Hochwasserschutz in der Neustadt Streit um Platanen geht weiter

Der Streit um die Platanen, die am linken Weserufer für den Hochwasserschutz weichen sollen, geht in die nächste Runde. Das Bauressort hat nun einen Bericht zum Umgang mit den Bäumen vorgelegt.
14.01.2017, 00:00
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Streit um Platanen geht weiter
Von Pascal Faltermann

Der Streit um die Platanen, die am linken Weserufer für den Hochwasserschutz weichen sollen, geht in die nächste Runde. Das Bauressort hat nun einen Bericht zum Umgang mit den Bäumen vorgelegt.

Hochwasserschutz gegen Baumschutz, Behörde gegen Bürgerinitiative – es gibt sehr konträre Sichtweisen und Beweggründe im Streit um die Platanen an der sogenannten Stadtstrecke. Insgesamt sind es 136 Platanen, die zwischen der Eisenbahnbrücke und der Piepe am Weserufer der Neustadt stehen.

Für die Vertreter des Bauressorts und des Deichverbandes geht kein Weg daran vorbei, die Bäume zu fällen. Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Platanen am Deich" sind der Überzeugung, dass die Bäume erhalten werden könnten. Die Fronten sind verhärtet, eine einvernehmliche Lösung ist nicht in Sicht. Der Streit geht in die nächste Runde.

Umgang mit den Platanen auf der Stadtstrecke

Unter dem Titel „Generalplan Küstenschutz: Umgang mit den Platanen auf der Stadtstrecke“ haben die Mitarbeiter des Bauressorts nun einen neunseitigen Bericht angefertigt. Darin enthalten sind die Einschätzungen der Vertreter des Deichverbandes am linken Weserufer und der Behörde sowie die Resultate der Baumgutachten und der Machbarkeitsstudie.

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Die Botschaft dieses Papiers: Die Platanen müssen weg. Der Bericht war von der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Maike Schaefer angefordert worden, er ging an die Mitglieder der Baudeputation, die am 19. Januar tagt.

Deichverband und Behörde hätten übereinstimmend festgestellt, dass für den künftigen Schutz der Neustadt vor Sturmfluten ein vollständiger Neubau der Deichanlage zwischen Piepe und Eisenbahnbrücke erforderlich sei, heißt es in dem Papier. Außerdem verringere der Erhalt der Platanen die Hochwassersicherheit und komme schon deshalb nicht infrage.

Viele Bäume sind erkrankt

Zum Gesundheitszustand der Bäume erklärten die Gutachter, dass 55 Platanen von der sogenannten Massaria-Krankheit befallen sind. 2011 seien von den 136 Platanen auf dem Deich nur 21 (15 Prozent) erkrankt, 2015 sei es bereits jeder dritte Baum. Zudem müsse davon ausgegangen werden, dass die Verbreitung der Massaria weiter zunehme. Gemäß des Baumkatasters des Umweltbetriebs Bremen gibt es viele weitere Probleme.

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Grundsätzlich stellen dem Bericht zufolge Bäume auf Deichen ein erhebliches Gefahrenpotenzial für den Hochwasserschutz dar. Die Platanen könnten bei Sturm entwurzeln und ein Loch in die Deichanlage reißen. Ein weiterer Grund: Wegen der Deicherhöhung müsse aus Platzgründen eine Spundwand in den Boden getrieben werden, was die Baumwurzeln schädigen würde.

„Das Ressort widerspricht sich im Bericht selbst“, sagt Gunnar Christiansen von der Bürgerinitiative, dem das Papier vorliegt. Er verweist darauf, dass selbst nach einem zweiten Gutachten noch 70 Bäume erhalten werden sollten. In Zeiten des Klimawandels sei es nicht nachzuvollziehen, wie man diese stadtbildprägenden Platanen entfernen könne. „Die Bäume haben einen immens hohen stadtökologischen Nutzen“, so Christiansen.

Schwere Vorwürfe

Außerdem warf er Deichverband und Bauressort vor, der Initiative Planungsunterlagen vorzuenthalten. Er schließe daraus, dass es nicht mehr in erster Linie um den Hochwasserschutz mit Erhalt der Platanen gehe, sondern um die Stadtplanung.

Grünen-Politikerin Maike Schaefer schließt aus dem ausführlichen Bericht, dass auf die Bedenken der Initiative eingegangen worden sei und es Bemühungen gegeben habe, die Platanen zu erhalten. „In diesem Fall geht aber wohl der Hochwasserschutz vor dem Baumschutz“, sagt Schaefer, die sich über den Erhalt der Platanen gefreut hätte. „Ein Großteil der Bäume ist aufgrund der Spundwände aber nicht zu retten“, betont die Grüne. Sie begrüßt es, dass neue Bäume gepflanzt werden sollen.

Die Initiative zur Rettung der Platanen hat zusammen mit der Designerin Steffi Neumann den Spendenaufruf „133 Bäume – 133 Werke“ organisiert, um Geld für eine Rechtsberatung, für ein Volksbegehren oder gegebenenfalls für ein Gegengutachten zu sammeln.

Bislang seien gut 1000 Euro zusammengekommen, sagt Gunnar Christiansen. Am Dienstag, 7. Februar, 19 Uhr, soll es eine Veranstaltung zum Thema mit Vertretern des Bauressorts geben. Der Ort steht noch nicht fest.

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