Von der Lesumbrücke bis zum Ringschluss A281

Fünf Herausforderungen in der Bremer Infrastruktur

Bremens Infrastruktur ist marode, neue Projekte kommen nur langsam voran. Das führt häufig zu Einschränkungen im Verkehr. Eine Zusammenfassung der Verkehrs-Brandherde.
12.12.2019, 08:37
Lesedauer: 6 Min
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Fünf Herausforderungen in der Bremer Infrastruktur
Von Maurice Arndt
Fünf Herausforderungen in der Bremer Infrastruktur

In der Bremer Infrastruktur stehen wichtige Bauprojekte an

Christian Kosak

Bremens Infrastruktur ist marode und veraltet. Allein von den 760 Straßenbrücken im Land Bremen müssen laut einer Hochrechnung in den kommenden Jahren bis zu 100 Stück repariert werden. Neue Projekte und Entlastungen kommen nur langsam voran. Das führt an einigen Stellen zu Einschränkungen für den Verkehr.

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Dieser Artikel gibt einen Überblick über die größten Baustellen und erklärt, wie jeweils der Stand der Dinge ist. Außerdem zeigt er, was bereits passiert und was schiefgelaufen ist.

Luftbild: Bremen, Lesumbrücke über die A27. Der westliche Teil der Brücke (Fahrtrichtung Bremen-Zentrum; im Bild vorne) ist für den Verkehr gesperrt. Drohnenaufnahme vom 13.02.2019.

Luftbild: Bremen, Lesumbrücke über die A27. Der westliche Teil der Brücke (Fahrtrichtung Bremen-Zentrum; im Bild vorne) ist für den Verkehr gesperrt. Drohnenaufnahme vom 13.02.2019.

Foto: Christian Walter

Lesumbrücke

Was ist geplant?

Die westliche der zwei Brücken für die Fahrtrichtung nach Hannover muss instand gesetzt werden. Die Behörden wollen die Brücke ertüchtigen. Das bedeutet: Die maroden Stahlstreben sollen Anfang 2020 mit zusätzlichem Stahl verstärkt werden. Im September 2020 könnten dann alle drei Spuren der westlichen Brücke wieder freigegeben werden. Anschließend sollen bis 2028 beide Brücken – Ost und West – neu gebaut werden. Zwischen 2025 und 2026 soll der Bau beginnen – zumindest im Idealfall. Da die Brücken in einem sogenannten FFH-Gebiet, einer Schutzzone für Natur und Landschaft liegen, sind Klagen und damit verbundene Bauverzögerungen nicht ausgeschlossen. Einen Puffer für mögliche Klagen haben die Planer aber wohl bereits eingeplant.

Wie ist der Stand der Dinge?

Seit dem 16. Dezember 2018 ist die westliche Lesumbrücke für die Fahrtrichtung Hannover gesperrt. Die Stahlträger jener Brückenteile, die 1949 und 1956 fertiggestellt wurden, weisen Risse und aufgeplatzte Stellen auf. Die 100 Meter lange Brücke musste deshalb so schnell wie möglich vom Verkehr befreit werden. Aktuell läuft der Verkehr deshalb nur über die östliche und neuere Lesumbrücke, die 1974 gebaut wurde. Für beide Fahrtrichtungen gibt es zwei schmale Fahrstreifen. Es darf maximal Tempo 80 gefahren werden.

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Was ist schon passiert?

Nach der Sperrung der West-Brücke wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den Schaden genauer zu betrachten. Das Ergebnis wurde im Juli 2019 bekannt gegeben: „Die Brücke kann nicht mehr unter Verkehr gehen“. Zudem sei eine Ertüchtigung nicht möglich, weil unwirtschaftlich – zum Ärger der Bremer Behörden, die genau das vorhatten. Ein zweites Gutachten, das seit dem 29. Oktober vorliegt, meint: Eine Ertüchtigung ist doch möglich. Für das erste Gutachten waren 300.000 Euro fällig, für das zweite vermutlich 50.000 Euro.

Was ist bisher schiefgelaufen?

Die Opposition sah das zweite Gutachten kritisch. CDU und AfD dauerte das Verfahren zu lange. Frank Magnitz, Bürgerschaftsabgeordneter der AfD, hätte lieber einen neuen Überbau, eine Alternative zur Ertüchtigung, gesehen. Denn: Durch das neue Gutachten wurde der Beginn der Sanierung hinausgezögert. Die Industrie- und Handelskammer forderte zudem eine Verbesserung des Schienenverkehrs nach Bremen-Nord, da der Engpass ohnehin noch lange andauern werde.

