Genting-Gruppe Lloyd-Werft-Mutter warnt vor Millionenverlust

Weil das Geschäft mit Kreuzfahrten nicht gut läuft, gibt die malaysische Genting-Gruppe eine Gewinnwarnung raus. Bei der Lloyd-Werft in Bremerhaven kehrt derweil etwas Ruhe ein.
02.08.2017, 17:43
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Lloyd-Werft-Mutter warnt vor Millionenverlust
Von Stefan Lakeband

Der Besitzer der Bremerhavener Lloyd-Werft, die malaysische Genting-Gruppe, warnt seine Anleger vor hohen Verlusten. Das geht aus einer sogenannten Gewinnwarnung hervor, die das börsennotierte Unternehmen nun herausgegeben hat. Demnach rechnet der Konzern für das erste Halbjahr 2017 mit Verlusten zwischen 169 und 186 Millionen Euro.

Als Grund nennt Genting die stärker gewordene Konkurrenz bei luxuriösen Kreuzfahrten. Die Kapazitäten für diesen Markt seien um 13,7 Prozent gestiegen, heißt es in der Mitteilung an die Hongkonger Börse. Die Kreuzfahrttochter Crystal Cruises habe daher Verlust eingefahren. Außerdem sei mehr Geld in das Marketing geflossen, was zu den Problemen geführt habe.

Gründe für den Verlust

Daneben wird auch die Übernahme der MV-Werften in Mecklenburg-Vorpommern als Grund für den Verlust genannt. Die Werften in Wismar, Rostock und Stralsund bauen derzeit neue Flusskreuzfahrtschiffe für Crystal Cruises. Das erste von vier auf der Wismarer Werft gebauten Schiffen, die „Crystal Bach“, soll an diesem Donnerstag an die Reederei übergeben werden. Die Bauzeit betrug rund ein Jahr. Das Schiff ist laut Werft 135 Meter lang, elf Meter breit und wurde speziell für den europäischen Flusskreuzfahrtmarkt konzipiert. In den insgesamt 55 Balkonsuiten sollen 100 Fahrgäste Platz finden.

Experten gehen davon aus, dass sich die Verluste des Unternehmens auch noch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen werden. „Die meisten von Gentings Schiffsneubauplänen befinden sich noch im Entwurfsstadium und werden sich nicht in Einnahmen umsetzen lassen“, heißt es etwa von der Hongkonger Investmentbank UOB Kay Hian. Auch das operative Geschäft von Crystal Cruises und die neu gekauften Werften führen wahrscheinlich noch keinen Gewinn ein.

Bremerhaven ging leer aus

Genting zeigt sich hingegen hoffnungsvoll. „Die Gruppe bleibt hinsichtlich des Kerngeschäfts im asiatischen Markt für die zweite Jahreshälfte positiv“, heißt es in einer Mitteilung. Neben den MV-Werften gehört auch die Bremerhavener Lloyd-Werft zur Genting-Gruppe. Genting übernahm das Unternehmen zum Jahreswechsel 2015/2016 komplett, um in Bremerhaven mehrere Kreuzfahrtschiffe zu bauen. Doch überraschend ging der Standort dann leer aus: Der malaysische Konzern vergab die milliardenschweren Aufträge stattdessen an seine Tochter in Mecklenburg-Vorpommern. Nur wenige Monate nach der Lloyd-Werft hatte die Gruppe die ehemaligen Nordic-Werften gekauft.

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In der Folgezeit sah es lange so aus, als könnte sich die Lloyd-Werft nicht von diesem Schlag erholen. Im Februar verkündete das Unternehmen, dass 117 der etwa 400 Jobs wegfallen. „Aktuell befinden sich die Mitarbeiter noch in Kurzarbeit“, sagt Nils Bothen, Betriebsratsvorsitzender der Lloyd-Werft. Ab September soll sich das aber ändern. Dann soll die „Crystal Symphony“ in Bremerhaven umgebaut werden. „Wir werten es als gutes Zeichen, dass Genting das Schiff auf seiner eigenen Werft umbaut“, sagt Bothen.

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