Made in Bremen Hanseatische Süßigkeit mit Tradition: Der Babbeler

Seit fast 100 Jahren stellt die Zuckerwaren-Manufaktur Friedrich Germann den Bremer Babbeler her. Das Unternehmen ist seit vier Generationen in Familienhand.
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Hanseatische Süßigkeit mit Tradition: Der Babbeler
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Gut 50 Kilogramm kochend heiße Bonbonmasse hat Marco Uhlisch auf einem Kühltisch verteilt. Sobald die klebrige Substanz die richtige Temperatur erreicht hat, schneidet seine Frau Claudia kleine Portionen ab und gibt sie in eine Maschine. Nur wenige Sekunden später ist der Babbeler Bonbon in Form gebracht.

Gegründet wurde das Unternehmen 1920 von Friedrich Germann, dem Urgroßvater von Marco Uhlisch. Damals hatte die Firma ihren Sitz noch im Steffensweg in Walle. Doch im Krieg wurde die Fabrik zerstört. Kurzzeitig kam die Familie deshalb in Ritterhude unter, bevor es sie wieder in die Bremer Neustadt verschlagen hat.

In der Kantstraße bezogen sie ein Haus und richteten im Keller die Fabrik ein. Doch die Gegend war ein reines Wohngebiet. Entsprechend groß war der Unmut der Nachbarn über die Produktion, insbesondere wenn etwa zu Freimarktszeiten bis tief in die Nacht gearbeitet wurde. Deshalb bekam die Firma 1971 von der Stadt ein Grundstück in der Kornstraße zugewiesen, auf dem bis heute produziert wird.

Maschinen sind über 70 Jahre alt

Neben den Babbelern stellen die Uhlischs und ihre zwei Mitarbeiter rund zehn Bonschensorten und fünf Lutschstangen her. „Früher haben wir auch gebogene Zuckerstöcke gefertigt, die alle von Hand eingewickelt werden mussten. Aus wirtschaftlichen Gründen haben wir dieses Produkt aber aus unserem Programm genommen“, sagt der 45-Jährige.

Ebenfalls nicht mehr zum Sortiment gehören Produkte aus Schokolade, jedoch nicht aus wirtschaftlichen Gründen. „Meine Schwiegermutter hat etwa die Schoko-Osterhasen noch von Hand verziert. Irgendwann fehlte schlichtweg die Zeit für diese aufwendige Arbeit. Deshalb haben wir uns davon getrennt“, sagt Claudia Uhlisch.

Lesen Sie auch

Die Maschinen in der kleinen Produktionshalle in Huckelriede sind mittlerweile mehr als 70 Jahre alt. Ersatzteile sind deshalb heute nicht mehr zu bekommen. Nur mit viel Mühe haben Marco und Claudia Uhlisch einen Maschinenbauer gefunden, der kaputte Teile ausbaut und sie anschließend neu anfertigt. „Das schöne ist aber, dass die alten Maschinen sehr robust sind und kaum kaputt gehen“, sagt der Bremer.

Betrieb von Ostern bis Weihnachten

Für die Einwickelmaschine, die den Babbeler automatisch verpackt, sind die Uhlischs ebenfalls auf einen speziellen Lieferanten angewiesen. „Die Maschine stammt aus den 1960er Jahren und kann ausschließlich eine spezielle Folie verarbeiten, die es mittlerweile nur noch in den Niederlande gibt“, sagt Marco Uhlisch. Die Maschine gehört erst seit den 1970er Jahren zum Inventar der Firma. Zuvor wurden die Zuckerstangen von Hand eingewickelt. Auf diese Weise verpackt das Ehepaar die Bonschen noch heute.

Täglich laufen die alten Geräte allerdings nicht. „Wir produzieren von Montag bis Mittwoch. An den übrigen Tagen kümmern wir uns etwa um den Vertrieb“, sagt Marco Uhlisch. Wenn der Freimarkt oder der Weihnachtsmarkt vor der Tür steht, häufen sich die Aufträge. Entsprechend wird die Produktion zu diesen Zeiten ausgedehnt. Zwischen Weihnachten und Ostern ruht die Produktion gänzlich, da die Firma hauptsächlich Süßwaren für Jahrmärkte herstellt, die im Winter pausieren. Die Zeit nach dem Weihnachtsmarkt und vor der Osterwiese nutzt das Ehepaar, um etwa die Maschinen zu reinigen oder Urlaub zu machen.