Die Stephanibrücke gehört zu den wichtigsten Straßen in Bremen. Ewig kann sie den Verkehr aber nicht mehr über die Weser tragen.

Die Stephanibrücke gehört zu den wichtigsten Straßen in Bremen. Ewig kann sie den Verkehr aber nicht mehr über die Weser tragen.

Foto: Vasil Dinev

Stephanibrücke

Was ist geplant?

In etwa 18 Jahren muss die marode Brücke neu gebaut werden. Bereits jetzt muss das Bauwerk, das neben der Weserstrombrücke der A1 die einzige Bremer Schwerlastbrücke ist, saniert werden. So soll sie die weiteren Jahre überhaupt noch standhalten.

Wie ist der Stand der Dinge?

Bis Ende 2018 wurden die Statik und der Zustand der 1968 gebauten Brücke untersucht, damit mit dem Bund als Eigentümer abgestimmt werden kann, welche Maßnahmen getroffen werden müssen.

Was ist schon passiert?

Von 2017 bis 2019 wurden bereits 595.000 Euro zurückgestellt. Um für eine Entlastung zu sorgen, hatte das Amt in den Sommerferien 2017 Einschränkungen für die Brücke umgesetzt. Seitdem gilt für Lastkraftwagen ein Überholverbot und im Falle eines Staus ein Mindestabstand von 50 Metern zum vorausfahrenden Fahrzeug. Zudem wurden die Fahrrad- und Fußwege in der Ebene unter der Straße mit Bauzäunen verengt. Das soll unter anderem größere Menschenansammlungen verhindern.

Was ist bisher schiefgelaufen?

Die Schäden an der Brücke wurden schon 2013 entdeckt. 2017 lag ein Untersuchungsbericht aber immer noch nicht vor.
Die Maßnahme zur Halbierung der Fahrrad- und Fußwege wurde kritisiert, weil durch die Bauzäune die Brücke auch belastet werde – mit rund drei Tonnen pro Seite. Auch die Einschränkungen für den LKW-Verkehr wurden kritisch beäugt, da diese nur beschildert, aber nicht überwacht würden.

So ist der Plan: Die Grafik zeigt, wo der Tunnel die Weser queren soll.

So ist der Plan: Die Grafik zeigt, wo der Tunnel die Weser queren soll.

Foto: DEGES

Ringschluss A281

Was ist geplant?

Die Autobahn A1 im Osten soll eine zweite Verbindung zur nördlichen A27 bekommen – neben dem bereits bestehenden Bremer Kreuz. Für diesen sogenannten Ringschluss, also die südliche Verbindung zwischen den Autobahnen über die A281, fehlen noch zwei Bauabschnitte. Ziel ist es, die A281 im Südosten über die B6 an die A1 anzuschließen. Im Nordwesten soll die Weser mittels eines Tunnels gequert werden, um die Autobahnen zu verknüpfen. Geplant ist das Projekt schon seit Jahrzehnten.

Wie ist der Stand der Dinge?

Am 1. Januar erfolgte der Spatenstich für den Wesertunnel. Die Weserquerung soll 2024 fertig sein. Auch der Anschluss der A281 an die B6 bei Huckelriede soll dann fertig sein, doch wegen eines Eilantrags einer Bürgerinitiative ist ihr Bau vorerst ausgesetzt.

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Was ist schon passiert?

1995 wurde die künftige Anschlussstelle an der A27 fertiggestellt. Von 2002 bis 2014 wurde die Autobahn 281 zwischen Airport Stadt, wo noch die Verbindung zur B6 fehlt, und dem GVZ, wo der letzte Bauabschnitt samt Tunnel ansetzt, gebaut. Seit 2010 liegt die Baugenehmigung für den Tunnel vor. 2016 hat die Bundesregierung den Ringschluss der A281 samt des Tunnels bei Seehausen in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen. Damit war eine vorher angedachte Öffentlich-Private-Partnerschaft und somit eine Maut vom Tisch.

Was ist bisher schiefgelaufen?

