Neugestaltung der Stadtstrecke Streit um die Platanen

Die Platanen am Neustädter Deich sollen für den Hochwasserschutz gefällt werden. Das war der große Aufreger bei der Vorstellung der Wettbewerbsbeiträge zur Gestaltung an der Stadtstrecke.
26.10.2016, 00:00
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Streit um die Platanen
Von Pascal Faltermann

Die Platanen am Neustädter Deich sollen für den Hochwasserschutz gefällt werden. Das war der große Aufreger bei der Vorstellung der Wettbewerbsbeiträge zur Gestaltung an der Stadtstrecke.

Immer wieder gab es Zwischenrufe, Wortbeiträge wurden unterbrochen, lautstark wurde gefragt, gemeckert und geschimpft. Es herrschte eine hitzige und aufgewühlte Stimmung in der Mensa der Oberschule am Leibnizplatz am Dienstagabend. Vertreter des Bremer Bauressorts und des Bremischen Deichverbandes am linken Weserufer stellten die Wettbewerbsbeiträge für die Neugestaltung des Stadtraums und der Hochwasserschutzanlagen an der Stadtstrecke vor. Der große Aufreger sind die Platanen am Neustädter Deich, die für den Hochwasserschutz gefällt werden sollen. Da gerieten die insgesamt 13 vorgestellten Entwürfe für das Ufer von der Eisenbahnbrücke bis zur Piepe am Rotes Kreuz Krankenhaus fast in den Hintergrund.

Bereits als Senatsbaudirektorin Iris Reuther eingangs das Mikrofon ergriff und erste Worte sprechen wollte, wurde sie durch Vertreter der Bürgerinitiative „Platanen am Deich" unterbrochen. Immer wieder riefen die Baumschützer in die Ausführungen und forderten den Erhalt der Platanen. Die Mitglieder der Initiative hatten vor dem Gebäude einen Stand mit Flugblättern und einem Modell aufgebaut, welches eine Variante zeigt, mit der der Hochwasserschutz möglich ist, ohne die Bäume zu fällen.

„Es ist ein wichtiges Projekt für den Hochwasserschutz und die Gestaltung des des Stadtraumes„, sagte Senatsbaudirektorin Iris Reuther. „In 36 Sitzungen haben wir eine Machbarkeitsstudie erarbeitet und darin die Anforderungen und Notwendigkeiten für die Umgestaltung der Deichanlage untersucht“, erklärte Oltmann Lampe, Verbandsvorsteher des Deichverbandes am linken Weserufer. Axel König, zuständiger Stadtplaner in der Baubehörde, erinnerte an einen Stadtspaziergang mit 100 Teilnehmern und den Bürgerdialog im Frühjahr dieses Jahres, in dem die zahlreichen Anregungen und Ideen für die Umgestaltung des Ufers in der sogenannten Neustädter Deich-Charta formuliert wurden.

Platanen müssen gefällt werden

Die Vorschläge daraus seien in die Auslobung für den Gestaltungswettbewerb eingeflossen. Es dauerte aber keine 20 Sekunden, da wurden Königs Ausführungen wieder unterbrochen. Die Platanen sind laut Thomas Knode aus dem Referat Grünordnung vom Massaria-Pilz befallen und müssen auch aufgrund der anstehenden Arbeiten gefällt werden.

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Der Bausenator und und der Bremische Deichverband am linken Weserufer hatten den Wettbewerb ausgelobt. Die öffentliche Präsentation der Arbeiten ist laut König ein Angebot an die Bürger, das Verfahren transparent zu gestalten. Aus diesem Grund seien die Entwürfe anonym eingereicht worden. Fotografieren war allen Anwesenden verboten. Moderatorin Stefanie Bremer versuchte immer wieder, Ruhe in den Raum zu bringen. Zwischendurch verdeutlichte sie: „Dialog und Beteiligung ist sehr gut, aber am Ende entscheiden die von ihnen gewählten Politiker."

Der Diplom-Ingenieur Steffen Wörsdörfer und der Landschaftsarchitekt Heiko Ruddigkeit hatten die schwere Aufgabe, dem überwiegend aufgebrachten Publikum die eingegangenen Wettbewerbsarbeiten einen Tag vor der Sitzung der darüber entscheidenden Jury neutral vorzustellen. Voraussetzung für alle Entwürfe ist, dass die Platanen entfernt werden. In den Vorschlägen sollen aber weiterhin Bäume und viel Grünbewuchs eingeplant werden. Die 13 verschiedenen Planungsideen haben gemeinsam, dass die Stadtstrecke zwischen Stephanibrücke und Wilhelm-Kaisen-Brücke in drei Bereiche aufgeteilt wird. Die meisten Entwürfe sehen einen sehr belebten Sektor am Becksufer mit Gastronomie oder Plätze für Sport und Aktivitäten vor.

Ideen sind vielfältig

Im mittleren Teil zwischen Bürgermeister-Smidt-und Wilhelm-Kaisen-Brücke mit viel Wohnbebauung soll ein eher ruhigerer Bereich entstehen. Am Sankt-Pauli-Deich darf es dann wieder lauter werden. Die Unterschiede in den Entwürfen wurden vor allem durch die Sitzelemente, das Pflaster und das Material der Schutzwand deutlich. In allen Modellen sind Baumreihen vorgesehen. Von Rasenböschungen, Holzbänken, schwimmenden Pontons im Wasser bis hin zu Sportplätzen sind die Ideen in den Modellen vielfältig.

In der Jury sitzen neben Iris Reuther und Oltmann Lampe, Staatsrätin Gabriele Friderich und auch Vertreter des Beirates Neustadt und des Bundes. Stimmberechtigt sind insgesamt neun Personen, insgesamt sitzen in der Jury 28 Mitglieder. Die Landschaftsarchitektinnen und Planerinnen Undine Giseke (Berlin), Till Rewahld (Dresden), Prof. Donata Valentien (München) und Christl Drey (Köln) sollen den Blick von außen mit in das Gremium einbringen. Gefördert wird der Wettbewerb aus Mitteln des Bundesprogramms Nationale Projekte des Städtebaus, für das sich die Freie Hansestadt Bremen im Jahr 2015 erfolgreich beworben hatte. Die Gewinner sollen am Donnerstag bekannt gegeben werden.

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