Umstrittene Pläne am Vegesacker Hafen Haven-Höövt-Hochhaus auf dem Prüfstand

Es geht voran mit der Entwicklung des neuen Stadtquartiers am Vegesacker Hafen. Mit Sorge verfolgen Anwohner und Denkmalpfleger die Planung eines Hochhauses. Es soll jetzt anders ausgerichtet werden.
15.01.2020, 20:39
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Haven-Höövt-Hochhaus auf dem Prüfstand
Von Patricia Brandt

Wie hoch darf das geplante Hochhaus am Vegesacker Hafen werden, damit es den denkmalgeschützten Speicher nicht in den Schatten stellt? In dem Entwurf, der an diesem Donnerstag, 16. Januar, der Baudeputation vorgelegt wird, sind neun Geschosse vorgesehen. Denkmalpfleger Georg Skalecki hält die Höhe weiter für problematisch. Er plädiert dafür, höchstens sieben Stockwerke hoch zu bauen. Mitspracherecht hat auch der Beirat. Stimmt er am Montag gegen die aktuelle Planung, wird sich die Deputation erneut mit dem früheren Haven-Höövt-Areal befassen müssen.

Nachdem immer mehr Läden im ehemaligen Einkaufszentrum Haven Höövt leer standen und schließlich die Insolvenz folgte, will die von der neuen Eigentümerin beauftragte Haven Höövt Projektentwicklungsgesellschaft mbH das Gelände zwischen Vegesacker Bahnhof und Lesum bekanntlich revitalisieren. Und es geht voran mit der Entwicklung des neuen Stadtquartiers, in dem rund 150 Wohnungen entstehen sollen. Gerade hat Projektentwickler Max Zeitz nach eigenem Bekunden in Süddeutschland einen Betreiber für ein Hotel gefunden: In absehbarer Zeit wird in Vegesack ein Hampton-by-Hilton-Hotel eröffnen.

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Und dann will Max Zeitz noch „über die Sozialquote hinweg“ zusammen mit der Stiftung Friedehorst ein Wohnkonzept für Menschen mit Handicap und Rollstuhl umsetzen. Für ein wiederum benachbartes Baufeld verhandelt er mit zwei Anbietern im Bereich Servicewohnen für Senioren. Fest stehe bereits, dass auf dem Baufeld auch eine Kita eröffnen wird. Dazu hatte die Deputation bereits im Dezember getagt.

Wenn an diesem Donnerstag um 15 Uhr die Sitzung der Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung im Börsenhof A stattfindet, dann müssen die Kommunalpolitiker über die Änderung des Bebauungsplans 1218 abstimmen und damit auch über die Höhe des Hochhauses entscheiden, das auf Zeitz' Unterlagen „Packhaus“ heißt. Es hat in den vergangenen Monaten bereits für so viel Unmut in der Bevölkerung gesorgt, dass der Projektentwickler es von elf auf neun Stockwerke herabgesetzt hatte.

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„Das, was jetzt beim Senator als Vorlage für die Deputation liegt, ist der Vorschlag, das Gebäude auf dem Grundstück zu drehen. Mehr ist es nicht“, sagt Max Zeitz auf Anfrage unserer Zeitung. Die Ausgestaltung des Gebäudes wird erst später von einem Gestaltungsgremium erarbeitet. „Die Drehung des Gebäudes ist ein wesentlicher Punkt. Wir wollen diesen Kompromiss gerne mitgehen“, macht Zeitz deutlich. In der Deputationsvorlage wird vorgeschlagen, das Baufenster für das neungeschossige Bauteil nach Nordwesten zu drehen.

Damit berücksichtigt die Politik vor allem die Bedenken der Denkmalpfleger. Der Vorschlag, den Gebäudeentwurf auf dem Papier so zu drehen, dass seine Schmalseite dem Hafen zugewandt ist, stammt auch aus dem Landesamt für Denkmalpflege. Ziel der Drehung ist, die Silhouette des Alten Speichers „lesbarer“ zu machen. Landeskonservator Georg Skalecki möchte bewirken, dass die Kulisse mit dem von Schiffbauer Johann Lange errichteten Alten Speicher ihre Wirkung entfalten kann, wenn der Betrachter auf der Brücke über den Vegesacker Hafen steht. Die Fußgängerbrücke über den Hafen gilt unter Fachleuten als Hauptansichtsflucht.

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Georg Skalecki hat von Beginn der Bebauungsplanung an auf die eingetragenen Kulturdenkmäler „Alter Speicher" und "Schulschiff Deutschland" hingewiesen. Seine Befürchtung ist, dass am Ende der Sichtachse zwischen Alt-Vegesack, Hafenbrücke und altem Speicher ein Hochhaus entsteht, das zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes des Denkmals führt, das heute das Geschichtenhaus beherbergt.

Der Denkmalpfleger stimmt einem neungeschossigen Gebäude deshalb nur zu, wenn es gedreht wird. Denn: „Wir sind und waren immer der Meinung, dass da gar kein Hochhaus hingehört. Das Gebäude wird so hoch über den First des Alten Speichers aufragen, dass es wie eine Marginalisierung des alten Bauwerks wirkt.“ Selbst wenn die Planer das Gebäude auf dem Papier drehen und es dadurch ein wenig aus dem Baufeld herausrückt. Skalecki: „Elf Geschosse geht gar nicht, und neun sind eigentlich auch zu viel. Mit sieben Geschossen könnten wir leben.“

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In den Unterlagen für die Deputierten ist weiterhin von neun Geschossen die Rede. Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) hat sich den Entwurf des Hochhauses zusammen mit den baupolitischen Sprechern angeschaut. „Wir finden neun Etagen in der gedrehten Version zumutbar“, sagt sie auf Anfrage.

Eine Vorgabe sei dabei, dass die Geschosse tatsächlich für die Schaffung von Wohnraum genutzt werden. Eine Zeitlang war offenbar im Gespräch, dass im Hochhaus am Hafen auch Parkplätze entstehen sollten. Die Sitzung der Baudepitation beginnt um 15 Uhr im Gebäude Börsenhof A, Am Markt 20, Raum 416. Der Beirat tagt am Montag, 20. Januar, ab 18.30 Uhr im Stadthaus

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