Lesen Sie auch

Die Bonschen aus der Kornstraße sind auf Jahrmärkten in ganz Norddeutschland zu bekommen. „Die Schausteller vom Bremer Freimarkt und der Osterwiese kaufen die Bonbons direkt bei uns. Die Märkte in anderen Städten werden über Großhändler mit unseren Süßwaren beliefert“, sagt Claudia Uhlisch. Der traditionelle Bremer Babbeler hingegen wird vornehmlich in Apotheken verkauft. Seit einiger Zeit wird die Lutschstange aber auch in Teehäusern und Kaffeeläden vertrieben.

Das Sortiment und die Rezepturen haben sich in den vergangenen fast 100 Jahren kaum verändert. Eine Ausnahme bilden die Zuckerstangen, die seit dem vergangenen Jahr mit natürlichen Farben anstatt mit sogenannten Azofarbstoffen hergestellt werden, die ein krebserregendes Potenzial haben sollen. Bei den Verbrauchern kam die Änderung allerdings nicht gut an. „Wir haben mehrere Anrufe gehabt, weil die Zuckerstangen nun nicht mehr so knallig leuchten. Das ist eben ein zweischneidiges Schwert“, sagt Marco Uhlisch.

Rezepturen sind ein Geheimnis

Die genauen Rezepturen sind ein gut gehütetes Familiengeheimnis. Nur soviel sei verraten, in die Masse für den Babbeler kommt ein Pfefferminzöl, das eigens für die Bremer Süßigkeit angefertigt wird. „Früher wurde das Öl in Bremen hergestellt, doch der Produzent liefert inzwischen nur noch große Mengen, die wir nicht verarbeiten können. Deshalb bestellen wir nun in Spanien. Wir sind jetzt aber auch wieder mit einem Unternehmen in Bremen im Gespräch“, sagt Claudia Uhlisch.

Gelernter Bonbonmacher ist Marco Uhlisch nicht. „Wenn ich nach dem Kindergarten oder nach der Schule in den Betrieb kam, habe ich schon Hand angelegt. Deshalb kenne ich die Abläufe hier haargenau“, sagt Uhlisch. Übernehmen sollte den elterlichen Betrieb dennoch sein Bruder. Also machte er eine Ausbildung als KfZ-Mechaniker. Doch sein Bruder entschied sich anders. Eigentlich wollte Uhlisch seine Mutter deshalb nur für ein paar Monate unterstützen. Dann blieb er doch und hat die Produktion schließlich übernommen. Seit 2002 führt er den Betrieb in vierter Generation.

Lesen Sie auch

Seine Frau Claudia ist gelernte Friseurmeisterin und kam vor 15 Jahren in die Firma. „Ich bin aus einer Notlage heraus angefangen. Zu dem Zeitpunkt hatte mein Mann zwei Mitarbeiter, einer war im Rentenalter und der andere ist schwer krank geworden. Damit mein Mann nicht alleine war, bin ich eingesprungen“, sagt Uhlisch. Zunächst verbrachte sie ihre freien Tage in der Süßigkeitenfabrik und arbeitete parallel als Friseurin weiter. Irgendwann merkte sie, dass ihr die Arbeit in der Produktion mehr Spaß machte, als im Salon und wechselte schließlich den Beruf.

50 Kilogramm Babbeler Bonbons sind fast fertig. Sie müssen nur noch einige Minuten in die Dragiermaschine, in der sie mit Puderzucker bestäubt werden. Damit der Puderzucker auch hält, werden die Bonschen zuvor mit Zuckerwasser beträufelt. „Die Maschine läuft jetzt so lange, bis es staubt. Das ist für mich das Signal, dass die Bonbons fertig sind“, sagt Marco Uhlisch. Bevor er die Ware verpackt, legt er sie zum Trocknen für eine Nacht auf einen Tisch. Anschließend kocht er die nächste Rohmasse, um weitere 50 Kilogramm Babbeler Bonschen zu produzieren.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+