Ungewisse Zukunft des Dreimasters

Verein lässt über „Schulschiff Deutschland“ abstimmen

Vegesack oder Bremerhaven: Im Streit über den Standort der „Schulschiff Deutschland“ sind die Verhandlungen mit dem Senat vorerst gescheitert. Der Verein lässt jetzt seine Mitglieder abstimmen.
09.03.2021, 19:02
Lesedauer: 2 Min
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Verein lässt über „Schulschiff Deutschland“ abstimmen
Von Jürgen Hinrichs
Verein lässt über „Schulschiff Deutschland“ abstimmen

Wohin steuert die „Schulschiff Deutschland“?

Christian Kosak

Die Fronten im Streit um die „Schulschiff Deutschland“ haben sich verhärtet. Während der Senat untersuchen will, ob der bisherige Standort in Vegesack noch eine Zukunft hat, lässt der Trägerverein des Schiffes seine Mitglieder über einen Umzug nach Bremerhaven abstimmen. Eine gemeinsame Vereinbarung zwischen Senat und Verein, die gewährleisten sollte, dass der Dreimaster mindestens noch bis zum Sommer kommenden Jahres an der Lesummündung bleibt, ist geplatzt.

Die 94 Jahre alte „Schulschiff Deutschland“ ist das letzte deutsche Vollschiff und hat den Rang eines Kulturdenkmals. Sie lag lange in Bremen an der Kleinen Weser und wurde vor 25 Jahren nach Vegesack verholt. In den vergangenen Jahren schwand der Zuspruch von zahlenden Besuchern, sodass der Verein, der für den Erhalt des Schiffes aufkommen muss, in die Miesen rutschte. In den Jahren 2018 und 2019 habe das Defizit bei jeweils 60.000 Euro gelegen, teilt der Verein mit. Für das vergangene Jahr werde mit mindestens 100.000 Euro gerechnet.

Als dann noch entschieden wurde, auf der Fläche vor dem Liegeplatz ein Hochhaus zu errichten, sah der Vereinsvorstand schwarz für den Standort. Bremerhaven bot sich daraufhin als Alternative an. In der Seestadt soll die „Schulschiff Deutschland“ im Neuen Hafen vor Anker gehen. Ein konkretes Angebot von Bremerhaven mit der Finanzierung des Liegeplatzes liegt bereits vor. Ob es so kommt, ist Angelegenheit der 270 Vereinsmitglieder. Nach Angaben des Vorstands gehen noch in dieser Woche die Schreiben mit den Stimmzetteln raus. Die Abgabefrist ende am 10. April.

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Das geplante Abkommen zwischen Senat und Verein über ein gemeinsames Vorgehen in der Angelegenheit ist aus Sicht des Vereins an den finanziellen Modalitäten gescheitert. „Wir haben nie einen Zweifel daran gelassen, dass für uns die vom Senat gewünschte Potenzialanalyse und ein Verbleiben der ,Schulschiff Deutschland‘ bis zum Hafengeburtstag in Vegesack nur in Betracht kommt, wenn wir einen Ausgleich für die in dieser Zeit entstehenden Verluste erhalten“, heißt es in einem Schreiben an Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Eine solche Zusage sei aber ausgeblieben. An die Senatskanzlei gerichtet, zieht der Vereinsvorstand einen Schlussstrich: „Damit gibt es weder eine Grundlage, noch macht es Sinn, eine solche Vereinbarung abzuschließen. Wir müssen feststellen, dass die Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt haben.“

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Martin Prange, Beauftragter des Senats für den Bremer Norden, reagiert auf die Position des Vereins mit einer „gewissen Ratlosigkeit“, wie er sich auf Anfrage ausdrückt: „Wir haben in der Vereinbarung um jedes einzelne Wort gerungen, und nichts davon ist am Ende vom Verein abgelehnt worden.“ Er verstehe nicht, warum dies keine Grundlage für weitere Gespräche sein könne, um in der Folge bei den Regelungen für den möglichen Verbleib der „Schulschiff Deutschland“ in Vegesack noch konkreter zu werden. „Klar ist, dass der Senat unmöglich jetzt schon einen Blankoscheck ausstellen kann, ohne zu wissen, was finanziell wirklich nötig ist“, so Prange. Er glaube, dass der Vereinsvorstand so oder so bereits früh eine Haltung pro Bremerhaven entwickelt habe.

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Die Seestadt hat ihr Interesse an dem Schiff in der vergangenen Woche noch einmal bekräftigt. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) traf sich dazu mit Claus Jäger, dem Chef des Schulschiff-Vereins. „Die beiden sind einer Meinung, dass es nicht zu einer Hängepartie kommen darf“, erklärt Magistratssprecher Volker Heigenmooser. Am liebsten hätte Bremerhaven die „Schulschiff Deutschland“ bereits im August zur „Lütten Sail“ im Neuen Hafen. Nach Heigenmoosers Angaben würde es acht bis zehn Wochen dauern, den Liegeplatz herzurichten.

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