Zukünftige Nutzung des Geländes

Zirkus um und auf der Bremer Rennbahn

Kuriose erste Sitzung des neuen Regionalausschuss Rennbahn im Bürgerzentrum Neue Vahr. Die Wegeverbindung soll kurzfristig auf Kosten und Umsetzbarkeit geprüft werden.
31.10.2019, 21:14
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Hasemann

Willkommen bei Wünsch dir was: So in etwa lässt sich die Sitzung des Regionalausschusses Rennbahn im Bürgerzentrum Berliner Freiheit zusammenfassen. Gleichzeitig war es auch ein kurioser Ausflug in die Lokalpolitik mit Lehrcharakter. Konkrete Ergebnisse allerdings blieben Mangelware, immerhin versprach Senatorin Maike Schaefer (Grüne), einen Vorschlag für eine kurzfristige Baumaßnahme mit in ihr Ressort zu nehmen.

Wegeverbindungen zwischen Hemelingen und der Vahr, ökologische Aufwertung, Erhalt der Tribüne – bei einigen Punkten, die in der Sitzung zur Sprache kamen, herrschte Einigkeit. Einig waren sich die Sitzungsteilnehmer auch, dass es irgendeine Form der Zwischennutzung geben soll, bis ein endgültiges Konzept steht. Wie diese aussehen könnte, blieb allerdings im Dunkeln.

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Vorschläge gab es reichlich, viele davon waren schon bekannt. Zum einen sprach der Präsident des Golfclubs Syke, Caspar Willich, von der Möglichkeit, weiter dort Golfen zu lassen. Er verband diesen Vorschlag gleich mit der Forderung, dass eine Zwischennutzung nur bei Verträgen von drei „oder besser fünf“ Jahren Sinn mache. „Alles andere lohnt sich nicht.“ Die Stadt müsse sich von der Idee einer nur kurzen Zwischennutzung verabschieden. „Es braucht einen Ankermieter.“ Der Golfclub Syke stünde dafür bereit.

Vorschläge von vielen Seiten

Für das Atlantic Hotel vertrat Direktor Stefan Kohlhase die Interessen. „Mein Wunsch ist, dass das Verfahren möglichst schnell umgesetzt wird.“ Er habe schon Konzepte für Veranstaltungen auf der Rennbahn, sagte Kohlhase, der auch als Dozent für den Bereich Freizeit und Tourismus der Hochschule tätig ist. „Studenten der Hochschule haben an einem Projekt für die Rennbahn gearbeitet, das sie im Runden Tisch vorstellen wollen.“

Nachstehen wollten auch die Sportler nicht. Für sie sprach der Vereinsvorsitzende Uwe Jacobs vom TUS Vahr. „Wir haben die ganz große Hoffnung, auf der Rennbahn eine große Halle zu bekommen und Sportflächen, die sinnvoll genutzt werden können.“

Neu hingegen war der Vorschlag von Tierärztin Alexandra Dörnath. Sie würde gerne ein Winter-Varieté auf dem Gelände anbieten wollen und fragte den einigermaßen erstaunten Dirk Kühling direkt, an wen sie sich wenden müsse, wenn sie 3000 Quadratmeter mieten möchte. Dieser wiederum ließ diesen und auch die übrigen Vorschläge eher unverbindlich an sich abperlen, sprach aber davon, dass die Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) der richtige Ansprechpartner für Ideen für eine Zwischennutzung sei. Es brauche aber erst mal „ein Verfahren“, um die Vorschläge zu sortieren und zu bewerten. Ein Verfahren „wo man definiert, welche Zwischennutzung möglich sein soll.“

Lautstark quittierte die Bürgerinitiative die ablehnende Haltung von Carsten Koczwara (Die Partei), auf der Rennbahn eine große Mehrzweckhalle zu bauen. Sein Argument: „Wenn man keine Bebauung möchte, dann kann man dort auch keine Hallen bauen!“ Allerdings: Im Gesetzestext heißt es nur, dass es dort keine Wohnbebauung und Industrieansiedlungen geben solle. Koczwara erteilte auch einer weiteren Nutzung als Golfplatz eine Absage: „Das widerspricht dem, was die Leute wollen, nämlich eine Öffnung des Geländes.“

Die Bürgerinitiative, die in ihrem Volksentscheid immer wieder von der „grüner Lunge“ sprach – vom Naturschutzbund widersprochen – und das Schreckensgespenst zweites Tenever – nachweislich nicht geplant – in den Raum zeichnete, ging es offenbar vor allem darum, sich einen oder gleich mehrere Plätze am geplanten Runden Tisch Rennbahn zu sichern. Karin Kauert von der Bürgerinitiative: „Wir hätten gerne eine Aussage darüber, wie wir uns am Runden Tisch wiederfinden?“ Schließlich stünden mindestens 30.000 Menschen hinter dem Volksentscheid. Der Runde Tisch soll Ideen für die künftige Nutzung erarbeiten.

