Restaurantbesprechung Vielfältige Geschmackserlebnisse im Diverso

Das Diverso in Findorff sieht von außen wie von innen unscheinbar aus. Spätestens beim Studieren der Karte zeigt sich aber, was lukullisch in diesem Lokal steckt.
07.02.2019, 11:30
Lesedauer: 3 Min
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Vielfältige Geschmackserlebnisse im Diverso
Von Marcel Auermann

Es gibt Menschen, die können einem ein X für ein U vormachen, weil sie ein so gnadenloses Verkaufstalent besitzen. Es gibt Menschen, die hätten wahrlich allen Grund dazu, laut zu trommeln, weil sie etwas qualitativ Gutes an die Frau und den Mann zu bringen haben. Aber sie sind eben eher die Stillen, die gerne im Hintergrund agieren und hoffen, dass sich herumspricht, was sie können. Zu letzterer Gruppe gehört ganz sicher Alexander Silva. Sein Restaurant Diverso in Findorff sticht nicht hervor.

Im Innern erinnerte es uns eher an ein unscheinbares Café mit robusten Holztischen, einer Kreidetafel an der Wand, wenig Deko, alles reduziert auf das Nötigste. Der Service zeigte sich uns sehr freundlich, aber nicht überkandidelt oder bis ins Detail stilsicher. Es ging bodenständig, aber herzlich zu. Es gab keine steif gestärkten Stoffservietten, keine edlen Weingläser und kein feines Tafelsilber.

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Was wir aber geboten bekamen, und das begeisterte uns: sehr gute Gerichte, die der Chef höchstpersönlich fast wie im Edellokal ansehnlich auf die Teller drapierte. Und das war dann beim eher normalen Drumherum die positive Überraschung des Abends! Alexander Silva bietet eine kleine Karte. Vier Vorspeisen, fünf Hauptgerichte, vier Desserts, drei Burger- und drei Flammkuchenvariationen — mehr gibt’s nicht. Aber das eben vom Feinsten.

Und Portionen, die nur selten dermaßen das Preis-Leistungsverhältnis erfüllen. Chapeau. Meine Begleitung startete mit einem Räucherlachstatar (9,90 Euro) in den Abend, das so frisch war, dass es fast nicht hätte gewürzt werden müssen. Der Fisch lag auf einem hauchdünn geschnittenen Rote-Bete-Carpaccio, über das Silva eine Meerrettichcreme spritzte und damit dem Gericht eine schöne Würze verlieh.

Meine lauwarmen Auberginenröllchen (8,50 Euro) briet Silva scharf an und füllte sie mit einem zarten Erbsen-Minz-Pürree. Darüber zerbröckelte er Fetakäse und ließ Granatapfelkerne regnen. Das alles machte auf dem runden weißen Teller einiges fürs Auge her.

Eine fruchtige, duftende Note rundete das Ganze ab

Dass Alexander Silva Ente mit Apfelrotkohl (21 Euro) auf die Karte schreibt, erstaunt umso mehr, wenn man weiß, dass er aus Venezuela stammt. Geplättet waren wir, als das Gericht auf dem Tisch stand. Die Ente schmeckte meiner Begleitung sehr gut.

Der Koch holte sie noch leicht rosa aus dem Ofen und den Apfelrotkohl aßen wir schon in manchem Restaurant mit deutscher Küche nicht so gut. Dazu gab es ein stimmig gewürztes Steckrüben-Kartoffel-Gratin und eine ordentlich reduzierte Blutorangensalsa, die dem Fleisch Wumms verlieh. Dazu trank meine Begleitung einen würzigen Primitivo aus Italien (0,2 Liter für 5,50 Euro).

Mich reizte die Dorade (19,90 Euro). Die Entscheidung war goldrichtig. Der Fisch kam im Ganzen, noch saftig und lag auf einer ordentlichen Portion Fenchelgemüse, das im Zusammenspiel mit den gebackenen Pastinaken einen angemessen würzigen Kontrapunkt setzte. Ein gut dosierter Lauchrahm, der vermutlich mit einem Hauch Senf versehen war, unterstützte das Gericht. Richtig klasse. Dazu passte der Catarratto (0,2 Liter für 5,50 Euro) mit seiner fruchtigen, duftigen Note exzellent.

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Meine Begleitung schloss das Menü mit einem Vanille-Baileys-Panna-Cotta (5,80 Euro), das deshalb so locker und fast eingefallen auf dem Teller lag, weil es eher einem Mousse glich. Dennoch schmeckte es lecker und es kam deutlich der Baileys-Geschmack zum Tragen.

Ich entschied mich für den eher exotisch anmutenden Dattel-Karamell-Kuchen (5,80 Euro), der eine Wucht war. Er ähnelte einem gehaltvollen, aber doch luftigen Schokobrownie mit knusprig gebackenen Ecken. Der Kuchen ruhte in einer Toffeesoße mit Vanilleeis. Ja, ja, das Ganze war eine süße Sünde, die sein musste.

Cross-Over-Küche

Fazit: Das Diverso sieht von außen wie von innen unscheinbar aus. Spätestens beim Studieren der Karte zeigt sich aber, was lukullisch in diesem Lokal steckt. Hier gibt es eine interessante Cross-Over-Küche mit allerlei Einflüssen. Divers, vielfältig eben – wie die tollen Geschmackserlebnisse.


Diverso , Münchener Straße 46, 28215 Bremen, Telefon: 04 21/37 81 37 45, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag und Sonntag von 17 bis 22.30 Uhr, Freitag und Sonnabend von 17 bis 23 Uhr, teilweise barrierefrei, Internet: www.diversorestaurant.eatbu.com

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