Bremerhaven Lloyd-Werft wieder im Kreuzfahrtgeschäft

Lange sah es düster aus für die Bremerhavener Tochter der Genting-Gruppe aus Malaysia. Jetzt soll das Unternehmen neue Auträge aus dem Konzern erhalten.
15.06.2018, 12:54
Lesedauer: 3 Min
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Lloyd-Werft wieder im Kreuzfahrtgeschäft
Von Peter Hanuschke

Einiges hatte bereits darauf hingedeutet, dass sich die Lloyd-Werft in Bremerhaven Hoffnungen machen konnte auf die Ausrüstung ganz großer Kreuzfahrtschiff-Neubauten. Nun soll es tatsächlich so kommen, wie die Werft-Geschäftsführer Carsten Haake und Rüdiger Pallentin der "Nordsee-Zeitung" bestätigten. Demnach werden die ostdeutschen MV Werften ihre größten Neubauten bei der Lloyd-Werft in Betrieb nehmen und ausrüsten.

Die MV Werften und die Lloyd-Werft gehören beide zur malaysischen Genting Group. Diese hatte die Werften übernommen, um Kreuzfahrtschiffe für die eigene Unternehmenstochter Crystal Cruises zu bauen. Lloyd und MV sind aber jeweils eine eigenständige GmbH.

Ende 2020 könnte der erste von zwei riesigen Kreuzlinern der sogenannten Global-Klasse nach Bremerhaven kommen, das Schwesterschiff dann ein Jahr später. Es sollen die größten jemals in Deutschland gebauten Kreuzfahrtschiffe werden.

In den vergangenen Monaten ging es auf der Lloyd-Werft Auf und Ab: Es gab Kurzarbeit in Bremerhaven und es wurden Leute entlassen. Von zuvor 400 Mitarbeitern sind noch 280 Mitarbeiter im Unternehmen verblieben – aber für die gibt es genügend Arbeit: So wird an der Großjacht „Solaris“ gebaut und das Forschungsschiff „Polarstern“ überholt. Damit ist die Lloyd-Werft bis 2020 ausgelastet.

Seit der Übernahme durch Genting ein Auf und Ab

So könnte die Übernahme der Lloyd-Werft durch Genting doch noch in ein Happy End münden. Seit der Investor 2015 die Lloyd-Werft übernahm, hat das Unternehmen die gesamte Palette möglicher Gefühlslagen erlebt: Zunächst Jubel, weil Genting plant, die Kreuzfahrtschiffe in Bremerhaven bauen zu lassen. Deshalb wird auch ein Design-Zentrum bei der Lloyd-Werft eröffnet. Dann die Verwirrung: Genting übernimmt in Mecklenburg-Vorpommern auch die drei Nordic-Yards-Werften, die dann in MV-Werften umbenannt werden.

Der Verwirrung folgt die Ernüchterung: Genting gibt bekannt, dass die Hochsee-Kreuzfahrtschiffe sowie Fluss-Kreuzfahrtschiffe nur auf den MV-Werften gebaut werden sollen. Die Lloyd-Werft ist der große Verlierer bei diesem Hin und Her. Ein Gefühl der Angst macht sich breit: Woher soll die Arbeit kommen? Für etwas Hoffnung sorgt der Bauauftrag der Megajacht. Doch zunächst einmal ist die Werft von Kurzarbeit und Entlassungen betroffen.

Dass die Lloyd-Werft nun doch wieder interessant für Genting geworden ist, hat offenbar mit einer Entscheidung des Senats zu tun, die er Ende 2015 getroffen hatte: Die Erneuerung der mehr als 100 Jahre alten Westkaje im Bremerhavener Kaiserhafen. Begründung für den 30-Millionen-Euro-Neubau der 440 Meter langen Kaje, die insbesondere von der Lloyd-Werft genutzt wird: Sowohl die derzeitigen als auch die künftigen Verwendungen sind laut Senat nicht mehr in vollem Umfang gewährleistet.

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Zwar sollte die neue Kaje dazu beitragen, dass dort insgesamt "neue wertschöpfungs- und beschäftigungsintensive Funktionen erschlossen werden". Aber eine Entscheidung für diese Infrastrukturmaßnahme zu treffen, hatte so noch mehr Charme, weil alles danach aussah, dass die Lloyd-Werft ja nun das neue Kreuzfahrtneubau-Zentrum der Genting Group werden sollte.

Kaje rechtzeitig fertig

Ungeachtet der Frage, ob die Entscheidung zum Bau der Kaje allein schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen für eine "allgemeine" Nutzung getroffen wurde – vor allem die Lloyd-Werft kann davon noch profitieren. Denn die Kaje, für die die Hafengesellschaft Bremenports verantwortlich ist, wird wohl im nächsten Frühjahr fertiggestellt sein. Also rechtzeitig für die großen Kreuzfahrtschiffe, die bei den MV-Werften gebaut werden. Dort herrscht nämlich offenbar Platzmangel. In der Diskussion ist, dass die MV Werften von der Stadt Rostock vorübergehend das 2016 verkaufte Werftbecken wieder zurückbekommen. Dort wollte die Stadt eigentlich ein neues Kreuzfahrtterminal bauen.

Genting hat sich nun offenbar dazu entschieden, einen anderen Weg zu gehen, und zwar wieder mit der Lloyd-Werft – wenn das Unternehmen nicht erneut eine Kehrtwendung macht. Ob durch das Ausrüsten der Kreuzfahrtschiffe mehr Mitarbeiter auf der Lloyd-Werft eingestellt werden müssen, dazu wollte die Geschäftsleitung auf Nachfrage keine Stellung beziehen. Kommt es tatsächlich zu diesen Aufträgen, wäre aber eins klar: Profitieren würde auf jeden Fall die Region. Denn bei einem Kreuzfahrtschiffbau inklusive Ausrüsten werden in der Regel etwa 70 Prozent des Auftragsvolumens an Zulieferer vergeben.

++ Aktualisiert und erweitert um 19.20 Uhr. ++

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