Schwimmbäder in Bremen-Nord und Bremer Umland Wie das Bremer Umland mit der Schwimmbadkrise umgeht

Die Situation der Schwimmbäder ist in Bremen-Nord und im Bremer Umland ganz unterschiedlich. Viele sind marode und müssten dringend saniert werden, eines ist ein echter Besuchermagnet.
15.01.2020, 22:23
Lesedauer: 3 Min
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Von unseren Regionalredaktionen

Die Situation der Schwimmbäder ist in Bremen-Nord und im Bremer Umland ganz unterschiedlich. So ist etwa das Freizeitbad Vegesack seit Jahren marode. Trotz diverser Mängel zieht sich die Sanierung hin. Wann die Arbeiten beginnen, steht noch nicht fest. Ende des Jahres sollen der Öffentlichkeit erste Pläne vorgestellt werden. Wenn es nach dem Willen von Bäder-Chefin Martina Baden geht, wird es in Vegesack künftig ein Außenschwimmbecken anstatt eines Freibades geben.

Ein Außenschwimmbecken sei vorteilhafter, da es ganzjährig genutzt werden könne. Welche der Varianten umgesetzt wird, entscheidet die Politik. Unsicher ist die Zukunft des Sportbads Bremen-Nord in Grohn. Das ehemalige Bundeswehr-Bad ist in Privatbesitz, wird von einem Trägerverein betrieben und müsste ebenfalls dringend modernisiert werden. Der Verein Sportbad Bremen-Nord kann eine Sanierung jedoch finanziell nicht stemmen.

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Die Stadt Bremen bezuschusst den Betrieb des Bades jährlich mit 99 000 Euro. Diese Summe wurde aber bei gleichzeitig stetig steigenden Energiekosten seit mehr als 15 Jahren nicht erhöht. Aktuell hat die Stadt höhere Zuschüsse in Aussicht gestellt. Nach Angaben des Trägervereins hat das Sportbad rund 45 000 Besucher im Jahr. Unter anderem trainieren dort die Rettungsschwimmer und Taucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

In Osterholz-Scharmbeck lockt das von der Bäderbetriebe GmbH getragene Allwetterbad knapp 300 000 Gäste pro Jahr an. Bürgermeister Torsten Rohde und die Mitglieder des Rates erkennen das Potenzial der Freizeiteinrichtung, weshalb das Bad 2017 für gut zweieinhalb Millionen Euro saniert wurde. Allein der operative Fehlbetrag für das Allwetterbad betrug 2018 gut 1,5 Millionen Euro. Durch den steuerlichen Querverbund lag das Jahresergebnis unterm Strich bei 146 000 Euro. Das Defizit wird per Ratsbeschluss von der Stadt getragen.

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Bundesweit seien etwa 3000 Stellen in Bädern unbesetzt, sagt Rohde als Geschäftsführer der Bäderbetriebe GmbH. Deshalb setze die Stadt auf Eigeninitiative, um an Fachkräfte zu kommen. Unter anderem werden derzeit drei junge Menschen zu Fachangestellten für Bäderbetriebe in der Kreisstadt ausgebildet. „Fachkräfte sind auch nötig, um Badegästen attraktive Sonderveranstaltungen wie zum Beispiel Saunanächte zu bieten“, sagt Rohde.

Die Gemeinde Ritterhude hat ihr Hallenbad 2015 teilweise geschlossen. Teilweise heißt: Schulen und Vereine, die das Bad zu 90 Prozent der Zeit nutzen, können weiterhin Zeiten im Bad mieten. Der öffentliche Betrieb wurde jedoch eingestellt – auch, weil kein Ersatz für die langjährige Schwimmmeistergehilfin gefunden wurde. Ralph Härtel, bei der Gemeinde Ritterhude zuständig für das Hallenbad, sagt: „Obwohl das Bad natürlich nicht kostendeckend betrieben werden kann, gibt es keine Bestrebungen, das Bad zu schließen.“ Das Bad sei „ein gutes Stück Ritterhuder Geschichte“. Die Kosten der Anlage werden von den Wirtschaftsbetrieben getragen.

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Das Freibad in Syke sollte schon vor mehr als zehn Jahren geschlossen werden. Dass es bis heute geöffnet ist, ist engagierten Bürgern zu verdanken. Nicht gefährdet ist derzeit das Hallenbad der Samtgemeinde Hambergen. Der jährliche Höchstzuschuss wurde auf 215 000 Euro festgelegt und reicht bisher aus. Für den Betrieb sind zwei Fachkräfte angestellt. Laut Verwaltung ist es aber nicht einfach, Aushilfskräfte zu finden. Das Bad, das stabile Besucherzahlen hat und auch von Vereinen, Schulen und DLRG genutzt wird, wird regelmäßig in Schuss gehalten. Eine größere Sanierung steht in den nächsten Jahren an.

Eine umfangreiche Sanierung ist auch für das Hallenbad in Worpswede geplant, frühestens jedoch 2021. Die Kosten betragen mindestens 1,2 Millionen Euro. Die Gemeinde hofft auf eine 90-prozentige Förderung, worüber nun im Haushalt beraten wird. Möglich ist aber auch, dass dabei herauskommt, dass ein Abriss und Neubau wirtschaftlicher wären. Fakt ist: Ein Bad soll es in Worpswede auf jeden Fall geben. Die DLRG plant zudem, dort einen Stützpunkt zu errichten.

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Die Samtgemeinde Tarmstedt im Landkreis Rotenburg unterhält drei Freibäder, in Hepstedt, Kirchtimke und Wilstedt. Um das Kirchtimker Bad und die Aufsicht kümmerte sich jahrzehntelang eine Familie aus dem Ort. Als sie sich zurückzog, gingen Gerüchte um, die Samtgemeinde könnte das Bad schließen. Das hatten Gutachter angesichts der hohen Sanierungskosten empfohlen. Es gründete sich ein Förderverein, der den Betrieb aufrechterhalten will. In diesem Kirchtimker Bad brummte es im vergangenen Sommer, während die Freibäder in Hepstedt und Wilstedt wegen Personalengpässen zeitweilig sogar schließen mussten.

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