Einkaufen im Internet Wie zwei Bremer Onlineshops ihren Kunden nah sind

Der Onlinehandel ist hart umkämpft. Wer gewinnen will, muss auffallen. Zwei Bremer Onlineshops verraten, wie sie mit Nähe zum Kunden erfolgreich sind.
02.01.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie zwei Bremer Onlineshops ihren Kunden nah sind
Von Stefan Lakeband

Wenn Arasch Jalali über seinen Onlineshop spricht, nennt er die Idee dahinter selbst „verrückt“. „Wir verkaufen Dinge, die wir noch nie gesehen haben an Kunden, die wir noch nie gesehen haben“, sagt er. Doch genau mit diesem Geschäftsmodell ist profishop.de aus Bremen nun schon seit etlichen Jahren erfolgreich. Mittlerweile ist das Unternehmen in acht europäischen Ländern vertreten, Kunden können rund 1,5 Millionen Produkte über Profishop kaufen.

Die Idee dazu kam dem Wirtschaftsingenieur, als er nach dem Studium bei einem Mittelständler in Bayern arbeitete. Er sollte Prozesse optimieren und stellte fest: Die Beschaffung ist teils mühsam. „Wenn etwa eine Leiter gebraucht wurde, mussten drei Angebote von Anbietern eingeholt werden“, sagt Jalali. Dass es bei vielen Unternehmen in Deutschland so ähnlich laufe, davon war er überzeugt. Also gründete er Profishop, wo Unternehmen alles bekommen sollen – vom Wagenheber über den Drucker bis hin zum Versandkarton.

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Hätte er all das selbst verschickt, was er verkaufen wollte, hätte er ein riesiges Lager und viel Kapital gebraucht – beides hatte der Gründer damals nicht. Also überlegte er sich: Er gründet Profishop als eine Art Vermittler. Geht dort die Bestellung ein, wird sie direkt an den Hersteller weitergeleitet. Der verschickt die Ware im Auftrag von Profishop. „Natürlich gibt es Shops, die verkaufen Leitern oder welche, die Eimer verkaufen. Wir wollen aber alles bieten, was Unternehmen brauchen“, sagt Jalali. Das sei das Alleinstellungsmerkmal von Profishop.

So etwas zu haben, sei wichtig, sagt Nico Klostermann. Er ist Experte für E-Commerce und berät bei der Digitalagentur Diginea Onlinehändler, wie sie ihren Erfolg steigern können. „Wer einen Onlineshop gründen will, muss sich selbst eine Frage beantworten: Warum sollte man ausgerechnet bei mir kaufen?“ Man müsse dem Kunden einen echten Mehrwert bieten. Denn anders als in der Fußgängerzone biete das Einkaufen im Internet Preistransparenz. „Der nächste Anbieter ist nur einen Klick entfernt“, sagt Klostermann. Preise seien leicht zu vergleichen.

Kunden, die bereit sind, etwas zu kaufen

Das sei längst nicht das einzige Problem, vor dem Unternehmen stünden, die mit einem Onlineshop erfolgreich sein wollen. „Am Anfang muss ich dafür sorgen, dass Käufer zu mir kommen. Da ist jeder Kunde Neuakquise.“ Und die sei bekanntlich schwer. Viele Unternehmen, so Klostermann, würden daher zuerst existierende Marktplätze nutzen. Das können etwa Amazon oder Ebay sein, aber auch Zalando, Otto oder Real. Hierüber können Händler ihr Produkt verkaufen, müssen aber eine Gebühr an die Plattformbetreiber zahlen und sich an ihre Regeln halten. Dennoch haben sie laut Klostermann einen großen Vorteil: Dort sind bereits Kunden, die bereit sind, etwas zu kaufen.

Auch Eva Marie Ott hätte sich einem Marktplatz anschließen und über diesen Kleidung verkaufen können. Die Inhaberin mehrerer Bekleidungsgeschäfte in Bremen hat aber einen anderen Weg gewählt – und ihren eigenen Onlineshop eröffnet. Dort will sie ihr stationäres Geschäft ins Internet bringen. Auf jackieandkate.de verkauft sie seit mehr als einem Jahr Hosen, Blusen, Schuhe und Schmuck online. Mit wachsendem Erfolg, wie sie sagt. Das habe sie vor allem im Lockdown im Frühjahr gespürt. Früher seien es zwei bis drei Bestellungen pro Tag gewesen, die über den Onlineshop eingingen – heute komme sie schon auf 15 bis 20. Und während im Lockdown 95 Prozent der Aufträge aus Bremen oder dem Umland gekommen seien, gehe jetzt rund ein Viertel in alle Teile Deutschlands.

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Ihre Präsenz im Internet soll aber nicht nur einfach eine weitere Einkaufsmöglichkeit sein. Sie will dort auch das bieten, was der große Vorteil des stationären Handels sei – und sie bei den großen Onlineshops vermisst: Nähe zum Kunden.

Dafür hat sie sich etwas überlegt, das in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, in Asien aber längst verbreitet ist: Live-Shopping. Ott nutzt dafür die Plattform Instagram. Regelmäßig starten sie und ihre Mitarbeiterinnen dort einen Livestream, bei dem die neusten Produkte aus dem Geschäft präsentiert werden, Kundinnen aber auch Fragen stellen können: Wie fällt die Hose aus? Welche Mütze passt zu dieser Jacke? Wie kann man diese Teile koordinieren? Teils mehr als 1000 Aufrufe haben diese Videos. „Vielen Onlineshops fehlt der Charakter“, sagt Ott. Bei ihr soll es anders sein.

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E-Commerce-Experte Klostermann nennt das eine gute Idee. „Livestream-Shopping ist ein extrem großer Trend“, sagt er und für Boutiquen wie die von Ott eine Möglichkeit, Besonderes zu bieten. In China gebe es bereits Superstars mit Millionenpublikum, die mit ihren Sendungen hohe Umsätze generierten. Davon ist Ott zwar noch weit entfernt. Klostermann sieht aber weitere Ansätze in ihrem Shop, die ihn aus der Masse herausstechen lasse. So habe der Shop eine eigene Bildsprache, weil die Fotos selbst gemacht würden. Potenzielle Kundinnen könnten sich eher mit den Models identifizieren und bekämen ein besseres Bild davon, wie man Kleidungsstücke kombinieren könne.

Auch Jalali setzt mit Profishop auf neue Technologien, um sich online von anderen abzusetzen. Erst kürzlich haben er und sein Team angefangen, dreidimensionale Abbildungen von Produkten in den Shop zu stellen, damit Besucher sie von allen Seiten betrachten können. Für Jalali ist das ein logischer Schritt. „Warum gehe ich heute noch in Geschäfte?“, fragt er. „Weil ich die Dinge sehen, anfassen und riechen will.“ Daran, so der Firmengründer, müsse man sich orientieren, um online erfolgreich zu werden und zu sein.

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Der Wettbewerb zwischen dem Online- und dem stationären Handel hat sich in den ­vergangenen Jahren verschärft. Dabei ­bieten sowohl der Einkauf vor Ort als auch das ­Bestellen im Internet jeweils eine Reihe von Vorteilen. Der WESER KURIER zeigt in seiner Reihe „Handel im Wandel“, wie sich die beiden Bereiche in Bremen, Niedersachsen, aber auch global entwickelt haben, welche Ursachen es für diese Entwicklungen gibt und was in Zukunft zu erwarten ist.

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