Einsprüche, Beschwerden und Klagen bis hin zum Bundesverwaltungs- und Bundesverfassungsgericht verzögerten den Tunnelbau immer wieder. 2001 vermutete die CDU noch eine Fertigstellung 2008. 2018 stiegen die Baukosten von 260 auf 345 Millionen Euro, hauptsächlich aufgrund von Preissteigerungen. Wegen einer leichten Verschiebung des Tunneleingangs muss zudem Bremen 1,2 Millionen Euro zuzahlen, obwohl eigentlich die Bundesregierung den gesamten Bau finanziert.
Beim Anschluss der A281 an die B6 gibt es weiter keine finale Lösung. Bremen und eine Bürgerinitiative wollen einen Tunnel unter dem Flughafen. Der Bund, der den Teilabschnitt finanziert, möchte eine günstigere Umfahrung des Flughafens. Dafür müssten Wohnungen und Kleingärten abgerissen werden.

Eine Machbarkeitsstudie der Baubehörde für neue Fahrrad- und Fußgängerbrücken existiert bereits seit mehreren Jahren.

Die Animation zeigt unter anderem, wie eine Brücke über die Weser im Bereich des alten Walls aussehen könnte.

Foto: Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Neue Fahrradbrücke über die Weser geplant

Was ist geplant?

Drei Fahrradbrücken – in Hemelingen, der Innenstadt und der Überseestadt – sollen Radfahrer schneller auf die jeweils andere Weserseite bringen. Möglichst alle Brücken sollen bis 2023 fertig sein.

Wie ist der Stand der Dinge?

Die Gesamtkosten werden auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Der Großteil der Finanzierung – bis zu 90 Prozent – wird vom Bund getragen. Der erste Teil der Innenstadt-Brücken, jener über die kleine Weser, soll nun definitiv kommen. Die Anschlüsse an die Fortsetzung über die große Weser von den Seenotrettern zum Alten Wall soll bereits mitgedacht werden. Baubeginn für das Vier-Millionen-Bauwerk ist frühestens 2021.

Was ist schon passiert?

Die Bremer Baudeputation hat 400.000 Euro für die Planung von drei neuen Fahrradbrücken über die Weser bereitgestellt.

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Was ist bisher schiefgelaufen?

Seit Jahren wird über Fahrradbrücken diskutiert. Die Parteien konnten sich mehrmals nicht einigen, wo Brücken gebaut werden sollen. Anschließend scheiterten die Querungen im klammen Bremen an der Finanzierung. Pläne für damals noch zwei Brücken – jene in der Innenstadt und Hemelingen – wurden im Frühjahr 2018 zunächst auf Eis gelegt.

Autobahn A1 - Hemelingen - Weserbrücke

Geflickt wurde die Weserstrombrücke bereits, das verschaffte Zeit. Mittelfristig muss sie aber gänzlich ersetzt werden.

Foto: Frank Thomas Koch

Autobahn A1: Weserstrombrücke und Bahnbrücke Uphusen-Mahndorf

Was ist geplant?

Die große Weserbrücke auf der A1 zwischen Hemelingen und Arsten sowie die kleinere Bahnquerung nahe der Abfahrt Uphusen-Mahndorf sind marode und müssen langfristig ausgetauscht werden. Spätestens 2038 braucht es eine neue Brücke über die Eisenbahngleise. Das muss aber vorher langwierig mit der Bahn und dem Bund abgeklärt werden. Die Weserbrücke muss spätestens in zehn Jahren neu gebaut werden.

Wie ist der Stand der Dinge?

Nachdem beide Brücke zunächst ausgebessert wurden, gibt es noch keine neuen Entwicklungen.

Was ist schon passiert?

Mehrmals wurde schon die Fahrbahn ausgebessert, da im Sommer bei hohen Temperaturen regelmäßig Hitzeschäden entstanden.
Bei der Bahnquerung, die durch eine für ihr Alter sehr gutes Material getragen wird, wurde die Betondecke mit sogenannten Schubdübeln, also dicken Metallbolzen, 2018 verstärkt.
Zuletzt wurde die Weserbrücke 2017 notsaniert und im darauffolgenden Jahr im großen Stil instand gesetzt.

Was ist bisher schiefgelaufen?

Die Probleme sind schon lange bekannt. Schon 2009 wurde die Bahnbrücke begutachtet. Die Brücke ist aus dem Jahr 1960 und war für 80 Jahre ausgelegt – wobei eine starke Erhöhung des Schwerlastverkehrs nicht einberechnet wurde. Und auch die Weserbrücke steht seit längerem unter Beobachtung.

Weitere Brücken, die in naher Zukunft repariert werden müssen sind unter anderem die Wilhelm-Kaisen-Brücke oder die Brücke bei Brauteichen in Bremen-Nord.

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