Bürgerprotest

Mit Unterschriften gegen das Hochhaus am Vegesacker Hafen

Sechs Nordbremer Bürger wollen die Beschlüsse, am Vegesacker Hafen ein Gebäude mit neun Geschossen zu bauen, nicht hinnehmen. Sie haben deshalb eine Bürgerinitiative gegründet.
05.03.2020, 22:32
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Mit Unterschriften gegen das Hochhaus am Vegesacker Hafen
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Politisch ist die Entscheidung bereits gefallen: Sowohl die Baudeputation als auch der Vegesacker Beirat haben sich mehrheitlich für den Bau eines neungeschossigen Hochhauses auf dem Gelände des ehemaligen Einkaufscenters Haven Höövt ausgesprochen. Sechs Nordbremer Bürger wollen diesen Beschluss allerdings nicht hinnehmen und haben deshalb eine Bürgerinitiative gegründet.

„Uns geht es darum, das Gesicht Vegesacks so zu erhalten, dass es dem maritimen Charakter des Stadtteils gerecht wird“, sagt Mitglied Thomas Christoffers bei der Vorstellung der Bürgerinitiative am Donnerstagmittag auf dem „Schulschiff Deutschland“. Das Haven Höövt habe bereits dafür gesorgt, dass Vegesacks Erscheinungsbild annähernd zerstört wurde. Dass sich auf dem Areal etwas tut, begrüßt die Initiative deshalb. „Der gute Entwurf wird durch das Hochhaus konterkariert“, kritisiert Christoffers. „Es heißt, man möchte einen Ankerpunkt in Form eines Hochhauses haben, und das in der Nähe der Grohner Düne. Das passt für uns nicht so ganz zusammen, zumal wir hier mit dem Speicher und dem Schulschiff auch zwei Denkmäler haben.“

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Durch das Hochhaus würde der Speicher „verzwergt“ und das Schulschiff völlig in den Hintergrund gedrängt werden, bemängeln die Initiatoren. „Dadurch besteht die Gefahr, dass das Schulschiff irgendwann abwandert“, sagt Christoffers. „Wir müssen froh sein, dass wir in Bremen noch ein Segelschiff liegen haben, was intakt ist, sauber aussieht und genutzt werden kann“, fügt Rainer Tegtmeier hinzu.

Um das Hochhaus doch noch verhindern zu können, hat die Bürgerinitiative eine Petition verfasst. „Damit gehen wir an die Vegesacker Bürger. Die Unterschriftenlisten werden sowohl in den Läden zu finden sein als auch im Internet als Online-Petition, damit wir die unterschiedlichen Generationen erreichen können“, so Thomas Christoffers. „Wir hoffen auf eine hohe Zahl von Unterschriften, damit wir zeigen können, dass die Bremen-Norder an dem Thema interessiert sind.“ Um auf sich aufmerksam zu machen, wollen die Initiatoren unter anderem an Markttagen auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Dass die Bürgerinitiative erst jetzt aktiv wird, liege daran, dass sich der Vegesacker Beirat zunächst gegen ein so hohes Gebäude ausgesprochen habe.

Claus Jäger, Vorsitzender des Deutschen Schulschiff-Vereins, geht es nicht um die Sichtbarkeit des Schulschiffes, sondern auch um die Wirkung des Hochhauses. „Ich finde es abenteuerlich, dass man nach den Erfahrungen mit der Grohner Düne und den Erfahrungen, die wir in Bremen-Nord mit sämtlichen Wohnhochhäusern gemacht haben, diesem Vorhaben zustimmen konnte. Die Hochhäuser haben sich nachteilig auf die Umgebung ausgewirkt. Wie man auch unter städtebaulichen Gesichtspunkten zu so einer Entscheidung kommen kann, kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Jäger.

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Der Vegesacker Architekt Uwe Meier hat das Projekt bereits vor Gründung der Bürgerinitiative begleitet. Er kritisiert, dass die Vorgaben des Wettbewerbs keinerlei Berücksichtigung finden. „Dem ganzen liegt für den Bebauungsplan ein Wettbewerb zugrunde. Die Vorgaben waren eindeutig gefasst, in dem man eine Viergeschossigkeit, punktuell Fünfgeschossigkeit festgelegt hat“, sagt Meier.

Gänzlich verhindern will die Initiative das Gebäude nicht. Sie will dafür kämpfen, dass der Bauplan noch einmal geändert wird und das Gebäude dann nicht mehr als fünf Etagen hat. „Die Planungen müssen sich wieder mehr am Menschen orientieren und nicht an anderen Zwängen“, fordert Meier. „Nicht an den Interessen eines Investors, der natürlich daran interessiert ist, so hoch wie möglich zu bauen. Umso höher werden nämlich seine Mieteinnahmen“, ergänzt Jürgen Peters.

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