Ist die Produktion in Bremen gefährdet?

Borgward-Eigner braucht frisches Geld

Borgward-Fans dürfen sich nicht zu früh über die Rückkehr des Autobauers nach Bremen freuen. Denn der Kauf des Grundstücks, wo das Werk entstehen soll, verzögert sich. Das hat verschiedene Gründe.
06.12.2017, 18:45
Lesedauer: 3 Min
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Borgward-Eigner braucht frisches Geld
Von Florian Schwiegershausen

Ob wie geplant ab Anfang 2019 in Bremen wieder Borgward-Modelle vom Band laufen werden, ist derzeit fraglich. Denn der Besitzer, der chinesische Lkw-Hersteller Foton, ist auf der Suche nach weiteren Investoren. Die chinesische Tageszeitung „China Daily“ berichtet sogar, dass Foton seine Autotochter mit dem Bremer Markennamen komplett verkaufen will. Als Grund geben Analysten an, dass sich der Lkw-Hersteller mit dem Borgward-Engagement finanziell übernommen hätte. Das Unternehmen habe sich mehr erhofft. Demnach ist Fotons Bilanzgewinn in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf umgerechnet knapp 18 Millionen Euro gesunken.

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Eigentlich sollte Borgward jetzt zum Jahresende den Kaufvertrag für das 140.000 Quadratmeter große Gelände beim Güterverkehrszentrum (GVZ) unterschreiben. So war es in der Absichtserklärung vorgesehen, die im April in Bremen unterzeichnet wurde. Dieser Termin ist aber bereits verschoben. Im GVZ will der Autobauer eine Halle errichten, in der die Autoteile aus China zum fertigen Pkw montiert werden. Zusätzlich hatte das Unternehmen dort eine Teststrecke sowie ein Brand Studio geplant, in dem es auch um die Geschichte Borgwards gehen soll.

Borgward-Sprecher macht keine Angaben zu Foton

Borgward-Sprecher Marco Dalan bestätigte dem WESER-KURIER, dass Foton Gespräche mit weiteren Investoren führe. So hatte es das Unternehmen auch in einer Ad-Hoc-Mitteilung veröffentlicht. Ob es dabei um einen kompletten Verkauf gehe, wollte der Sprecher nicht kommentieren: „Zu allem, was Foton anbetrifft, geben wir keine Auskunft.“ Auf die Frage, warum es zu Verzögerungen in Bremen komme, sagte er: „Die Genehmigungsprozesse in China für Auslandsinvestitionen ziehen das alles in die Länge.“ Momentan halte Borgward aber am Produktionsstart für die Autos in Bremen für Anfang 2019 fest.

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In der Tat hat der chinesische Staat vor einem Jahr die Kontrollen für Investitionen verschärft, die Unternehmen außerhalb des Landes tätigen wollen. Damit soll die Kauflust auf ausländische Unternehmen unterbunden werden. Bei Summen von fünf Millionen US-Dollar und mehr bedarf es einer besonderen Genehmigung. Als möglichen Interessenten, auch für einen kompletten Verkauf, nennt „China Daily“ den Finanzinvestor Baoneng. Dahinter verbirgt sich der Multimilliardär Yao Zhenhua. Er soll zu den reichsten Männern Chinas gehören. Baoneng gehört bereits ein Unternehmen, dass Autoteile und Motoren herstellt – auch Motoren mit Elektroantrieb.

WFB geht lediglich von zeitlicher Verzögerung aus

Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) geht derzeit ebenso davon aus, dass es lediglich um eine zeitliche Verzögerung gehe, was die Unterzeichnung des Kaufvertrags für das Grundstück angeht. „Die Vorbereitung des Geländes findet weiterhin planmäßig statt. Auch alle anderen Voraussetzungen werden sukzessive erfüllt“, sagte WFB-Sprecherin Juliane Scholz. Die WFB hat sich verpflichtet, das Grundstück baufertig mit Sand aufzuschütten. Scholz ergänzte: „Das würden wir aber auch bei jeder anderen Gewerbefläche machen, die wir an einen Investor verkaufen.“

Sollte es doch nicht zum Verkauf an Borgward kommen, wovon die WFB momentan nicht ausgeht, gebe es für so ein Grundstück beim GVZ genug andere Interessenten. Sobald Borgward von seinem Besitzer das Okay hat, komme es zur Vertragsunterzeichnung. Die Bremer Borgward-Fans müssten also nicht sorgen, sondern sich nur etwas länger gedulden.

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Gleichzeitig wird die BLG ab Januar die ersten Borgward-Autos aus China nach Deutschland importieren. Der Borgward BX 7 als Benziner-Modell, ein SUV, wird vom Werk in Peking über den Hafen von Tianjin nach Bremerhaven gebracht. Der Vertrag dazu wurde bereits im November unterschrieben. Über weitere Serviceleistungen, die die BLG zusätzlich erbringen könnte, gibt es noch keine Vereinbarungen. Derzeit laufen auch die Verhandlungen mit der Leasing-Tochter des Autovermieters Sixt. Das Unternehmen soll für Borgward den Vertrieb für die Neuwagen in Deutschland übernehmen. So hatten es beide Seiten im September auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt verkündet. Ein Termin für den Verkaufsstart steht bislang aber noch nicht fest.

Im geplanten Bremer Werk sollen eigentlich ab 2019 elektrisch angetriebene Fahrzeuge sowie Plug-in-Hybrid-Modelle gefertigt werden. Geplant sind bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Jahr. In Stuttgart, wo Borgward seinen Deutschland-Sitz hat, soll außerdem ein Marken-Center entstehen.

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