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Die verbindliche Replik von Maike Schaefer: „Die Bürgerinitiative soll mit am Tisch sitzen, aber vielleicht nicht mit 30 000 Teilnehmern.“ Einen Haushaltstitel für die Planungen konnte sie dagegen nicht zusagen. „Es wird sicherlich einen Posten für den Runden Tisch geben, aber noch nicht für das Ergebnis“, sagte sie. Sie gehe davon aus, dass die Planungen am Runden Tisch mindestens ein Jahr dauern werden. Eine etwaige Zwischennutzung könnte aber schon vor den Ergebnissen des Tisches umzusetzen sein. „Wir sind ja dankbar, wenn das Areal genutzt und noch Geld eingenommen wird.“ Sie versprach außerdem, die vielfach geforderte Wegeverbindung kurzfristig auf Kosten und Umsetzbarkeit prüfen zu lassen.

Kurios hingegen die Wahl des Sprecherpostens des Ausschusses im überfüllten und stickigen Raum C04 des Bürgerzentrums. Als Sprecher waren Hans-Peter Hölscher (SPD) und Gerhard Scherer (CDU) vorgeschlagen worden, beide sind Mitglieder des Beirats Hemelingen. Nachdem Ortsamtsleiter und kommunale Sachbearbeiterin die Wahlzettel für die gewünschte geheime Wahl vorbereitet hatten und Robert Bücking, Fraktionssprecher für Bau, Stadtentwicklung und Wirtschaft der Grünen, und Walter Ruffler, Bürgerinitiative gegen Bahnlärm und früherer Bürgerschaftsabgeordneter, die Stimmen ausgezählt hatten, hieß es: Gleichstand. Also musste das Los entscheiden, in diesem Fall eine Eineuromünze. Diese entschied sich für den CDU-Kandidaten.

Sprecherwahl per Münzwurf

Allerdings gab es Zweifel an, ob der direkte Münzwurf ohne Stichwahl so mit dem Ortsgesetz konform ist. Genau konnte es keiner sagen, die Senatskanzlei soll nun angefragt werden. Es blieb noch die Wahl des Stellvertreters. Dieser sollte, nach einiger Diskussion, aus den Reihen des Beirats Vahr kommen. Bernd Siegel (SPD) schlug nun sich selbst vor, obwohl er kurz zuvor noch eine Nominierung seitens der Hemelinger SPD mit dem Hinweise, dass er als Beiratssprecher schon genug zu tun habe, abgelehnt hatte. Sein Argument: „Die SPD hatte in der Vahr ein gutes Ergebnis und sollte vertreten sein“. Gegenkandidat Oliver Saake (Grüne) erhielt in der Abstimmung allerdings deutlich mehr Stimmen.

Zur Abstimmung standen schließlich noch zwei Anträge, nachdem sich ein dritter Antrag zur Wegeverbindung durch die Zusage von Maike Schaefer erledigt hatte. Allerdings entbrannte eine Diskussion darüber, ob diese Anträge überhaupt zur Diskussion zugelassen werden sollten – sie waren erst nach der Abgabefrist beim Ortsamt eingegangen. Oliver Saake (Grüne): „Wenn wir in dieser frühen Phase Beschlüsse fassen, schränken wir die Arbeit des Runden Tisches ein.“ Man sollte nicht gleich in der ersten Sitzung „einen Blumenstrauß an Wünschen verteilen.“

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Tim Haga (CDU), dessen Fraktion einen der Anträge eingebracht hatte: „Wenn wir hier nicht über Vorschläge diskutieren, weiß ich nicht, was für einen Sinn dieses Gremium hat.“ Die übrigen Ausschussmitglieder allerdings sahen den Zeitpunkt offenbar auch als zu früh an, um schon jetzt Beschlüsse zu fassen: Die Anträge der CDU und FDP wurden nicht zur Beratung zugelassen.

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