotrettungskreuzer "Bremen" nach Vegesack holen. Wann das Schiff außer Dienst gestellt wird, ist allerdings offen. Genauso, ob die Stiftung es überhaupt bezahlen kann.

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Wie viel Zeit der Wirtschaftsförderung bleibt, ein anderes Schiff oder eine andere Nutzung für den Anleger zu finden, ist offen. Eine Frist des Wasser- und Schifffahrtsamtes gibt es bisher nicht. Eine andere ist dagegen abgelaufen: Der Schulschiff-Verein hat mittlerweile den Mietvertrag für das Haus neben dem Liegeplatz gekündigt – und den für den neuen Vereinssitz in Bremerhaven unterschrieben. Er wird demnächst in ein mehrgeschossiges Gebäude am Neuen Hafen einziehen, das Timeport 3 heißt und direkt am Lloyd-Platz steht. Die Schreibtische in den Büros stehen bereits. Nach Jägers Zeitplan soll der Vereinssitz in Vegesack bis zum Jahresende geräumt sein.

Seines Wissens nach gibt es für das Haus einen Interessenten. Der Vereinsvorsitzende sagt, dass ein Gastronom es übernehmen will – nicht nur den Gebäudeteil, den der Schulschiff-Verein noch nutzt, sondern auch den, der längst Restaurant ist. Ihm zufolge hat der bisherige Pächter vor Längerem signalisiert, nicht mehr weitermachen zu wollen und einen Nachfolger vorgeschlagen, der an ein größeres Lokal und mehr Tische für Gäste denkt, als sein Vorgänger gedacht hat. Laut Jäger ist das Gebäude von Anfang an für einen Restaurantbetrieb konzipiert worden. An den Baukosten hat sich der Verein damals beteiligt. Das Geld will er jetzt wiederhaben. Oder zumindest den Teil, der ihm nach dem Zeitwert der Immobilie noch zusteht. Auch deshalb sind die Gutachter dabei, das Haus zu bewerten.

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