Senat gibt Konzept in Auftrag Bremen will Trinkwasser bis 2050 sichern

Dass Trinkwasser aus der Leitung sprudelt, wenn man den Hahn aufdreht, gilt vielen als selbstverständlich. Doch Versorgungssicherheit setzt langfristige Planung voraus. Bremen legt nun ein neues Konzept auf.
11.04.2021, 21:42
Lesedauer: 3 Min
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Bremen will Trinkwasser bis 2050 sichern
Von Jürgen Theiner

Die Trinkwasserversorgung Bremens soll auf eine langfristig tragfähige Grundlage gestellt werden. Der Senat wird in dieser Woche voraussichtlich einen Planungsprozess starten, an dem der Versorger SWB beteiligt wird. Bis zum Frühjahr 2023 soll ein Konzept vorliegen, das Versorgungssicherheit bis ins Jahr 2050 garantiert. Die Begleitung der Planungen durch ein externes Fachbüro will sich die Landesregierung 45.000 Euro kosten lassen.

Auf Zufuhr aus Niedersachsen angewiesen

Anders als Bremerhaven ist die Stadtgemeinde Bremen für ihre Trinkwasserversorgung schon seit vielen Jahrzehnten überwiegend auf Zufuhr aus Niedersachsen angewiesen. Unter anderem kommt das kostbare Nass aus dem Verdener Raum, aus Syke-Ristedt und aus Wildeshausen. Nur rund 15 Prozent werden aus Blumenthaler und Vegesacker Tiefbrunnen gewonnen, und dieser Eigenanteil lässt sich nach Einschätzung von Fachleuten auch nicht nennenswert steigern. Der Trinkwasserverbrauch ging in Bremen bis zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts kontinuierlich zurück. 2014 lag er bei 30,8 Millionen Kubikmetern pro Jahr. Seither stieg er wieder leicht an, was allerdings nicht an erhöhtem Verbrauch der Haushalte liegt, sondern am Bevölkerungswachstum. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Bremen lag 2017 mit 121 Litern pro Tag knapp unterhalb des Bundesschnitts von 123 Litern.

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In das geplante Versorgungskonzept sollen - so steht es in einer Vorlage für die Senatssitzung am Dienstag - diverse Faktoren einfließen: eine Bestandsaufnahme des vorhandenen Versorgungssystems, die absehbare Entwicklung der Ressourcen in Bremen und im Umland, konkurrierende Nutzungsinteressen etwa durch die Landwirtschaft und nicht zuletzt die Entwicklung des Bedarfs. Denn allein durch das Bremer Bevölkerungswachstum (voraussichtlich rund 20.000 Einwohner bis 2030) wird sich ein Mehrbedarf von rund 850.000 Kubikmetern pro Jahr ergeben. Zusätzlich sind Reserven für die Industrieansiedlung in Höhe von 500.000 Kubikmetern per annum zu berücksichtigen.

Eine enge Abstimmung mit Niedersachsen ist unabdingbar, wird aber voraussichtlich nicht leicht. Denn in den zuletzt sehr trockenen Jahren hat sich gezeigt, dass die Wasserentnahme etwa im Bereich des Wasserwerks Panzenberg (Verden) zu Umweltschäden geführt hat. In einigen Kommunen gibt es politische Forderungen nach einer Drosselung der Fördermengen für Bremen. Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) spricht dieses Problem deutlich an: „Wir sehen die negativen Auswirkungen in den Trinkwassergebieten, und wir stehen vor den stärker werdenden Auswirkungen des Klimawandels. Das erfordert auch ein Umdenken bei allen Beteiligten - insbesondere was den sparsamen und verantwortungsbewussten Verbrauch dieses kostbaren Gutes anbelangt.“

Aufbereitetes Weserwasser keine Option

Als Versorgungsalternative ist in der Vergangenheit immer wieder die Nutzung von Weserwasser ins Gespräch gebracht worden. In anderen Gegenden Deutschlands ist die Aufbereitung von Flusswasser nicht unüblich. Entlang des Rheins etwa ist sogenanntes Uferfiltrat für viele Kommunen ein wichtiges Element ihrer Wasserversorgung. Für Bremen hatten die Grünen zuletzt 2015 angeregt, die Weser als Trinkwasserreservoir in die Planungen einzubeziehen. Doch aus Sicht des Senats ist das kein gangbarer Weg. „Eine Weserwassernutzung erfordert durch den Einsatz eines mehrstufigen Aufbereitungsverfahrens einen erheblichen Energie- und Ressourceneinsatz und führt zu unverhältnismäßig hohen Kosten bei der Wasseraufbereitung“, hieß es Ende 2019 in einem Bericht der Verwaltung an die Umweltdeputation.

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Mit der mehrstufigen Aufbereitung sind Reinigungsverfahren wie Ultrafiltration, Umkehrosmose und Behandlung mit ultraviolettem Licht gemeint. Sie lassen sich hintereinanderschalten. Doch selbst ein vielfach aufbereitetes Filtrat wäre nach Einschätzung von Fachleuten dem Grundwasser qualitativ deutlich unterlegen. Und bestimmte Mikroschadstoffe und Medikamentenrückstände, die im Flusswasser enthalten sind, ließen sich selbst mit modernsten Anlagen nicht eliminieren. Gerade für die in Bremen zahlreich vertretene Nahrungsmittelindustrie ist filtriertes Weserwasser deshalb keine Option.

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Sparen als Ressource

Der Trinkwasserverbrauch in deutschen Haushalten könnte durch zahlreiche Maßnahmen, die erst in Ansätzen verwirklicht sind, deutlich reduziert werden. Das größte Einsparpotenzial besteht bei der Toilettenspülung, die rund ein Drittel des Gesamtwasserverbrauchs im privaten Bereich ausmacht. In Bremen fördert der Senat deshalb schon seit vielen Jahren die Nutzung von Regenwasser als Brauchwasser. Eine weitere Möglichkeit, Trinkwasser in Haushalten und in öffentlichen Gebäuden einzusparen, ist die mehrmalige Nutzung des Wassers, die sogenannte Grauwassernutzung. Dabei wird das beim Händewaschen und Duschen anfallende Wasser für die Toilettenspülung verwendet.

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