Senatorin Schaefer im Interview

„Das Taubenhotel ist der Pilotversuch“

Wann wird die Premiumradroute in Bremen-Nord realisiert und wann das Taubenhaus gebaut? Im Interview spricht Senatorin Maike Schaefer über Umweltpolitik im Bremer Norden.
11.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Das Taubenhotel ist der Pilotversuch“
Von Patricia Brandt
„Das Taubenhotel ist der Pilotversuch“

Bremens Umweltsenatorin Maike Schaefer.

Frank Thomas Koch

Frau Schaefer, die Trinkwassersituation wird sich in Bremen bekanntlich zuspitzen, ein Gutachten für das neue Trinkwasserschutzgebiet liegt seit 2020 vor. Warum werden keine Schutzzonen ausgewiesen?

Der Entwurf des Gutachtens liegt aktuell noch in der Abstimmung mit dem Landkreis Osterholz hinsichtlich der Abgrenzung der Schutzzone III auf dessen Gebiet. Darüber hinaus plant mein Haus im März in einer Beiratssitzung des Beirates Vegesack den aktuellen Stand zur Ausweisung darzustellen.

Wann ist dann mit der Ausweisung der Schutzzonen zu rechnen?

Mit einer Festsetzung, in Abhängigkeit der Eingaben aus der Öffentlichkeitsbeteiligung, rechne ich im ersten Quartal 2022.

Auch andere Projekte kommen nur stockend voran. Die Beiräte haben bereits 2017 Details der von Ihrem Vorgänger Joachim Lohse initiierten Fahrradpremiumroute beraten. Warum dauert es so lange, die Route zu realisieren?

Auch hier kann ich kein Stocken erkennen. In Bremen-Nord hat es noch im Dezember 2017 an einigen Stellen Abstimmungsbedarf mit den Beiräten über den exakten Streckenverlauf gegeben. Die Route verläuft ja über mehr als 40 Kilometer von Mahndorf quer durch die Innenstadt, Walle nach Bremen Nord. Mit der Umsetzung der Radpremiumroute wird auf der Strecke Walle bis Mahndorf beziehungsweise Stadtgrenze Achim begonnen, weil dort der Streckenverlauf zuerst klar war. Dieser Abschnitt soll Mitte 2023 durchgängig befahrbar sein. Die konkrete Umsetzung für Bremen-Nord wird anschließend starten.

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Wie sieht die Planung der Streckenführung für Bremen-Nord heute aus?

Die Planungen sind weitgehend abgeschlossen. Es gibt noch punktuell Diskussionen beispielsweise rund um das frühere Haven Höövt oder den Vegesacker Bahnhofsplatz.

Vom Radweg zur Straße: Die Bürgerinitiative Alhardstraße freute sich 2020, dass sie keine Ersterschließungsgebühren zahlen muss. Grund dafür ist Ihr Plan, das Ortsgesetz zu ändern. Auf Anfrage der CDU hieß es jetzt, der Senat habe sich noch nicht mit dieser Frage befasst…

Das ist korrekt. Es gibt noch keinen Senatsbeschluss.

Wie geht es nun mit der Abschaffung der Gebühren weiter?

Mein Haus bereitet momentan eine Gesetzesvorlage vor, mit der wir die Kostenbeteiligung von Anwohnern der Straßen, die bereits seit Jahrzehnten im Gebrauch sind, unterbinden wollen. Zumal sich ein Großteil der Straßen wegen der preußischen Vergangenheit in Bremen-Nord befindet. Wir wollen die Vorlage möglichst zeitnah dem Senat zum Beschluss vorlegen. Bis dahin habe ich die weitere Erschließung gestoppt. Für die Erschließung von Neubaugebieten gilt das nicht.

Die Grünen haben ebenfalls vor Jahren in Bremen eine Verordnung eingebracht, nach der Schottergärten verboten sind. Wer durch Vegesack spaziert, entdeckt jedoch selbst an prominenten Plätzen noch Schottergärten. Wer kontrolliert illegale Steinwüsten?

Die Schottergärten, die vor der Verordnung bereits bestanden, haben Bestandsschutz. Da kann ich nur an die Bewohner der Häuser appellieren, ihre Gärten wieder zu begrünen. Ansonsten obliegt die Kontrolle dem Ordnungsamt.

Auch das Projekt „Taubenhotel“ fällt in Ihr Ressort. Vor einem Jahr haben Sie angekündigt, die Bedingungen für ein Vogelhaus zu prüfen, um die Taubenpopulation am Bahnhof zu kontrollieren. Jetzt wird in der Deputation über einen Taubenbeauftragten gesprochen, der das Verfahren beschleunigen soll. Wo liegt das Problem?

Das Hauptproblem ist der Standort für das Taubenhotel. Alles andere haben wir längst geklärt. Der Standort muss aber sehr nah am Bahnhof sein, sonst nehmen die Tauben das Angebot nicht wahr. Dabei kam unweigerlich die Deutsche Bahn ins Spiel. Die DB musste überzeugt werden, dass dies eine Win-Win-Situation ist. Ich habe mich persönlich eingebracht, Briefe geschrieben und Telefonate geführt. Jetzt sieht es so aus, als ob wir den optimalen Standort in unmittelbarer Bahnhofsnähe bekommen.

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Welche Qualifikation bringt der Taubenbeauftragte mit und welche Aufgaben wird er in Vegesack übernehmen?

Wir stellen keinen Taubenbeauftragten ein. Wir haben jemanden für Tierökologie eingestellt, der sich unter anderem auch um das Thema Tauben kümmern wird. Denn ist der Pilotversuch in Vegesack erfolgreich, werden wir weitere Taubenhotels insbesondere in der Bremer City etablieren, um das Problem auch dort in den Griff zu bekommen.

Wann rechnen Sie mit einem Start für das Pilotprojekt zur Kontrolle der Taubenpopulation?

Wie gesagt. Es fehlt noch der Haken der Bahn. Dann können wir sofort loslegen. Ich rechne damit noch in diesem Halbjahr.

Das Interview führte Patricia Brandt

Info

Zur Person

Maike Schaefer

ist promovierte Biologin und führt seit 2019 das Umweltressort. Sie wohnt in Bremen-Nord, ist verheiratet und hat ein Kind.

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