Heizen Heiß begehrtes Brennholz

Bis zu 400 Förster habe seine Firma angerufen, berichtet ein Nordbremer Holzhändler. Ohne Erfolg. Wo aktuell überhaupt noch Brennholz in der Region zu bekommen ist - und zu welchem Preis...
18.08.2022, 18:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Heiß begehrtes Brennholz
Von Patricia Brandt

Sie habe das Gefühl, Brennholz sei das neue Toilettenpapier, sagt eine Mitarbeiterin in einer Aumunder Holzhandlung. Heizen mit Holz ist als Alternative zum Heizen mit Gas und Öl gefragt wie nie. Wie Anbieter in der Region mit dem Ansturm der Kunden umgehen und wo und zu welchem Preis überhaupt noch Holz zu bekommen ist.

Bei der hohen Nachfrage nach Brennholz geht der Holzpreis mitten im Sommer durch die Decke. „Früher lag der Hartholzpreis für einen Schüttraummeter – fertig gesägt und getrocknet – bei 85 Euro. Jahrelang war dieser Preis wie festgenagelt, jetzt steigt er von Woche zu Woche“, sagt Holzhändler Sven Horstmann. Ein Schüttraummeter entspricht einem Kubikmeter, der mit lose geschüttetem Holz gefüllt ist. Doch: Mit Hartholz wie Buche oder Eiche kann der Schwaneweder Kamin- und Ofenbesitzern zurzeit überhaupt nicht dienen. „Es gibt nur noch Nadelholz – und da liegen wir bei 140 Euro pro Schüttraummeter.“

Preis stark gestiegen

Vor zwei Jahren habe der Preis für Fichtenholz noch bei 45 bis 50 Euro gelegen, berichtet der Inhaber der Horstmann Holz-Group, der seit anderthalb Jahren gewerblich Brennholz auf dem elterlichen Hof verkauft. Fichtenholz weise gegenüber Buche oder Eiche einen geringeren Brennwert auf. „Die Leute kaufen trotzdem wie verrückt“, meint Horstmann. Er ist überzeugt, wenn er nicht rechtzeitig auf Fichte umgeschwenkt wäre, könnte er seine Kunden nicht beliefern: „Wir beziehen unser Holz zu 90 Prozent hier aus dem Forst, doch im Umkreis von 50 Kilometern ist nichts mehr zu bekommen. Wir mussten auf Großhändler zurückgreifen.“ Die letzten Fuhren Fichten- und Kiefernholz seien aus Bad Segeberg und Hildesheim gekommen.

Seit Beginn des Ukrainekrieges erreichten die Firma 30 bis 60 Anrufe pro Tag. „Früher habe ich immer zu den Kunden gesagt, schicken Sie mir eine Whatsapp“, erzählt Sven Horstmann. Das funktioniere bei dem Ansturm nicht mehr. „Mein Schwiegersohn-Anwärter nimmt jetzt abends unentgeltlich die Bestellungen auf.“ 

Warenanforderung nicht zu stemmen

Probleme bereitet der große Andrang auch Nils Puckhaber aus Schwanewede-Neuenkirchen. Der angestellte Lohnunternehmer hat sich mit seiner Firma auf den Holzverkauf spezialisiert. „Seit Mai verkaufen wir Holz, aber bei uns ist das Problem, dass wir noch nicht so viele Lieferanten haben und es schwer ist, Holz aus dem Forst zu bekommen." Besonders Buche sei im norddeutschen Raum nicht zu beziehen: „Die Waldbesitzer behalten das Holz, um den Preis weiter hochzuziehen.“ Puckhaber spricht von Preissteigerungen um 100 Prozent.

Angst vor hartem Winter

Ihm bleibt derzeit aber ohnehin nichts anderes übrig, als seine Kunden zu vertrösten und auf eine Warteliste zu setzen. 40 stehen bereits darauf. „Ehrlich gesagt, macht das keinen Spaß, weil das Telefon in einer Tour klingelt, und die Kunden werden langsam unentspannt. Die haben alle Angst vor einem harten Winter.“ Leider könne er derzeit keine Abhilfe schaffen. „Wenn ich Glück habe, kommt die nächste Lieferung Ende Oktober.“

Hamsterkäufe

"Zwei Damen haben hier drei Monate recherchiert und 300 bis 400 Förster abtelefoniert", berichtet Johann Taube, Inhaber der gleichnamigen Holzhandlung in Aumund. Das Ergebnis: "In Deutschland ist kein Holz mehr zu bekommen."

Der Markt sei wie leer gefegt. Der Nordbremer Holzhandel kann derzeit dennoch liefern. Die Firma beziehe das Holz aus Polen. „Wir verkaufen eine Palette, das sind 1,5 Raummeter, Buche für 370 Euro.“ Den Preis geben die Lieferanten vor. Johann Taube: "Der Einkaufspreis ist um das Vierfache gestiegen – gegenüber letztem Jahr." Für ihn ist damit eine Grenze erreicht. Die Kunden kaufen trotzdem. Der Holzhändler geht davon aus, dass sie sich bevorraten: "Teilweise werden vier bis fünf Paletten gekauft."

Bis vor dem Ukrainekrieg lag das Einzugsgebiet der Kundschaft vor allem im Bremer Norden. Jetzt kämen auch Anfragen aus Stuhr, Achim und der Neuen Vahr, berichtet eine Mitarbeiterin.

Wartezeiten für Kaminöfen

Wie heiß begehrt Brennholz ist, bekommt auch Armin Hinz mit, Inhaber des Blumenthaler Geschäfts Kamin & Ofen. "Viele möchten einen Ofen kaufen und fragen mich anschließend, woher sie Brennholz bekommen", berichtet der Händler, "aber ich bin selber auf der Suche." Er weist darauf hin, dass frisch geschlagenes Holz nicht genutzt werden darf. In der Ladenausstellung habe er bisher mit Holzbriketts geheizt. "Aber selbst die sind Mangelware."

Die Nachfrage nach Kaminöfen ist übrigens auch gestiegen, und zwar bereits seit 2020 aufgrund der Pandemie, "weil viele auf Urlaub verzichtet und stattdessen eine Wohnzimmerrenovierung vorgenommen haben". Zugleich hätte Dänemark wegen Corona einige Zeit keine Öfen produziert: "Da hat sich ein Riesen-Bestellvolumen angestaut." Dazu kam der Ukrainekrieg: "Wir liegen bei zehn bis zwölf Monaten Wartezeit, bis ein bestelltes Gerät ankommt." Der Kaufpreis? Auch gestiegen, laut Hinz um bis zu 20 Prozent.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht