Brücken, Wesertunnel, Autobahn Wo 2020 in Bremen gebaut wird

Hier kann es im kommenden Jahr eng werden: Ob Brücken, Wesertunnel oder Autobahn – im Land Bremen 2020 stehen zahlreiche große Verkehrsprojekte mit umfangreichen Baustellen an.
29.12.2019, 06:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Wo 2020 in Bremen gebaut wird
Von Pascal Faltermann

Die Bagger, Maschinen und Arbeiter für zahlreiche Bauprojekte stehen in den Startlöchern. Gesamtkosten mindestens im hohen Millionenbereich eher bis in Milliardenhöhe kommen in den kommenden Jahren auf das Land Bremen in Sachen Verkehr zu. Allein für Großmaßnahmen wie den Bau des Wesertunnels (Kosten circa 345 Millionen Euro) oder den Bauabschnitt 2/2 im Bremer Süden für den Ringschluss der A 281 (rund 160 Millionen Euro) summieren sich mehrere Hundert Millionen Euro.

Das geht aus Daten der Verkehrsbehörde und dem Bundesverkehrswegeplan hervor. Klar ist im Hinblick auf den Haushalt aber auch: „Eine Erhöhung der Finanzmittel für die Verkehrsinfrastruktur ist wie in den Jahren zuvor dringend erforderlich“, sagt Jens Tittmann, Sprecher der Bremer Verkehrsbehörde. Neben den Megaprojekten stehen in 2020 weitere Großbaustellen auf dem Plan. Dadurch dürfte es an einigen Stellen in Bremen eng werden. Ein Ausblick auf die Vorhaben im kommenden Jahr.

Lesen Sie auch

A 281, vierter Bauabschnitt: Für das größte Bauprojekt ist der Spatenstich bereits erfolgt. Im Januar 2019 sollte es mit dem vierten Bauabschnitt der Autobahn 281 losgehen. Doch es dauert noch etwas, bis die Arbeiten auf dem rund fünf Kilometer langen Teilstück, das die Autobahn 27 in Gröpelingen über den 1680 Meter langen Wesertunnel mit dem bereits fertigen Teil der A 281 in Strom verbinden soll, tatsächlich beginnen. Immer wieder kam es zu Verzögerungen, zuletzt, weil es einen Einspruch gegen eine spezielle Ausschreibung gegeben hatte. Aktuell laufen aber die vorbereitenden Maßnahmen: Die Kampfmittelräumer suchen das Gelände nach Altlasten des Zweiten Weltkriegs ab und erste Behelfsstraßen und Wege werden angelegt, damit die Baustelle auch während der Arbeiten zu erreichen ist.

A 281, Bauabschnitt 2/2: Auch der Bauabschnitt 2/2 der A 281 im Bremer Süden für das Teilstück zwischen Neuenlander Ring und Autobahnzubringer Arsten am Flughafen soll bald in Angriff genommen werden. Das Verkehrsressort hat zwar das Baurecht erteilt bekommen, allerdings liegt noch ein Einspruch beim Bundesverwaltungsgericht vor. Die abschließende Entscheidung soll noch abgewartet werden. Bislang war das Ziel der Behörde, mit beiden Projekten im Jahr 2024 fertig zu sein. Der neue Vorsatz: 2025 sollen die ersten Autos auf den Strecken fahren können. Parteiübergreifend steht fest, dass der Ringschluss der A 281 höchste Priorität besitzt. Die CDU hatte zuletzt Druck auf die Regierung mit einer Aktuellen Stunde in der Bürgerschaft Ende August gemacht.

Bundesstraße B 75: Fest steht, dass an der B 75 gearbeitet werden muss. Vom 28. März bis Anfang Mai 2020 muss die Fahrbahn in Richtung Bremen zwischen Landesgrenze und Grolland erneuert werden, teilt das Bremer Amt für Straßen und Verkehr (ASV) mit. In diesem Bereich sind laut aktuellen Daten täglich gut 40.000 Fahrzeuge unterwegs, rund zehn Prozent davon Lastwagen. Der Verkehr soll laut ASV jeweils einspurig auf die gegenüberliegende Fahrbahnseite geleitet werden. Die in Fahrtrichtung Bremen gelegene Tankstelle kann in dieser Zeit nur über Umleitungen durch die Baustelle angefahren werden, für eine komplette Erneuerung in dem Bereich muss die Zu- und Abfahrt vier Tage voll gesperrt werden. Die Tanke auf der anderen Seite soll nicht betroffen sein.

Lesumbrücke: Voran gehen soll es bei der baufälligen Lesumbrücke, die seit dem 16. Dezember 2018 auf dem westlichen Teil für die Fahrtrichtung Hannover gesperrt ist. Nach zwei unterschiedlichen Gutachten sieht der Plan vor, dass in der zweiten Jahreshälfte 2020 das Bauwerk ertüchtigt, also mit Stahl verstärkt werden soll. Dann könnte es wieder drei normal große Fahrspuren in beide Richtungen geben, statt jeweils zwei kleinen, die sich derzeit die östliche Lesumbrücke teilen. Langfristig hilft aber laut dem ersten Gutachten nur ein kompletter Neubau, der jedoch frühestens 2028 kommen soll. Mit dem Ersatzbau der Flutbrücke Borgfeld beschäftigt eine weitere Flussquerung die Bauarbeiter. Im nächsten Jahr soll es mit dem insgesamt 6,4 Millionen Euro teuren Neubau laut ASV losgehen. In einem ersten Schritt soll die Straßenbahnbrücke ab April für den Autoverkehr hergerichtet werden, der eigentliche Rückbau der Flutbrücke soll im August 2020 starten.

Lesen Sie auch

Innenstadt: Auch in der Innenstadt wird weiter gearbeitet: Seit gut einem Jahr ist die Großbaustelle am Gewoba-Gebäude eingerichtet. Kommt es dort zu einem Bauende, kann der zweite Abschnitt der Umgestaltung der Discomeile starten, sagt Martin Stellmann, Sprecher des ASV. Ein Teil der Arbeiten an der Partystrecke am Rembertiring beziehungswiese am Breitenweg sind bereits abgeschlossen. Das ASV hat in einem circa 290 Meter langen Bauabschnitt in stadtauswärtiger Richtung von der Kreuzung am Herdentorsteinweg bis zur Diskothek Stubu, die derzeit geschlossen ist, den Fuß- und Radweg verbreitert und neu angelegt. Ziele des Umbaus sind mehr Platz für die Besucher zu schaffen, den Radverkehr sicherer zu machen die Plätze für Taxen neu zu ordnen.

Autobahn A 1: Auch auf der Autobahn A 1 wird es im kommenden Jahr zu Einschränkungen kommen. Wurden in 2019 noch die Fahrbahnen der Anschlussstellen wie in Hemelingen saniert, geht es nun an die Hauptfahrstreifen. Laut ASV wird in Richtung Osnabrück auf einer Länge von 3,8 Kilometern die Straße erneuert. Betroffen ist die Strecke zwischen den Ab- und Auffahrten Uphusen/Mahndorf und Hemelingen.

Sonstige: „Die Liste aller Bauprojekte ist bei uns noch deutlich umfangreicher“, sagt ASV-Sprecher Martin Stellmann. Allerdings befinde sich viel noch in der Abstimmung beispielsweise mit der Baustellenkoordination der Verkehrsbehörde und sei deshalb noch nicht belastbar. „Wir werden aber zusätzlich noch sehr zahlreiche Erhaltungsmaßnahmen an Straßen und Brücken haben, Neubau von Querungshilfen, Ampeln und Zebrastreifen für Fußgänger, barrierefreie Umbauten von Haltestellen und so weiter“, so Stellmann.

Lesen Sie auch

Die Koordination der Arbeiten, Sperrungen und Maßnahmen hat in den vergangenen Jahren stets für Ärger und Diskussionen gesorgt. Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) erhofft sich durch einen „kleinen Baustellengipfel“ eine bessere Planung. Anfang November hatte sie sich mit Vertretern von ASV, Hansewasser, Bremer Straßenbahn AG, SWB, Handels- und Handwerkskammer sowie weiteren Organisationen und Verbänden zusammengesetzt und erste Ideen für Verbesserungen gesammelt.

Unter anderem gibt es nun eine neue Software, in der die Projekte eingetragen werden. „Um die wichtigen Anliegen möglichst transparent zu gestalten, will ich mich mit den Beteiligten alle drei Monate zusammensetzen“, sagt Schaefer. Ihr Ziel sei es, die Verfahren zu verbessern. Es müsse Verständnis entstehen zwischen denen, die die Straße nutzen und verschleißen sowie denen, die sie dann reparieren. Der nächste Termin für diesen „Baustellengipfel“ ist für Anfang Februar terminiert. Dann soll auch ein Überblick über die anstehenden Projekte fertig sein.

+++ In einer vorherigen Version haben wir bei der Flubrücke von 1,2 Millionen Euro geschrieben. Dabei handelt es sich um die bereits 2019 im Haushalt eingestellten Kosten. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf 6,4 Millionen Euro. +++

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+