Gründermesse in Bremen

Erst das Bällebad, dann der Investor

Es muss nicht unbedingt Berlin sein, um erfolgreich ein Start-up zu gründen. Das zeigt noch bis Freitag das Moin-Start-up-Camp in der Bremer Überseestadt. Wie das animieren soll, selbst eine Firma zu gründen.
07.03.2019, 20:49
Lesedauer: 3 Min
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Erst das Bällebad, dann der Investor
Von Florian Schwiegershausen
Erst das Bällebad, dann der Investor

Die Firmengründer Jürn Münkewarf (links) und Kevin Heil nehmen beim Moin-Start-up-Camp ein Bällebad. Danach geht es zum Investorengespräch.

Florian Schwiegershausen

Start-ups in Bremen? Ja, die gibt es. Da sind beispielsweise Jürn Münkewarf und Kevin Heil. Zusammen mit vier Freunden haben sie 2015 das Start-up 7Meter17 gegründet. Sie haben einen Baukasten programmiert, mit dem man Apps für Smartphones entwickeln kann. Auch wenn sich ihre bisherigen Referenzen sehen lassen können, sind sie auf der Suche nach weiteren Kontakten.

Dazu sind sie am Donnerstag in der Überseestadt beim Moin-Start-up-Camp im BLG-Forum. Bei dem Mix aus Messe und Kongress soll es locker zugehen, damit Gründer Kontakte knüpfen können. Für den entspannten Teil hat die Bremer Eventagentur Joke, die einer der zahlreichen Firmensponsoren aus Bremen und umzu ist, ein Bällebad aufgebaut. Da tauchen Münkewarf und Heil eben schnell ein: „Das wollten wir mal ausprobieren. Gleich haben wir ein Gespräch mit einem Investor.“

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Denn auch Investoren sind hier, um mit ihrem Kapital findige Start-ups und deren kreative Geschäftsideen zu unterstützen. Außerdem erzählen mehr als 20 Firmengründer auf der großen Bühne vor mehr als 200 Zuschauern ihre Geschichte. Hinterher können Interessierte an deren Stand vorbeikommen, um weitere Fragen zu stellen. Die Bandbreite reicht von Lebensmitteln bis zur Technik.

Viele Gründer mir Angst zu scheitern

Die Vorträge sollen dazu dienen, andere zu motivieren. „Immerhin haben 42 Prozent der Gründer, Angst zu scheitern. Aber Angst gehört einfach dazu“, sagt Annemarie Heyl. Vor viereinhalb Jahren kam ihr auf einer Reise nach Südafrika in Kapstadt die Idee mit frischen Säften aus der Region. Daraufhin gründete die gebürtige Hamburgerin mit zwei Freunden das Unternehmen Kale and me, das nun über das Internet per Abo und in ausgewählten Läden die Säfte verkauft. Die Früchte kommen aus der Region, vor allem aus dem Alten Land. Auch das war ein Grund, weshalb die Firma ihren Sitz in Hamburg hat. Inzwischen hat das Unternehmen 25 Mitarbeiter.

Heyl war damit 2016 auch beim Sender Vox in der Show „Die Höhle der Löwen“. Und das ist auch ein Punkt, den sie während ihres Vortrags auf der Bühne im BLG-Forum erwähnt: „Einige Menschen haben anfangs auch Angst, in der Öffentlichkeit zu stehen.“ Entsprechend haben ihr die Knie beim TV-Auftritt geschlottert. Den Anwesenden erzählt sie, dass es niemals zu der Unternehmensgründung gekommen wäre, wenn sie auf andere gehört hätte. Aber sie hatte daran geglaubt: „Es geht nicht darum, alle Einwände von anderen zu ignorieren. Aber die Angst bei einer solchen Unternehmensgründung macht einen wachsam.“

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Auch die Kehrseite ihrer Gründung spricht die junge Frau an: „Urlaub ist eher mal so am Wochenende gewesen. Und irgendwann will ich auch mal Kinder haben.“ Ihr Freund wohnt und arbeitet aber derzeit im eigenen Familienunternehmen im Sauerland. Sie hofft darauf, dass sie später mal Eltern werden, die trotz Unternehmen genug Zeit für Kinder haben.

Mit Start-up auf dem Dorf erfolgreich

Dass sich neue Unternehmen nicht unbedingt in den Millionenstädten gründen müssen, um Erfolg zu haben, zeigt die Firma Shift von den Brüdern Carsten und Samuel Waldeck. Sie sind ihrer hessischen Heimat in der Nähe von Kassel treu geblieben. Von dort aus operieren sie mit ihren nachhaltigen Smartphones. Die bestehen aus 13 Komponenten inklusive wechselbarem Akku.

Die Handys verkaufen sie über das Internet, und wenn der Kunde es nach zwei Jahren oder später nicht mehr haben möchte, schickt er das Smartphone an Shift zurück und erhält mindestens 22 Euro dafür – abhängig vom Zustand des Geräts. Aus den alten Smartphones versuchen die Firmengründer wiederum, so viel wie möglich zu recyceln. „Die erste finanzielle Unterstützung bekamen wir per Crowdfunding“, erinnert sich Carsten Waldeck. 1000 Personen haben an sie geglaubt und ihnen Geld überwiesen. 2013 kam das erste Smartphone auf den Markt, inzwischen machen die Brüder pro Monat eine halbe Million Euro Umsatz.

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Was die Brüder an Gewinn mit ihrem Unternehmen machen, stecken sie in soziale Projekte. Natürlich legen sie auch Geld für weitere Innovationen an die Seite. Ihr nächstes Projekt ist die Vernetzung von Tablet und Smartphone. „In Zukunft soll es egal sein, ob ich auf dem Tablet oder dem Smartphone arbeite“, ergänzt Waldeck. Eines ist ihnen aber nicht egal: „Wir lieben es, außerhalb der Arbeit bei uns in der Natur unterwegs zu sein. Das brauchen wir auch.“ Daher sagt Carsten Waldeck über Bremen als Start-up-Standort: „Wenn wir das bei uns auf dem Dorf hinbekommen, sollte das doch erst recht in einer Stadt wie Bremen möglich sein.“

Presseanfragen und Einladungen zu Events wie diesem Start-up-Camp erhalten sie täglich, weshalb sie inzwischen etwas aussieben müssen. Da sie aber den Moin-Organisator André Wollin bereits kennen, habe das den Ausschlag gegeben für den Besuch in Bremen. Am Freitag geht es weiter mit dem Camp im BLG-Forum – und dem Bällebad.

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