Reaktion auf tödlichen Unfall

Tempo 30 soll nach schwerem Unfall am Brill kommen

Ab Herbst könnte der Verkehr auf der Bürgermeister-Smidt-Straße nur noch mit Tempo 30 rollen. Senator Joachim Lohse lässt dies prüfen. Anlass ist der Unfall am Brill, bei dem zwei Menschen starben.
04.07.2018, 19:20
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Tempo 30 soll nach schwerem Unfall am Brill kommen
Von Sabine Doll

Eine Woche nach dem tödlichen Unfall auf der Bürgermeister-Smidt-Straße am Brill will Bremens Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) dort Tempo 30 einführen. "Der Senator hat das Amt für Straßen und Verkehr angewiesen, dies zu prüfen", bestätigt Behördensprecher Jens Tittmann dem WESER-KURIER auf Nachfrage. Außerdem werden drei Fußgängerüberwege mit Ampeln an der Straße eingerichtet, in deren unmittelbaren Bereichen die Fahrbahnen über kurze Distanz auf eine Spur verengt werden.

Die Tempo-30-Strecke wird sich aller Voraussicht nach aber nicht nur auf den unmittelbaren Bereich um die Kreuzung und die Schlachte beschränken. "Ein Thema der rechtlichen Prüfung ist, wie weit die Geschwindigkeitsbegrenzung über die Bürgermeister-Smidt-Brücke bis in die Neustadt und auf der anderen Seite in Richtung Bahnhof ausgedehnt werden kann", sagt Tittmann. Vorstellbar wäre auf der City-Seite eine Ausdehnung bis hin zum Wall oder zum Breitenweg. In die Prüfung würden auch andere Aspekte einfließen: etwa wie viele der Unfälle am Brill durch überhöhte Geschwindigkeit ausgelöst würden und wie stark sich eine Begrenzung auf den öffentlichen Personennahverkehr auswirke. Raser würden jedoch nicht ausschließlich durch die Einrichtung von Tempo 30 gestoppt. Tempo 30 könne wenig ausrichten, wenn sich Menschen nicht an die Verkehrsregeln hielten – die Einhaltung müsse auch regelmäßig kontrolliert werden, sagt der Sprecher.

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Ob Tempo 30 kommt, hänge unter anderem davon ab, zu welcher Empfehlung die zuständige Verkehrsunfallkommission komme. Das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) bringe das Thema in das Gremium, in dem nach Angaben des Behördensprechers Vertreter von Polizei, Feuerwehr, des ASV sowie der Behörde sitzen – die nächste Sitzung sei am 31. August.

Der Professor für Stadtplanung an der Hochschule Bremen, Klaus Schäfer, begrüßt Tempo 30 auf der Bürgermeister-Smidt-Straße ausdrücklich – er geht noch einen Schritt weiter: "Man sollte die Straße von vierspurig auf zweispurig zurückbauen. Die gefährliche Situation ist seit Jahren Thema, aber es fehlt die politische Entschlusskraft dafür. Bremen ist da sehr hasenfüßig unterwegs." Bei Tempo 30 ließen sich die politischen Entscheider zu sehr von der Autofahrerlobby in der Hinsicht beeinflussen, dass eine Begrenzung automatisch zu Staus und einer verstopften Innenstadt führten. Das Gegenteil sei der Fall. "Studien haben gezeigt, dass der Verkehr geschmeidiger fließt und Staus verhindert werden. Und was für den Brill gilt, gilt auch für die Martinistraße", betont Schäfer. Tempo 30 und eine Verengung der Fahrspuren müssten auch dort eingerichtet werden – für mehr Sicherheit und um die Bereiche an diesen Straßen als urbanen Raum aufzuwerten.

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Die drei Fußgängerüberwege werden laut Behörde vom 1. bis 13. Oktober gebaut: auf der Neustadt-Seite an der Großen Johannisstraße und an der Straße Am Deich, die sich direkt an der Bürgermeister-Smidt-Brücke befindet. Auf der anderen Brückenseite ist ein Überweg in Höhe der Schlachte geplant, an allen drei Überwegen wird es getaktete Ampeln geben.

Bei dem Unfall am Donnerstag wurde eine 78-jährige Frau, die in Höhe der Haltestelle Am Brill die Straße überquerte, von einem 18-jährigen Motorradfahrer erfasst – beide starben. "Laut der Zeugen war der Fahrer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, etwa zwischen 90 und 100 Stundenkilometern", sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das ist der zweite tödliche Unfall am Brill in diesem Jahr: Im April war eine Radfahrerin beim Abbiegen von einem Lkw erfasst und überfahren worden.

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