Bauressort prüft das Instrument Bremen prüft Mietspiegel

In Bremen gibt es bisher keinen Mietspiegel. Das könnte sich ändern. Zumindest prüft das Bauressort das Instrument. Ein Überblick zeigt, wo Bremens Mieten derzeit im Schnitt stehen.
10.05.2021, 05:55
Lesedauer: 3 Min
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Bremen prüft Mietspiegel
Von Lisa Schröder

Die Einführung eines Mietspiegels für Bremen wird aktuell geprüft. In Kürze sollen die Ergebnisse in der zuständigen Deputation vorgestellt werden. Bisher gibt es in Bremen im Gegensatz zu anderen Großstädten kein solches Instrument, das Vergleichsmieten für Wohnungen ausweist. Seit Jahren wird darüber debattiert. Kritiker fürchten, dass er zu einem Preisanstieg führen könnte, weil Potenziale für Erhöhungen erkannt werden.

Aktuell geben die Durchschnittsmieten Anhaltspunkte zur Beurteilung des Mietmarkts. So kosteten Wohnungen des größten Vermieters Gewoba zum Ende des Jahres 2020, wie berichtet, im Schnitt 6,51 Euro pro Quadratmeter in Bremen und 4,90 Euro in Bremerhaven. Insgesamt kommt die Gewoba auf mehr als 40.000 Wohneinheiten im Bundesland. 45 Prozent des Bestands in Bremen rangiert unter der Marke von 6,50 Euro und damit dem Preis für geförderten Wohnraum. Einen Anstieg gab es auch hier. In Bremen lag die Miete der Gewoba vor 20 Jahren bei 4,48 Euro und in Bremerhaven bei 3,95 Euro. „Wir haben unglaublich viel modernisiert“, erklärt Sprecherin Christine Dose die Erhöhungen. Außerdem seien viele Neubauten dazugekommen. „Das spiegelt sich wider.“ In Oldenburg liegt der Preis der Gewoba mit 6,97 Euro höher als in Bremen. Hier gibt es 1300 Einheiten.

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Vonovia besitzt in Bremen rund 11.400 Wohnungen. Der Standort sei wichtig, so Sprecherin Katja Mazurek, man wolle hier weiter wachsen: „Deshalb schauen wir fortwährend nach Entwicklungspotenzialen.“ Nach Angaben des Unternehmens lagen die Durchschnittspreise in Bremen im vergangenen Jahr bei 6,10 Euro pro Quadratmeter.

Ähnlich fällt die Miete bei der Brebau mit fast 6000 Einheiten aus – dort liegt der Schnitt bei 6,19 Euro. Stillstand gab es wegen der Pandemie. „Wir haben keine Mieterhöhung durchgeführt“, sagt Geschäftsführer Bernd Botzenhardt für 2020. Er geht davon aus, dass es weiterhin Gegenden mit sehr hohen Mieten geben wird wie München oder Stuttgart. Und hier? „Ich sehe in Bremen keinen Wohnungsmangel“, sagt Botzenhardt. In der Hansestadt sei es nicht die Regel, dass Menschen wegen einer Wohnung Schlange stehen. Nur in bestimmten Stadtteilen und Lagen sei der Druck größer.

Trend zu grünen Stadtteilen

Die Leiterin des Bereichs Vermietung bei Robert C. Spies, Svenja Schattner, beobachtete vor zehn Jahren den Trend zu grünen Stadtteilen wie Oberneuland. Dort verteuerten sich die Mieten. In den vergangenen Jahren seien Lagen in Zentrumsnähe begehrt gewesen. „Zudem stiegen die Singlehaushalte und somit die Mieten für kleinteiliges Wohnen sowie zentrumsnahe Stadtteile“, sagt Schattner. Auch Corona führt zu einem Wandel: „So sind ,grüne Lagen‘ mit Gärten, großen Balkonen, gleichermaßen aber auch guter Anbindung und Nahversorgung wieder stärker nachgefragt.“

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In der Spitze liegt die Miete in Bremen nach Angaben des Immobilienunternehmens bei etwa 14,50 Euro pro Quadratmeter. Und wo liegt der Schnitt? Das sei schwer zu sagen. Stadtteil, Bestand oder Neubau, Ausstattung – diese Faktoren müssten bedacht werden, erklärt Schattner. Das Mietniveau liege etwa bei neun Euro pro Quadratmeter. „Bisher haben wir in diesem Jahr knapp 100 Einheiten vermietet, der Quadratmeterpreis im Durchschnitt liegt hier bei circa 10,50 bis 11,00 Euro.“ Niedersachsen verzeichnete 2020 nach Angaben des Bundesinnenministeriums ein vergleichbares Niveau: Wolfsburg mit einer Nettokaltmiete von 8,60 Euro, Osnabrück mit 8,39 Euro und Hannover mit 8,74 Euro pro Quadratmeter.

Kampagne will Mieterhöhungen auf Jahre verbieten

„Ganz klar, die Mieten steigen“, sagt Kornelia Ahlring vom Mieterverein Bremen. In den vergangenen Jahren habe es konstant Erhöhungen gegeben. Was helfe? „Wohnungsbau, Wohnungsbau, Wohnungsbau“, betont Ahlring. Für Menschen mit einem nicht so hohen Einkommen brauche es genug bezahlbaren Wohnraum. Die Geschäftsführerin spricht sich für die Forderung des Deutschen Mieterbunds aus: Die Kampagne „Mietenstopp“ will Erhöhungen auf mehrere Jahre verbieten.

Wie es in Zukunft weitergeht? „Wir werden weiter in unseren Bestand investieren“, sagt Christine Dose von der Gewoba. Darum sei mit moderaten Mietsteigerungen zu rechnen. „Wir reizen den Möglichkeitsspielraum nicht aus und passen mit Augenmaß an.“ Svenja Schattner von Robert C. Spies geht davon aus, dass sich beliebte Lagen wie Schwachhausen, Mitte oder das Viertel tendenziell noch leicht verteuerten. In vielen der fast 300.000 Wohnungen in Bremen aber leben laut Bauressort die Eigentümer selbst – und damit annähernd die Hälfte der Bremer.

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