Coronavirus Was wir über die Omikron-Variante wissen

Die neue Coronavirus-Variante Omikron treibt in Südafrika die Infektionszahlen in die Höhe. Auch in Deutschland gibt es bereits einige Fälle. Was wir bisher über die neue Mutante wissen.
10.12.2021, 15:16
Lesedauer: 4 Min
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Was wir über die Omikron-Variante wissen
Von Patrick Reichelt
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Erst seit Kurzem ist weltweit überhaupt allgemein bekannt, dass es sie gibt - und schon mehren sich die internationalen Nachweise der Omikron-Variante (B.1.1.529) des Coronavirus. Was ist über die neue Mutation bisher bekannt? Eine Übersicht.

Was ist die Omikron-Variante?

Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten (NICD) berichtete Ende November 2021 von einer neuen, womöglich bedrohlichen Variante des Coronavirus mit der Bezeichnung B.1.1.529. Einzelne Nachweise gab es auch in Botswana und Hongkong. Untersuchungen zeigen, dass die Mutante unabhängig von der derzeit dominierenden Delta-Variante entstanden ist. Sowohl das Robert-Koch-Institut (RKI) als auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufen Omikron als "besorgniserregend" ein.

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Wie gefährlich ist die Omikron-Variante?

Bislang liegen noch keine wirklich belastbaren Daten vor, ob die Omikron-Variante gefährlicher oder ansteckender ist als etwa Delta. Eine verbesserte Übertragbarkeit sei aber denkbar, erklärt der Berliner Virologe Christian Drosten. Sicher nachgewiesen sei sie bisher nicht. 

Laut RKI besitze die Variante im Vergleich zum ursprünglichen Virus aus Wuhan eine ungewöhnlich hohe Zahl von Änderungen im Spike-Protein. "Darunter solche mit bekanntem phänotypischem Einfluss (Erhöhung der Transmission, Immunevasion, Übertragbarkeit), aber auch viele Mutationen, deren Bedeutung unklar ist", schreiben die Forscher.

Wie weit ist die neue Variante verbreitet?

In zahlreichen europäischen Staaten wurde B.1.1.529 bereits nachgewiesen, auch in Deutschland und seinen Nachbarländern.

In Niedersachsen gibt es bislang vier Fälle mit der Omikron-Variante. Demnach sind durch Sequenzierung zwei Fälle im Landkreis Wolfenbüttel bestätigt und jeweils ein Fall in der Region Hannover und dem Landkreis Rotenburg-Wümme. Darüber hinaus gibt es laut Landesgesundheitsamt zwei Verdachtsfälle im Landkreis Celle. 

Bis zum 7. Dezember wurden laut RKI in Deutschland 28 Fälle mittels Genomsequenzierung nachgewiesen. Bei 36 weiteren über das Meldesystem übermittelten Fällen besteht ein Verdacht auf Omikron.

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Unterscheiden sich die Symptome zu anderen Corona-Mutanten?

Dazu liegen wegen der geringen Fallzahlen noch wenige Daten vor. Die bislang mit der neuen Coronavirus-Variante infizierten Menschen in Südafrika sind nach Angaben der dortigen Mediziner-Vereinigung (SAMA) bislang nicht schwer erkrankt. Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagte der BBC, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien. Allerdings seien die Untersuchungen zu dieser Variante noch in einem sehr frühen Stadium. "Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit", sagte Coetzee. 

Schützt die Corona-Impfung gegen die Omikron-Variante?

Bisherige Analysen deuten darauf hin, dass B.1.1.529 einem vorhandenen Immunschutz in Teilen entkommen könnte – was nicht zwangsläufig bedeutet, dass Omikron andere Varianten verdrängt oder zu schwereren Krankheitsverläufen führt. 

Forschungen des südafrikanischen Professors Alex Sigal zeigten zudem, dass Omikron zwar den Impfschutz reduziert, der aber je nach Zahl der entwickelten Antikörper eine Wirksamkeit von bis zu 70 Prozent habe. „Wir sehen keinen Grund zu glauben, dass Impfungen nicht vor schweren Omikron-Erkrankungen schützt“, sagte er. Sigal gilt mit seinem Team vom Afrikanischen Gesundheits-Forschungsinstitut AHRI als weltweit erster Wissenschaftler, der das Virus künstlich gezüchtet hat. Dabei stand die Forschung nach dem Schutz durch Antikörper im Vordergrund. „Das Virus nutzt die gleichen Rezeptoren wie die anderen Varianten“, sagte er. Zwar habe es seine DNA geändert, aber kaum sein Verhalten.

Was für eine Rolle spielt die Booster-Impfung im Zusammenhang mit Omikron?

Biontech-Gründer Ugur Sahin hatte sich angesichts der Ausbreitung der Omikron-Variante für eine frühere dritte Impfung ausgesprochen. „Mit Blick auf Omikron sind zwei Dosen noch keine abgeschlossene Impfung mit ausreichendem Schutz. Wenn sich Omikron, wie es aussieht, weiter ausbreitet, wäre es wissenschaftlich sinnvoll, bereits nach drei Monaten einen Booster anzubieten“, sagte Sahin. In Großbritannien werde dies bereits so gehandhabt.

Nach Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA können Booster-Impfungen durchaus nach drei Monaten erfolgen. Ungeachtet der geltenden Empfehlungen, die Auffrischung nach sechs Monaten zu verabreichen, „sprechen die derzeit verfügbaren Daten für eine sichere und wirksame Auffrischungsdosis bereits drei Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung“, sagte der EMA-Direktor für Impfstrategie Marco Cavaleri am Donnerstag.

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Wie zuverlässig sind PCR- und Schnelltests bei der Erfassung der Variante?

Eine Infektion mit dieser Variante ist mit den aktuell genutzten gängigen SARS-CoV-2-Tests nachweisbar, schreibt das RKI auf ihrer Homepage. Die Variante selbst könne aber aktuell nur mittels Sequenzierung im Labor sicher identifiziert werden.

Wie reagieren Deutschland und andere Staaten auf Omikron?

Zahlreiche Staaten schränkten den Flugverkehr in südafrikanische Länder ein. Deutschland erklärte Südafrika außerdem zum Virusvariantengebiet. Ein Genesenen- oder Impfnachweis reicht nach Aufenthalt nicht aus. Einreisende müssen sich 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und können diese nicht durch einen negativen Test verkürzen.

Warum Omikron und nicht Ny als Name?

Die WHO benennt auffällige Varianten seit einiger Zeit nach den Buchstaben des griechischen Alphabets. Damit soll verhindert werden, dass die Orte, an denen die Varianten erstmals auftreten, als Bezeichnung verwendet und sprachlich an den Pranger gestellt werden. Der Reihenfolge nach hätte nun Ny folgen sollen - doch die WHO ließ diesen und auch gleich den folgenden Buchstaben Xi aus. Warum? Ny, das auf Englisch Nu heißt, klinge zu sehr nach "new" (deutsch: "neu") und wäre daher missverständlich gewesen, hieß es dazu von der WHO. Xi wurde nicht verwendet, weil es ein verbreiteter Nachname ist.

(Mit Material der dpa und des Science Media Center)

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