Einstelliger Millionenbetrag

Lürssen soll Gorch Fock-Werft übernehmen

Die insolvente Elsflether-Werft hat offenbar einen Käufer gefunden: Nach Informationen des RND bekommt die Lürssen-Gruppe aus Bremen den Zuschlag.
09.08.2019, 13:48
Lesedauer: 3 Min
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Lürssen soll Gorch Fock-Werft übernehmen

Das Marineschulschiff "Gorch Fock" liegt bei der Fassmer-Werft an der Weser auf dem Trockenen.

Jörg Sarbach/dpa

Die insolvente Elsflether Werft steht vor der Rettung durch einen Käufer aus der Region. Zu den Bietern für das Unternehmen, das mit der Sanierung des Marineschulschiffs „Gorch Fock“ beauftragt ist, gehören nach Informationen des WESER-­KURIER die Bremer Lürssen-Gruppe, die Fassmer-Werft aus Berne sowie Abeking und Rasmussen aus Lemwerder. Nach Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) hat Lürssen derzeit die besten Chancen.

Mit dem Erwerb von Werften ist Lürssen auf jeden Fall vertraut: So hat das Unternehmen, das vor allem auf den Bau von Groß-Motorjachten und Marineschiffen spezialisiert ist, in der Vergangenheit unter anderem die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven, die Rolandwerft in Berne, die Hamburger Norderwerft und die Peene-Werft in Wolgast gekauft. Der jüngste Deal und sicherlich der spektakulärste war der Kauf der Hamburger Großwerft Blohm+Voss. Die Lürssen-Gruppe wollte sich auf Nachfrage des WESER-KURIER nicht zu einer möglichen Übernahme der Elsflether Werft äußern. Bis zum Ablauf der Bieterfrist Ende Juli hatten insgesamt drei Bewerber ein Angebot für die Elsflether Werft abgegeben. Der Gläubigerausschuss soll nach RND-Informationen inzwischen eine Kaufempfehlung zugunsten von Lürssen abgegeben haben.

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Laut RND sollen die Verträge bereits nach der nächsten Sitzung des Gläubigerausschusses Ende August unterzeichnet werden. Der Kaufpreis soll im einstelligen Millionenbereich liegen. Lürssen willsich offenbar dazu verpflichten, die derzeit gut hundert Mitarbeiter des Schiffbaubetriebes vollständig zu übernehmen.

Ein Sprecher der Elsflether Werft bestätigte dieser Zeitung, dass es mehrere Bieter gibt. Man werde mit den Bietern jeweils über deren Angebote in den nächsten Tagen verhandeln. Alles andere sei Spekulation – „der Gläubigerausschuss ist vertraulich“. Unabhängig davon sei es sehr positiv, dass es im Markt Interesse an der Elsflether Werft gebe, so der Sprecher.

Verantwortung für die Fertigstellung der „Gorch-Fock"

Mit dem Kauf der Werft würde Lürssen oder eine der beiden anderen Werften die Verantwortung für den Weiterbau und die Fertigstellung der „Gorch Fock“ übernehmen. Das Segelschulschiff der Marine wird seit 2016 auf der Elsflether Werft generalüberholt. Die Kosten waren von ursprünglich etwa zehn auf 135 Millionen Euro gestiegen.

Im Februar war bekannt geworden, dass die Elsflether Werft seit mehreren Monaten Rechnungen in zweistelliger Millionenhöhe nicht mehr bezahlen konnte. Am 20. Februar stellte das Unternehmen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Gegen den früheren Vorstand der Werft laufen Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts der Korruption.

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Derzeit ist die „Gorch Fock“ in einer Schiffbauhalle der Fassmer-Werft im Trockenen untergebracht. Dort erhält die Dreimastbark Anschlüsse, Leitungen und den traditionellen weißen Farbanstrich. Zuvor lag das Segelschulschiff drei Jahre lang im Trockendock der Bremerhavener Bredo-Werft am Labradorkai in Bremerhaven.

Ende Juni wurde der sanierte Rumpf des Marineschulschiffes nach langem Hin und Her zwischen der Bredo-Werft und der Marine zu Wasser gelassen. Bei dem Gezerre – die Bredo-Werft war als Subunternehmen für die Elsflether Werft tätig – ging es um Forderungen der Bremerhavener Werft in Millionenhöhe. Schon damals war auf jeden Fall klar, dass die „Gorch Fock“ zunächst nicht in der Elsflether Werft weitergebaut werden kann.

Trocken- oder Schwimmdock war notwendig

Notwendig war und ist für den Ausbau der Dreimastbark ein Trocken- oder Schwimmdock. Genau das gehe nicht in Elsfleth, hatte Axel Birk, Vorstand der Elsflether-Werft, Ende Juni mitgeteilt. Nach Abschluss weiterer erforderlicher Arbeiten in einem Dock könne die Ausrüstung der „Gorch Fock“ in Elsfleth vorgenommen werden, so Birk. Allerdings müsse das Land dann vorher den Elsflether Hafen vom Schlick befreien.

Der Gläubigerausschuss steht unter Zeitdruck. Spätestens Ende August will er den Vertrag für den Kauf der Elsflether Werft unterzeichnet haben. Denn im September sollen die Masten der „Gorch Fock“ gestellt werden. Und welches Unternehmen das machen soll, darüber gibt es keine Verträge mit einer anderen Werft. Das soll der künftige Käufer selber entscheiden, heißt es aus dem Umfeld der Elsflether Werft.

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